Rosenheim – Damit die aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen schnell integriert werden, hat Bayern sogenannte Willkommensgruppen eingerichtet. Auch an drei Rosenheimer Schulen gibt es jetzt für junge Ukrainer die Möglichkeit, Deutsch zu lernen und das Schulsystem kennenzulernen.
Musik machen
und Körbe flechten
In der Freien Waldorfschule in Rosenheim hat am Donnerstag zum ersten Mal Unterricht für sechs Kinder aus der Ukraine stattgefunden. „In den vergangenen zwei Wochen haben wir alle Vorbereitungen getroffen“, sagt Christine Peklo, Mitglied der pädagogischen Geschäftsführung. So musste beispielsweise ein Klassenzimmer leer geräumt werden, welches anschließend von Eltern und Lehrern dekoriert wurde.
Von Anfang an seien Peklo und ihre Kollegen für den Vorschlag offen gewesen, Kinder aus der Ukraine aufzunehmen. Nach und nach seien die ersten Anfragen von Familien bei der Schulverwaltung eingegangen, darunter auch die einer Lehrerin, die aus der Ukraine geflohen ist und angeboten hat, an der Waldorfschule Deutsch zu unterrichten. „Das hat sich ganz wunderbar ergeben“, sagt Christine Peklo. Während die Lehrerin den Kindern Deutsch beibringt, lernen sie in den anderen Fächern das Schulsystem der Waldorfschule kennen. Neben den Regelfächern wie Mathe- oder Englischunterricht wird Musik gemacht, Körbe geflochten und künstlerisch gearbeitet. „An der Waldorfschule haben wir viele Fächer, in denen man sich auch ohne Sprache verstehen kann“, sagt Christine Peklo. Dennoch sei es eine Herausforderung, den Schulalltag der sechs Kinder – deren Alter von der zweiten bis zur neunten Klasse reicht – zu gestalten. Aus diesem Grund könne man in der Waldorfschule auch maximal 15 Schüler aufnehmen. Noch aber gebe es freie Plätze.
Ein weiteres Willkommens-Angebot für Jugendliche aus der Ukraine ab 17 Jahren gibt es an der Berufsschule I. „Bis jetzt haben wir lediglich drei Meldungen aus Gemeinden“, sagt Schulleiterin Bärbel Marx. Sie stehe im Moment noch vor vielen offenen Fragen. So sei weder klar, was die Jugendlichen brauchen könnten, noch ob der Bedarf tatsächlich da ist. In den kommenden Tagen werden die Anfragen gesammelt. Bei zehn Interessierten wird die Willkommensgruppe ins Leben gerufen. „Ich glaube, dass die Über-17-Jährigen im Moment etwas anderes im Kopf haben als Schule“, sagt Marx. Zumal viele Jugendliche nach wie vor Online-Unterricht aus ihrer Heimat erhalten würden. Sollte die Nachfrage in den kommenden Tagen beziehungsweise Wochen tatsächlich wachsen, sieht sich Rektorin Bärbel Marx gut vorbereitet. So gebe es an ihrer Schule beispielsweise eine Kollegin, die Ukrainisch spricht, die erste persönliche Gespräche führen und Fragen vor Ort, telefonisch oder per E-Mail beantworten kann. „Dieses Angebot starten wir zeitnah. Alles andere wird sich ergeben. Aber wir tun, was wir können“, sagt sie.
Auf der Suche
nach Lehrkräften
Diese Einstellung hat man auch an der Mittelschule- Luitpoldpark. Seit Montag gibt es hier eine „Willkommensgruppe“. Im Moment nehmen zehn Jugendliche aus der Ukraine – zwischen elf und 16 Jahren – das Angebot wahr. Einige nehmen bereits am normalen Deutschunterricht teil, andere lernen die ersten deutschen Sätze während der Treffen der „Willkommensgruppen“. Diese finden von der ersten bis zur vierten Stunde statt. Nach dem Deutschlernen geht es für die Kinder zum Kicken auf den Sportplatz oder zum Malen in den Kunstunterricht. „Es ist wichtig, Alternativen zu schaffen“, sagt Schulleiter Michael Holzner. So dürfe man nicht vergessen, dass viele der Kinder traumatisiert und mit ihren Gedanken oft noch in der Ukraine sind. Ziel sei es jetzt, ukrainische Kräfte zu rekrutieren – unter anderem aufgrund der nach wie vor bestehenden Sprachbarriere. Aber auch, um das Personal an der Mittelschule zu entlasten, die zur Zeit weitere 20 Unterrichtsstunden abdecken müssen.