Rosenheim–Das Gewusel auf dem Salzstadel ist groß. Mit Schaufeln und Gießkannen bepackt tummeln sich Drittklässler der Astrid-Lindgren- Grundschule um die Hochbeete der Stadtbibliothek. Sie sind Teil der „Gemüse Ackerdemie“ und pflanzen dort ihr eigenes Gemüse. „Mir gefällt, das Gefühl mit der Erde zu arbeiten“, erzählt Anna stolz. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Mitschüler hat Anna einen Garten zu Hause und auch schon mit ihren Eltern Tomaten gepflanzt. Viele der Kinder leben allerdings in Wohnungen in der Stadt und kommen deshalb durch das Projekt erstmals mit Gartenarbeit in Berührung.
Für sie bietet der gemeinnützige Verein Acker gemeinsam mit der AOK das Programm „Gemüse Ackerdemie“ für Schulen an. „Wir haben festgestellt, dass viele Kinder gar nicht wissen, woher ihr Essen überhaupt kommt“, erklärt Katherina Rudolph, Regionalkoordinatorin des Vereins. Kinder hätten heute oft nicht mehr die Möglichkeit Lebensmittel auf natürliche Art und Weise kennenzulernen, ergänzt Babara Keller, Gesundheitsfachkraft der AOK, Sie sollen durch das Programm lernen ihre Lebensmittel besser wertzuschätzen. Der Verein Acker stellt den Schulen hierfür sämtliche Jungpflanzungen und „Acker-Coaches“ zur Verfügung. Die ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Kinder mit Expertenwissen.
Auch heute werden die Schüler von einigen Ackercoaches unterstützt. „Normalerweise haben wir nur einen Ackercoach, der uns zur Hand geht“, erklärt Elisabeth Reuther, die Lehrerin der Klasse. Doch heute ist eine besondere Stunde. Denn die zweite Pflanzung ist an der Reihe. Also gibt es Einiges zu tun.
In der „Gemüse Ackerdemie“ erleben die Kinder ab April ein ganzes Acker-Jahr. Dieses beginnt mit der ersten Pflanzung und endet mit dem Erntefest im Herbst. In der Zwischenzeit erfolgt eine zweite Pflanzung und eine Nachsaat. So können die Kinder selbst miterleben, wie aus den kleinen Pflänzchen handelsübliches Gemüse wird. Die Kinder pflanzen Kürbisse, Tomaten aber auch Mangold – ein Gemüse, das bisher nicht jedem Kind bekannt war. „Wir wollen so die Diversität auf dem Acker fördern“, sagt Katherina Rudolph. Die Stadtbibliothek stellt den kleinen Gärtnern hierfür ihre Hochbeete als provisorischen Acker zur Verfügung,
Die Ackerstunde findet einmal wöchentlich für jeweils 90 Minuten statt. Weil das allerdings nicht ausreicht, damit die Beete weiterhin gedeihen, bewässert der Stadtgärtner diese regelmäßig. Und auch die Kinder schauen in ihrer Freizeit regelmäßig mit ihren Eltern bei den Beeten vorbei, um sich um sie zu kümmern.
Zu Beginn jeder Stunde machen die Schüler einen Rundgang um die Hochbeete. Dort entdecken sie schon einiges. Dort, wo man letzte Woche nur Erde gesehen hatte, kann man schon heute die Ansätze einer Kartoffel entdecken. Anschließend stehen viele verschiedene Aufgaben wie Unkraut jäten auf der Tagesordnung, die Elisabeth Reuther am vorherigen Tag in einer „Ackermail“ mitgeteilt bekommt.
Anna freut sich darauf, das Gemüse gemeinsam mit ihren Mitschülern zu ernten. Nach den Pfingstferien ist es bei den Radieschen schon so weit. Das geerntete Gemüse werde gemeinsam mit der Klasse gegessen, erklärt Reuther. Die Kinder sollen auch selbst schmecken, was sie gepflanzt haben. Sophia Mayer