Rosenheim – Treffen sich ein japanischer Polizist, einer aus Sri Lanka und ein Rosenheimer. Was klingt wie ein schlechter Witz, ist das was die International Police Association (IPA) macht: Polizisten aus aller Welt an einen Tisch bringen, denn, wie Rüdiger Thust erklärt, ist die Polizei praktisch wie eine Familie und Familien können durch Landesgrenzen nur bedingt getrennt werden.
Dienen durch
Freundschaft
Familie und Freundschaft sind Wörter, die Thust häufig verwendet. Nicht Truppe oder Korps. Der „kölsche Jung“ ist vor ein paar Jahren nach seiner Pensionierung in die Region gezogen. Zuvor hat er 45 Jahre als Polizist gearbeitet. Und das ist er trotz Pensionierung eigentlich immer noch: „Ich bin Polizist mit Leib und Seele gewesen“, sagt er lachend. Und so richtig ist ja jetzt auch immer noch nicht Schluss. Schließlich leitet er als Verbindungsstellenleiter die IPA Rosenheim.
Seit 1950 gibt es die IPA. Der britische Polizist Arthur Troop gründete den Verein, um internationale Zusammenarbeit zu stärken. Dabei war es von Anfang an geplant das auf informeller Ebene zu tun: Das Motto Dienen durch Freundschaft. Freilich ist das Motto nicht auf Deutsch, sondern auf Esperanto: Servo per amikeco.
Für Thust war die IPA seine ganze Laufbahn zwar präsent und er selbst Mitglied, aber das Engagement ist erst vor ein paar Jahren gekommen. „Als Kommissariatsleiter und Kripogewerkschaftler war ich gut ausgelastet und konnte mich deshalb nur bedingt um die IPA kümmern“, erzählt er. Genau vor 30 Jahren war er auf seinem ersten Seminar im IBZ Schloss Gimborn. Seminare und Fortbildungen sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der IPA. Der Austausch hilft den Polizisten bei ihrer täglichen Arbeit, denn die verschiedenen Behörden verfolgen oft unterschiedliche Ansätze, haben andere Methoden und andere rechtliche Bedingungen.
Auf seinem ersten Seminar, erzählt Thust, hätte er wenig verstanden. Es war auf Französisch und Italienisch. Letzteres sprach er zwar ein wenig, aber damals noch nicht so gut wie heute. Inhaltlich mag also nicht viel hängen geblieben sein, aber dafür etwas anderes: Eine lebenslange Freundschaft. Im kommenden Herbst pünktlich zum 30-jährigen Bestehen, trifft sich Thust mit einem auf dem Seminar kennengelernten Kollegen aus Rom in Neapel.
Ein anderer Freund, den er jüngst auf einer Fortbildung kennenlernte, besuchte ihn auf der Rückreise nach Italien hier in Rosenheim. Alpen, Kampenwand, nicht zuletzt bayerisches Bier – der Kollege war begeistert.
Aber der Standort Rosenheim ist nicht nur wegen solcher Aspekte für Polizisten aus aller Welt interessant. Schließlich sitzt in Rosenheim nicht nur die Landespolizei, sondern auch die Bundespolizei und zur Landesgrenze ist es nicht weit. Denn ein wichtiges Ziel der IPA ist nicht nur die Pflege von Freundschaft, sondern die ganz praktische, unbürokratische Amtshilfe.
„Als Schengen kam, war die europäische Gesetzgebung nicht weit genug“, sagt Thust über die rechtlichen Gegebenheiten der internationalen Zusammenarbeit der verschiedenen Polizeibehörden. „Das kam sukzessive hinterher,“ sagt er und noch sei man nicht da, wo man hinwollte. Da hilft oft ein persönlicher Kontakt. Jemand bei dem man einfach mal vorab schnell nachfragen kann ohne Anträge und Papierberge.
Deshalb organisieren die verschiedenen IPA Stellen nicht nur Lehrgänge und Fortbildungen, sondern auch Fußballturniere auf Sizilien oder Schießwettbewerbe in den Niederlanden.
Etwas ernster geht es bei den Hospitationen zu. Sie bieten die Möglichkeit den Kollegen ganz direkt über die Schulter zu schauen und dabei vielleicht die ein oder andere Idee aufzugreifen.
Thust möchte das gerne auch in Rosenheim umsetzen und Beamte aus Österreich, der Schweiz und Italien einladen – da fällt die Sprachbarriere weg.
Lernen vom Sturm
aufs Kapitol
Und zu lernen gibt es für alle Einiges: Zum Beispiel referiert demnächst ein amerikanischer Kollege, der beim Sturm aufs Kapitol dabei war auf dem dritten bayerischen IPA-Fachtag in Limburg. Was ist schief gelaufen, was kann man besser machen? Daraus kann jeder Polizist lernen – auch in Deutschland sind solche Szenarien nicht unbekannt.
Lange, erzählt Thust, hätte die IPA einen wenig schmeichelhaften Ruf als Altherrenverein gehabt. Aber aktuell sei da vieles im Umbruch und die IPA befinde sich auf dem Weg der Verjüngung, auch in Rosenheim. Dabei sei es ihm enorm wichtig, das Alte zu bewahren, aber für junge Mitglieder neue und interessante Angebote zu schaffen. Thust ist sehr bemüht weiter Freundschaften durch die IPA zu vermitteln.