Bewegungspass für die Grundschule

von Redaktion

178 Kinder aus Happing sollen auf Eltern-Taxi verzichten – Aktion beginnt Montag

Happing – Das Problem ist bekannt: Kurz vor Unterrichtsbeginn staut sich vor vielen Schulen der Verkehr. Appelle von Schulleitungen und Polizei wirken oftmals nur kurze Zeit. Die Grundschule Happing will jetzt wichtige Schritte gegen Eltern-Taxis unternehmen.

Bewegung an
der frischen Luft

Thomas Gansert sind Elterntaxis schon lange ein Dorn im Auge. Er wohnt in Kempten, hat gleich zwei Grundschullehrerinnen in der Familie. „Sowohl meine Schwester als auch meine Frau haben mir unabhängig voneinander von dem Problem der Elterntaxis vor ihren Schulen zu den Bring- und Holzeiten berichtet“, sagt er. Also hat er vor drei Jahren den „SpoSpiTo-Bewegungs-Pass“ (Sporteln, Spielen, Toben) ins Leben gerufen, der Kinder nicht nur zur Bewegung an der frischen Luft animieren, sondern mit dessen Hilfe auch die Verkehrssituation vor Grundschulen entschärft werden soll.

Die Idee: Innerhalb von sechs Wochen – zwischen dem 25. April und dem 3. Juni – sollen die Kinder 20 Unterschriften ihrer Eltern in dem „SpoSpiTo-Bewegungs-Pass“ sammeln. Eine Unterschrift gibt es nur dann, wenn das Kind den Hin- und Rückweg zum jeweiligen Betreuungsort zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt hat. „Kinder, die diese Aufgabe meistern, erhalten als Anerkennung für so viel Bewegung und Klimaschutz eine Urkunde“, sagt Gansert.

Insgesamt nehmen laut Gansert über 70000 Kinder aus mehreren Bundesländern an der Aktion teil. Darunter auch 178 Kinder der Grundschule Happing. „Es ist eine gute Gelegenheit, auszuprobieren, ob es auch ohne Auto geht“, sagt Schulleiterin Andrea Ostermann. Daran, dass ihr das Projekt am Herzen liegt, lässt sie keinen Zweifel. Eben auch, weil es an der Grundschule in Happing aufgrund der zahlreichen Elterntaxis immer wieder zu gefährlichen Situationen komme – vor allem in den Morgenstunden. „In der Vergangenheit haben wir es mit Elterninformationen versucht. Außerdem kann es für Falschparker teuer werden“, sagt Andrea Ostermann. Jetzt ruht die Hoffnung auf dem „SpoSpiTo-Bewegungs-Pass“. „Ich appelliere an die Eltern, dieses Projekt zu unterstützen“, sagt die Schulleiterin. Zwar könne sie nachvollziehen, dass viele Eltern Angst davor haben, ihre Kinder zu Fuß oder mit dem Rad in die Schule zu schicken, aber sie findet es auch wichtig für die Kinder, mit Herausforderungen umzugehen. „Außerdem bringt ein kleiner Spaziergang viele Vorteile“, sagt die Schulleiterin.

Dieser Meinung ist auch Thomas Gansert. „Die Kinder sollen zur Bewegung an der frischen Luft animiert werden, sodass sie wacher, ausgeglichener und konzentrierter durch den Alltag gehen“, sagt er. Gerade in Zeiten von Corona sei es erforderlich, Bewegung in den Alltag der Kinder zu integrieren, da Angebote in Vereinen oder während des Unterrichts weggefallen seien. Zudem würde der Verzicht aufs Auto auch der Umwelt zugutekommen.

Ganserts Hoffnung ist jetzt, dass die Aktion in der Region in Zukunft noch bekannter wird und ein Partner gefunden werden kann, der die Kosten übernimmt. „In Bayern ist es in diesem Jahr noch so, dass die Grundschulen pro teilnehmendem Kind einen Euro bezahlen“, sagt er. Anders sei die Situation beispielsweise in Baden-Württemberg. Hier habe die Sparkassen-Finanzgruppe die Kosten übernommen.

Polizei setzt
auf Kontrollen

An der Wichtigkeit des Projekts zweifelt auch Polizeihauptkommissar Robert Maurer nicht. „Die Eltern-Taxis sind nach wie vor ein Problem vor den Schulen“, sagt er. Sei es, weil manche Eltern direkt im Halteverbot parken oder für Verkehrsbehinderungen sorgen. Um die Situation in den Griff zu bekommen, führen Maurer und seine Kollegen deshalb mehrmals im Monat vor den Schulen im Stadtgebiet Kontrollen durch. Zumindest vor der Grundschule in Happing könnte es aufgrund des Bewegungspasses in den kommenden sechs Wochen weniger zu kontrollieren geben.

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