Fürstätt– Dreiste Betrugsmasche: Derzeit geben sich Kriminelle immer häufiger als Handwerker aus. Im Visier haben sie vor allem ältere Menschen. Nachdem es am Dienstag, wie berichtet, eine 79-jährige Frau aus Fürstätt getroffen hat, meldet sich jetzt deren Tochter zu Wort – und richtet einen Appell an die Bevölkerung.
Um die 40 Jahre,
dicklich und deutsch
Als sie den verpassten Anruf ihrer Mutter auf ihrem Handy gesehen hat, wusste sie sofort, dass etwas nicht stimmte. „Sie ruft sehr selten an“, sagt die Rosenheimerin, die in der Zeitung weder ihr Alter, noch ihren Namen lesen will. Sie habe ihre Mutter sofort zurückgerufen. Unter Tränen habe diese ihr geschildert, dass sie gerade bestohlen worden sei – von zwei Männern, die sich als Handwerker ausgegeben hätten. Später wird die Polizei in einer Pressemeldung über den Fall berichten. Dicklich sei einer der beiden Täter gewesen, um die 40 Jahre alt, mit blondem Haar. Er habe akzentfreies Deutsch gesprochen und trug ein weißes T-Shirt mit Brille. Wie der andere Betrüger ausgesehen hat, daran konnte sich die 79-Jährige nicht mehr erinnern. Zu groß sei der Schock gewesen, als sie feststellte, dass die beiden Männer, die vorgaben, nach dem Wasser in ihrer Wohnung sehen zu wollen, ihren Schmuck geklaut hatten. „Man denkt immer, solche Sachen können einem selbst nicht passieren. Aber das stimmt nicht, die Betrüger sind so raffiniert“, sagt die Tochter der 79-Jährigen.
Ihrer Mutter beispielsweise sei es anfangs überhaupt nicht komisch vorgekommen, dass die beiden Männer vor ihrer Tür standen. „In ihrem Haus wird gerade eine Wohnung ausgebaut. Da sind ständig Handwerker im Haus“, sagt die Rosenheimerin. Laut ihrer Mutter hätten die Betrüger geklingelt, ihr gesagt, dass sie nur kurz überprüfen wollten, ob die Wasserleitungen funktionieren. Weil sie wie Handwerker gekleidet waren, ließ die 79-Jährige die Männer in ihre Wohnung. Diese trugen ihr auf, sich ins Bad zu stellen, die Wasserhähne aufzudrehen und die Situation zu beobachten. „Ich glaube, da ist ihr die Situation zum ersten Mal komisch vorgekommen“, sagt die Tochter. Doch da dürfte es bereits zu spät gewesen sein. Denn während die 79-Jährige im Bad stand, machte sich einer der Täter in ihrem Schlafzimmer zu schaffen. Ohne Probleme habe er Schatulle mit den Goldketten, Armreifen und ihrem Verlobungsring gefunden – und alles eingesteckt. Anschließend hätten die beiden Männer das Haus verlassen und die verdutzte Seniorin zurückgelassen. Innerhalb weniger Minuten habe sie festgestellt, dass ihr Schmuck fehlt – und direkt ihre Tochter angerufen, die anschließend die Polizei verständigte.
Die Beamten seien sofort gekommen, hätten Fingerabdrücke genommen, Spuren gesichert und versucht die aufgelöste Seniorin zu beruhigen. Irgendwie. „Sie stand total neben sich“, erinnert sich die Tochter. Auch Tage später sitzt der Schock noch tief. Und doch ist die Familie froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. „Es ist nicht schön, aber das Leben geht weiter“, sagt die Rosenheimerin. Ihr sei es jetzt vor allem wichtig, für mehr Achtsamkeit in der Bevölkerung zu werben. „Es spielt keine Rolle, ob sie Jung oder Alt sind. Es kann jedem passieren“, sagt sie.
Es ist eine Aussage, die Polizeihauptkommissar Robert Maurer nur unterstreichen kann. Auch er erinnert sich an zahlreiche Fälle, in denen sich Betrüger als Handwerker oder aber Polizisten ausgegeben haben, um so in die Wohnung und an die Wertgegenstände ihrer Opfer zu gelangen.
Gewisses Misstrauen
an den Tag legen
„Ein gewisses Maß an Misstrauen ist nicht unhöflich“, sagt er und rät dazu, sich genau zu überlegen, ob man die unbekannten Personen vor der Tür in die Wohnung lassen will oder nicht. Zudem mache es Sinn, sich bei den Nachbarn oder der Hausverwaltung zu erkundigen, ob beispielsweise Handwerker im Haus unterwegs sind. „Auch die Polizei kann man jederzeit kontaktieren“, sagt Maurer.
Ob diese Tipps helfen, Betrüger, wie diese die am Dienstag in Fürstätt unterwegs waren, dingfest zu machen, wird sich zeigen. Zumindest die 79-Jährige wird Fremde jetzt nur noch selten in ihre Wohnung lassen – auch dann nicht, wenn sie sich als Handwerker ausgeben, die ihre Wasserleitungen überprüfen wollen.