Allein im finnischen Wald

von Redaktion

Zwei Pfadfinder aus Rosenheim sind bei der Explorers-Belt-Expedition am Start

Rosenheim – Smartphones sind verboten. 22 junge Menschen aus dem Gebiet der Erzdiözese München und Freising müssen irgendwo in Finnland auf dem Land ohne auskommen. Was klingt wie eine harsche Erziehungsmaßnahme, macht Katharina Reischl freiwillig. Die 18-jährige Rosenheimerin und ihr Kollege Jonas Stockmeier werden nach Helsinki fliegen und dann mit dem Auto aufs Land gefahren. Wohin wissen sie nicht. Den anderen zehn Zweierteams geht es genauso. Dort wird ihnen dann eine Karte und ein Kompass in die Hand gedrückt und dann gilt es 200 Kilometer zu wandern. Wohin wissen sie im Vorfeld nicht.

Fremde Kulturen,
Flora und Fauna

Aber so ist das bei der „Explorer-Belt-Expedition-Aktion“ der Pfadfinder. Seit Ende der 50er-Jahre werden junge Menschen dazu angehalten, fremde Kulturen und fremde Flora und Fauna zu erforschen und zwar weitestgehend selbstständig – damals freilich noch ohne Smartphone-Verbot. Die Deutsche Pfadfindergemeinschaft St. Georg ist seit fast 20 Jahren mit dabei.

Für Reischl und Stockmeier wird es das erste Mal. Aber von Nervosität keine Spur, nur etwas Aufregung ist zu spüren. So ganz allein sind die zwei dann auch nicht. Jedes Team hat einen eigenen Betreuer. Der läuft allerdings nicht mit, sondern wartet am Ziel und telefoniert einmal am Tag mit den Pfadfindern. Die bekommen nämlich ein altes Handy mit, um in Notfällen telefonieren zu können. Google Maps wird allerdings auf dem Gerät nicht funktionieren.

Notfälle können zum Beispiel Elche sein. Die gibt es in Finnland ja etwas häufiger als hierzulande. „Langsam zurückziehen, keine hektischen Bewegungen und vor allem nicht in Panik geraten“, so, erklärt Reischl, soll man sich bei einem Treffen mit Alces alces verhalten. Die frisch gebackene Abiturientin ist gut vorbereitet, auch wenn das zweite Vorbereitungswochenende noch aussteht. Denn zwar machen die Rover, so der Name der Pfadfinderstufe, die teilnehmen darf, vor Ort dann alles selbst, aber sie müssen ja wissen, was sie tun.

Auch was man mitnimmt. Einfach den Kofferraum vollladen geht halt nicht. Wer 200 Kilometer wandert, sollte sich gut überlegen, was er alles auf dem Rücken tragen will und kann. „Wir haben uns vorgenommen nicht mehr als zehn Kilogramm mitzunehmen“, erzählt Reischl. Das allein ist schon eine Herausforderung. Schließlich wiegt das Zelt der beiden schon zwei Kilo und dazu kommen dann noch Isomatte und Schlafsack, Camping-Kocher und Brennstoff, Regenkleidung und, und, und. „Man sollte nicht zwölf Paar Socken mitnehmen“, sagt Reischl lachend.

Die Selbstständigkeit betrifft auch das Essen. Wirtshausbesuche sind eher nicht eingeplant. Die Reisenden bekommen Verpflegungsgeld und sollen dann selbst kochen. Wobei Reischl hofft, dass sie auch mal bei einer Familie eingeladen werden. Das passiere wohl ab und zu, hätten Teilnehmer früherer Jahre berichtet.

Das wäre auch eine Chance, die Menschen und die Kultur besser kennenzulernen. Auch ein Ziel der Explorers Belt Challenge. Dazu passend gibt es auch Aufgaben, die es zu erfüllen gilt, um am Ende den namensgebenden Gürtel zu bekommen. Aufgabe in den letzten Jahren war es zum Beispiel ein lokales Gericht nachzukochen oder ein französisches Gebet zu lernen. Ohne Smartphone setzt das den Kontakt zu Einheimischen voraus. Auf den freut sich Reischl besonders. Sie will eben nicht nur Flora und Fauna, sondern auch die Kultur kennenlernen. „Italien und Südeuropa kennt man ja irgendwie aus dem Urlaub, aber nach Norden kommt man selten“. Ein paar Brocken Finnisch hat sie bereits aufgeschnappt, aber sie lernt fleißig mehr.

Freundschaft
steht im Mittelpunkt

Ob sie nachher den „Explorers Belt“ bekommt, ist ihr nicht wichtig – auch wenn sie sehr zuversichtlich klingt. Die beiden sind noch auf der Suche nach Sponsoren. Wer die beiden unterstützen möchte, kann sich bei Reischl unter Katharina-Maria.Reischl@gmx.de melden. Reischl, die Pfadfinderin ist, seit sie sechs Jahre alt ist, geht es um das Erlebnis, um Natur, um Freundschaft – ganz im Sinne der Pfadfindertraditionen.

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