Rosenheim – Wie sollen Bahn- und Busverkehr in Rosenheim künftig ablaufen? Und wie weit ist man bei der Umsetzung des Nahverkehrsplans? Antworten dazu gab es während der Veranstaltung „Ohne Auto durch Stadt und Land“. Das Fazit: Es gibt zwar noch viel Luft nach oben, aber tatenlos war man weder in der Stadt, noch im Landkreis.
Ein Auftakt mit gleich mehreren Lachern
Für Timo Barwisch hätte die Veranstaltung im Katholischen Bildungszentrum wohl kaum besser beginnen können. „Es passiert nicht oft, dass ich schon Applaus bekomme, obwohl ich noch nichts gesagt habe“, sagte der Diplom-Ingenieur vom Büro „Planmobil“ aus Kassel und erntete dafür gleich mehrere Lacher. 2017 erhielt er aus Rosenheim den Auftrag, einen Nahverkehrsplan für Stadt und Landkreis zu erstellen. Fünf Jahre später ist er zurück – auf Einladung des Rosenheimer Forums für Städtebau und Umweltfragen, dem Bund Naturschutz, Pro Bahn und dem Bildungswerk – um gemeinsam mit Landrat Otto Lederer und Oberbürgermeister Andreas März über das Thema Busverkehr zu diskutieren.
„Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat in der Region lange Zeit ein kümmerliches Dasein gefristet“, sagte Hermann Biehler vom Rosenheimer Forum. Wer nicht in der Nähe eines Bahnhofs wohne, sei auf ein zeitlich dünnes Busangebot oder auf das Auto angewiesen. „Ab Juni soll das Neun-Euro-Monatsticket für den ÖPNV kommen – und viele Bewohner im Landkreis können das nicht nutzen, weil es kein passendes Bus-Angebot gibt“, kritisierte Biehler. Ein Lichtblick sei jedoch der Nahverkehrsplan, den Stadt und Landkreis vor rund zweieinhalb Jahren jeweils einstimmig verabschiedet haben. Dabei handelt es um ein Planungsinstrument, das nicht nur eine Bestandsaufnahme des ÖPNV vor Ort, sondern auch Zielvorgaben für zukünftige Entwicklungen enthält. „Es ist vergleichbar mit einem Hausaufgabenheft für die kommenden Jahre“, sagt Timo Barwisch.
Und Hausaufgaben gebe es sowohl für die Stadt als auch den Landkreis eine ganze Menge. So hat sich beispielsweise die Stadt vorgenommen, dass der Bus in den kommenden Jahren zu einer „echten Alternative zum Pkw“ werden soll. Zudem sollen die Takte verdichtet, die Benutzerfreundlichkeit gestärkt, die Ausstattung der Haltestellen verbessert und eine Barrierefreiheit im ÖPNV hergestellt werden. „Bei einer Online-Befragung haben sich die Nutzer vor allem gewünscht, dass das Fahrtenangebot ausgeweitet wird“, sagte Barwisch. Heißt: Busverkehr am Sonntag, längere Fahrzeiten am Abend und bessere Angebote während der Ferienzeit.
Einige davon seien bereits in die Tat umgesetzt worden. Darauf machten auch Landrat Lederer und Oberbürgermeister März in ihren jeweiligen Reden aufmerksam. So gibt es mit Oliver Kirchner mittlerweile einen hauptamtlichen Geschäftsführer für die Rosenheimer Verkehrsgeselleschaft (RoVG). Barwisch spricht zudem von einer besseren Anbindung des Klinikums durch Stadt- und Regionalverkehr, einer Verdichtung des Angebots auf einigen Linien im Landkreis sowie dem On-Demand-Service „Rosi“, der den ÖPNV im Chiemgau ergänzt. Und doch gibt es in den Augen des Verkehrsplaners „noch viel Luft nach oben“. Dieser Meinung war auch ein Großteil der rund 100 Zuschauer.
„Natürlich ist nicht alles ideal“, bestätigte auch Landrat Otto Lederer. Aber er sehe diese Tatsache vielmehr als Chance, um „noch besser zu werden“. Ziel sei es, Jahr für Jahr sukzessive neue Themen anzunehmen.
Dieses Ziel verfolgt auch Oberbürgermeister Andreas März. „Von den zwölf Stadtbuslinien fahren bereits acht nach den Empfehlungen des Nahverkehrsplans“, sagte er. Zudem habe man die Fahrradmitnahme im Bus ermöglicht – wenn auch kostenpflichtig. Im Haushalt seien 2,4 Millionen Euro für den ÖPNV eingeplant – so viel wie noch nie zuvor. „Wir sind nicht untätig gewesen“, sagte März.
Mobilitätszentrale
am Bahnhof?
Mit etwas Glück lasse sich in diesem Jahr auch die Idee von einer Mobilitätszentrale am Bahnhof umsetzen. Zudem sollen die Fahrzeiten in der Stadt ausgeweitet werden. Vor allem am Abend. Auch Busse, die an Sonn- und Feiertagen fahren, stehen auf der Agenda – würden aber auch zusätzliches Geld kosten.
„Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel“, sagte er. Landrat Otto Lederer fügte hinzu: „Wir sind bemüht, besser zu werden. Aber wir sind auch darauf angewiesen, dass die Angebote angenommen werden.“