Rosenheim – Seit fünf Jahren gibt es den Unverpackt-Laden „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim. Doch nun endet die Geschichte des Ladengeschäfts Ende Juni. „Am Ende hat es leider nicht gereicht“, berichtet Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens. „Nun werden wir nach fünf Jahren unsere Türen schließen müssen.“
Vermieter kommt Inhabern entgegen
Sie sei sehr dankbar dafür, wie sehr ihr ihr Vermieter entgegengekommen sei. „Er hat auf keine Kündigungsfristen bestanden. Das ist eine enorme Hilfe. Wir mussten jetzt einfach einen Schlussstrich ziehen, bevor wir am Ende verschuldet dastehen.“ Gänzlich aus dem Geschäft mit Bio-Lebensmitteln aussteigen wollen sie und ihr Mann jedoch nicht. „Unser Online-Shop mit Lieferservice läuft gut, den werden wir weiterhin betreiben.“
Jüngst hatte sie auf Facebook und Instagram die Entscheidung zur Schließung des Unverpackt-Ladens öffentlich gemacht. „Ihr werdet fehlen, sehr schade!“, kommentiert unter dem Facebook-Post etwa Georg S.. „Sehr schade, bin gern zu euch gekommen, auch wenn‘s weit war“, stimmt auch Sandie L. mit ein. „Ach das tut mir sehr leid, und mehr als das. Bei euch einkaufen, das war bewusst einkaufen, und nicht einfach konsumieren! Dass ich das bald nicht mehr kann, finde ich sehr schade!“, so Susanne K..
Der Laden besteht seit 2017 an der Gillitzerstraße. „Ende 2019 lief alles noch wunderbar. Damals haben wir sogar noch überlegt, zusätzlich jemanden anzustellen, damit wir die Kundennachfrage bedienen können“, berichtete Stibane. Damals arbeitete noch ihr Mann Christian mit im Laden. Aktuell arbeitet er in einem anderen Beruf, damit die Familie mit zwei Kindern genügend Geld zusammenbekommt. „Wir haben seitdem zwei Drittel unserer Kundschaft und 40 bis 50 Prozent des Umsatzes eingebüßt.“
„Höhere Standards in der Tierhaltung und beim Umweltschutz, weniger Schadstoffe – den höheren Preis für Bio zahlten zuletzt immer mehr Menschen. 2022 hat sich der Trend umgekehrt. Verantwortlich sind Inflation und steigende Kosten unter anderem bei Energie und Mobilität“, berichtet die Zeitschrift „Öko Test“. Auch die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet von einem Rückgang der Nachfrage. Das spüren offenbar Bio- und Unverpackt-Läden auch in anderen Teilen Bayerns.
„Manche Sachen wie die Backwaren und Molkereiprodukte werden wir noch ein paar Male vor Schluss liefern lassen beziehungsweise anbieten können“, so Stibane. „Bei vielen anderen Waren wird es sich dagegen leider nicht mehr rentieren, diese liefern zu lassen. Da werden wir jetzt zusehen, dass wir bis zur Schließung allmählich die Lagerbestände leer bekommen.“
In jedem Fall wäre sie dankbar, sollten Kunden noch bis zur Schließung vorbeischauen, auch, um beim Abverkauf der Lagerbestände zu helfen. „Falls jemand noch Gutscheine von uns haben sollte, wäre es auch die letzte Chance, sie bis dahin bei uns einzulösen.“ Auch wer Interesse an Teilen der Einrichtung habe, könne sich gerne melden. „Teile unserer Ausstattung, die wir bereits verkaufen können, werden entsprechend ausgestellt beziehungsweise gekennzeichnet.“
Montags ist nicht mehr geöffnet
Stibane steht nach eigenen Angaben allerdings auch mit anderen Teilen der Unverpackt-Laden-Gemeinschaft im Netz in Kontakt, um Interessenten für den Abverkauf von Lagerbeständen und Inventar zu finden. „Aktuell haben wir auch deswegen nun montags geschlossen.“ Für das geplante Online-Geschäft sei sie außerdem auf der Suche nach geeigneten Lagerräumen. „Da gibt es vielfältige Angebote in und um Rosenheim, ich bin derzeit mit verschiedenen Stellen im Gespräch.“Heinz Seutter