Leserforum

Wunsch nach starkem Lobbyisten für die Radler

von Redaktion

Zum Bericht „Es geht auch miteinander“, erschienen im Lokalteil:

Normalerweise bin ich gegen Lobbyismus, wenn er dazu dient, dass Einfluss genommen wird, um sich, seiner Firma oder einer Wirtschaftseinheit Vorteile auf Kosten des Gemeinwohls zu sichern. Es gibt aber auch einen Lobbyismus, der sich einseitig einsetzt für den Gemeinsinn und die schwächere Gruppen in der Gesellschaft, und den schätze ich sehr. Ein Radverkehrsbeauftragter sollte genau das tun: Sich dafür einsetzen, dass schwächere Gruppen vertreten werden um deren Anliegen durchzusetzen.

Mir scheint, dass Herr Fröhlich sich eher als Vermittler sieht als Vertreter derer, die in unserer Stadt umweltfreundlich, gesund und günstig mit dem Rad unterwegs sein wollen. In unserer Stadt-Mobilität gibt es bisher eine klare Rangordnung: Zuerst kommen die Stärkeren und Schnellen, das sind die Lkw und Pkw, dann kommen die Radfahrer und zum Schluss die Fußgänger. Wenn nun die Stadt einen Radverkehrsbeauftragten benennt, sollte dieser eindeutig einseitig die Interessen des Radverkehrs vertreten und damit gleichzeitig die Benützer der Velos vor Unfällen präventiv schützen. Das kann man freundlich, beharrlich und diplomatisch tun, aber nicht unterwürfig.

Mir kommt es eher so vor, als würde Herr Fröhlich in erster Linie dafür sorgen wollen, dass sich diejenigen, die mit dem Rad unterwegs sind, immer besser an die schwierige Verkehrssituation anpassen sollen. Die Bedingungen zu ändern ist für ihn keine Option. Sehr schade! Meiner Vorstellung eines Radverkehrsbeauftragten entspricht das nicht. Ich wünsche mir einen starken Lobbyisten für die radfahrenden Kinder, Frauen und Männer in unserer Stadt.

Evi Lang

Rosenheim

„Wird der Autoverkehr in Rosenheim bevorzugt?“, das sagt der Fahrradbeauftragte der Stadt“. Ehrenamtler wie der Rosenheimer Radbeauftragte Olaf Fröhlich sind wichtig und können nicht den fachlichen und professionellen Bedarf, den es für eine erforderliche konzeptionelle Radverkehrsplanung benötigt, kompensieren.

Beim „Rad Klima Test“vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) belegt Rosenheim jahrelang die letzten Plätze. Wer behauptet, dass Radfahren sei „absolut“ sicher, verharmlost mit „Problemzonen“ die verfestigte Ignoranz von Politik und Verwaltung gegenüber den Bedürfnissen von Radfahrern. Dass Radwege im Winter nicht geräumt werden, liegt nicht an der Enge der Stadt. Substanzielle und nachhaltige Radverkehrsplanung bedeutet nicht, dass der Rad- sich dem Autoverkehr unterordnet.

Die Förderung des Radverkehrs beinhaltet unter anderem eine Umverteilung des knappen Guts öffentlicher Raum, der in den letzten Jahrzehnten durch die CSU einseitig dem Auto zugesprochen wurde und wird. Das Ergebnis sieht man im täglichen Stau. Ein hauptamtlicher Radbeauftragter ist in der Verwaltung, mit rechtlichen Kompetenzen ausgestattet und verfügt über ein entsprechendes Budget. Die Verkehrsmoral des Radverkehrs ließe sich steigern, wenn er in der Verkehrsplanung wahrgenommen würde. In Rosenheim dagegen behindern beispielsweise die Ampelschaltungen den Radverkehr zugunsten des Autos. Ein Miteinander ist möglich, wenn Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt werden, davon ist Rosenheim weit entfernt. Denn: Für den Unterhalt des Autoverkehrs gibt es viele fachliche Mitarbeiter, viel Geld und viel Know-how, der umweltfreundliche Fahrradverkehr dagegen wird von der Rosenheimer CSU Politik klein gehalten.

Kay Paulick

Rosenheim

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