Rosenheim – Es war ein denkwürdiges Treffen des Rotary Clubs Rosenheim am vergangenen Freitag im Johann Auer.
Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen wählten die Rosenheimer Rotarier erstmals eine Frau zur Präsidentin und zum anderen bot das Junge Theater Rosenheim zwei Kostproben. Einmal aus der erfolgreichen Inszenierung von Michael Kohlhaas im vergangenen Jahr und einen kleinen Ausblick auf die „Bremer Stadtmusikanten“, dessen Premiere am 24. Juli zu sehen sein wird. Der Auftritt war freilich kein Zufall. Schließlich bekam das Junge Theater Rosenheim den mit 3000 Euro dotierten Kulturpreis des Rotary Clubs verliehen.
Vom Stadtrat
in den Club
Eigentlich, erklärt inzwischen Ex-Präsident Georg Schell, liege der Schwerpunkt rotarischen Engagements ja im sozialen Bereich. Aber „Kultur und insbesondere die Förderung junger Menschen sind uns natürlich eine Herzensangelegenheit.“ Ausgerechnet das Junge Theater zu prämieren, war mehr Zufall. Das hatte nämlich sich an verschiedene Stadtratsmitglieder gewandt.
Die Räume, in denen das Ensemble probt und dann im Juli aufführt, gehören der Flötzinger Brauerei. Die hat dem Theater die Räume als Zwischennutzung überlassen. Einzig die Nebenkosten muss das junge Theater aufbringen.
Eine tolle Gelegenheit für Schwankl, aber auch eine finanzielle Herausforderung. Die Räume sind nicht klein und die Gaspreise sind hoch: „Im Winter müssen wir dann Decken ans Publikum verteilen“, sagt er lachend.
Unter den kontaktierten Stadtratsmitgliedern war auch der FDP/FW-Fraktionsvorsitzende Robert Multrus, der zwar als Stadtrat nichts ausrichten konnte, aber die Idee zu seinen rotarischen Freunden weitertrug. Dort wurde nicht lang gefackelt: Präsident Schell und der Vorstand gaben ihren Sanctus und verliehen den Kulturpreis.
Dass die Summe nicht reicht, um die gesamten Nebenkosten zu decken, ist Präsident Schell klar: „Vielleicht stoßen wir ja damit noch etwas an“, sagt er. Auch um die „sehr lebendige junge Theaterszene in Rosenheim“ insgesamt zu unterstützen. Und ein Signal zu senden, dass man sich ein vielfältiges Kulturprogramm wünscht.
Diese Signalwirkung erhofft sich auch Andreas Schwankl, Zweiter Vorsitzender des Jungen Theaters. „Für uns ist es wichtig, gesehen zu werden“, erklärt er. „Die Kleinen haben ja keine Lobby.“
Die Finanzierung ist für das Junge Theater ein Dauerproblem. Schließlich hangeln sie sich von Förderung zu Förderung. Zwar gibt es Geld von der Stadt, vom Bund, der Sparkasse und privaten Spendern, aber die Förderungen sind immer projektgebunden. Sprich: Nur für ein Stück, eine Inszenierung. Die Einnahmen von Tickets decken nicht im Ansatz die Kosten. Dabei arbeiten alle Beteiligten ehrenamtlich – obwohl sie eigentlich Profis sind.
Und der Bedarf sei da, sagt Schwankl: „In Rosenheim gibt es ein großes potenzielles Publikum.“
Oft laufen auch viele Vorführungen unter dem Radar. Denn gerade Produktionen für Kinder und Jugendliche werden meist vormittags aufgeführt und das Publikum sind vor allem Schulklassen. „Wir machen aber ein Theater für alle“, stellt Schwankl klar. Vorbildung brauche es keine, aber es sei kein Theater nur für Kinder. „Auch ein Abendpublikum soll Spaß haben.“ Hybrid-Stücke nennt Schwankl das. Damit die Stücke für Groß und Klein gleichermaßen funktionieren, arbeite man viel mit Musik und Tanz. „Wir versuchen die Zuschauer auf emotionaler Ebene abzuholen und keine verkopften Inszenierungen darzubieten.“
So soll es auch dann bei den „Bremer Stadtmusikanten“ sein. Für die Rotarier gab es bereits ein Musikstück als Kostprobe. Das Stück ist nicht zufällig gewählt, wie Regisseurin Florentine Klepper erklärt. Sie fasziniert besonders das Allgemeingültige an der Geschichte von Esel, Hund, Katze und Hahn: „Man kann über Ausgrenzung und Leistungsdruck, aber auch über Zusammenhalt und das Glück, in einer Gemeinschaft zu leben, erzählen.“ Der Druck, den die Tiere erfahren, bei Nichtleistung aussortiert zu werden, betreffe Kinder und Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen.
Das Glück
ist schon da
Auch dass die Moralkeule fehlt, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, die die Helden bestraft oder belohnt, mache das Märchen spannend. „Eine Empowerment-Geschichte“, wirft Schwankl lachend ein. „Das sind ganz einfache Gedanken, die einen durch die Geschichte tragen“, führt Klepper aus. Nicht zuletzt, dass das Glück schon da ist.“ Bremen ist überall – auch in Rosenheim.