Rosenheim – Am Bahnhof herrscht eine Ausnahmesituation. Jedenfalls scheint es so. Am Südeingang stehen gleich mehrere Feuerwehrautos, auf dem Dach eines Kesselwagens haben sich rund 30 Einsatzkräfte versammelt. Einige tragen Schutzanzüge, die meisten haben das Visier ihres Helms nach oben geschoben. Sie nicken, schauen immer wieder auf die Ventile und Befüllvorrichtungen vor ihnen. Was aussieht wie ein Einsatz, ist Teil einer dreitägigen Weiterbildung.
Der Kesselwagen ist Bestandteil des Ausbildungszugs „Gefahrengut“ der Deutschen Bahn. Er besteht aus einem umgebauten Personenzugwagen als Schulungsraum, einem Anschauungskesselwagen mit verschiedenen Armaturen, Bodenventilen, Deckelöffnungen sowie einem eigenen Übungskesselwagen, der mit Wasser gefüllt ist, damit die Einsatzkräfte an verschiedenen Leckagen ihre Geräte einsetzen und testen können. „Das ist besonders. Der Kesselwagen kommt nur alle sieben Jahre nach Rosenheim“, sagt Christian Hof, Kreisbrandmeister „Gefahrengut“. Er hat die Weiterbildung organisiert, an der insgesamt 158 Teilnehmer aus der Region – darunter Vertreter von 28 Feuerwehren, Einsatzleiter verschiedener Einsatzorganisationen, Polizei, das THW, die Integrierte Leitstelle sowie die Notfallmanager der Deutschen Bahn AG – teilgenommen haben.
Auch Hof war in den vergangenen Tagen bei den rund vierstündigen Weiterbildungen immer wieder dabei. Er hat sein Wissen über Gefahrengutklassen und ihre Kennzeichnungen aufgefrischt und hat sich den Aufbau eines Kesselwagens erklären lassen. Anschließend übte er gemeinsam mit seinen Mitstreitern, wie die jeweiligen Löcher und Risse am Kesselwagen verschlossen werden können. „Leckagen an Kesselwagen sind im Landkreis sehr selten“, sagt Hof. Der letzte, an den sich der Kreisbrandmeister erinnern kann, sei 1987 gewesen. Damals seien am Südbahnhof Chemikalien aus einem Kesselwagen ausgetreten. „Man sieht an den wenigen Einsätzen, wie sicher der Transport von Gefahrgut im Schienenbereich ist“, sagt Hof. Und das, obwohl zum Teil zwischen 20000 bis 133000 Liter transportiert werden.
In Rosenheim ist man seit einigen Monaten besonders gut auf Einsätze mit Gefahrengut vorbereitet. Seit Anfang des Jahres hat die Stadtfeuerwehr einen neuen Abrollbehälter „Gefahrengut“. Insgesamt gibt es in Bayern laut Hof nur 42 Standorte mit einem solchen Einsatzfahrzeug, mit dem chemische Produkte umgepumpt, Leckagen geschlossen und Flüssigkeiten aufgefangen werden können. Damit alle Einsatzkräfte die neu angeschafften Spezialgeräte praxisnah testen konnten, war die Stadtfeuerwehr an allen Ausbildungsterminen vor Ort.
„Bei allen Trainingseinheiten zeigte sich, wie wichtig der persönliche Kontakt der Einsatzkräfte sowie das Kennen der gegenseitigen Spezialausrüstungen für eine erfolgreiche Bewältigung der Schadenslage ist“, sagt Hof. Nicht nur er sei mit dem Ablauf der vergangenen drei Tage zufrieden, sondern auch die Spezialausbilder der Deutschen Bahn. „Sie waren sehr beeindruckt von der guten Kameradschaft und der harmonischen Zusammenarbeit“, so Hof.hei