Rosenheim – „Rassismus findet im Fenster der Normalität statt“, sagt der Musiker, Produzent, Moderator und Buchautor Roger Rekless. In einem fesselnden Vortrag mit Rap-Einlagen vor Schülern der Wirtschaftsschule Kalscheuer in der Black Box im Rosenheimer Lokschuppen sprach der studierte Pädagoge über sein Leben und seinen Kampf gegen Rassismus. Initiiert wurde die Veranstaltung von Schulleiterin Katharina Westmeier und Sozialpädagoge Lukas Schuster in Kooperation mit dem Stadtjugendring Rosenheim.
Roger Rekless, der eigentlich David Mayonga heißt, wurde als Kind eines kongolesischen Vaters und einer deutschen Mutter in München geboren und wuchs mit seiner Mutter in Markt Schwaben auf. Bereits im Kindergarten erlebte Rekless aufgrund seiner Hautfarbe, was es heißt, in den Augen von anderen anders zu sein. Er litt unter Ausgrenzung, ständig sei ihm die Frage gestellt worden: „Wo kommst Du wirklich her?“ oder „Sprichst Du auch afrikanisch?“
Natürlich unterscheiden sich die Menschen, so Rekless. Doch das Problem sei, dass die Menschen von früh an rassistische Denkmuster gewöhnten. In Deutschland würden Menschen mit Migrationshintergrund benachteiligt. Immer wieder würden sie ausgegrenzt und von den anderen außerhalb des Kästchens „Normalität“ verortet. Dieses Kästchen, das aus lauter Vorurteilen bestehe, lerne man erst dann, wenn man selbst ausgeschlossen wird. Tatsächlich aber gebe es keine Normalität, so der Rapper.
Anschaulich berichtete Rekless von seinen Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Nicht ohne Selbstironie las er dazu Passagen aus seiner Autobiografie, die er flott und rhythmisch mit „Free style rap“ auflockerte, was bei den Jugendlichen gut ankam. Leider seien die Vorurteile oft stärker als die Realität. Zudem würden heute rassistische Beleidigungen oft verharmlost oder in Zweifel gezogen. „Ihr habt die Möglichkeit, Sensibilität aufzubauen und gegen Vorurteile anzukämpfen“, appellierte er an die Jugendlichen. „Es geht um alle Menschen.“Georg Füchtner