Schülerin gewinnt Stipendium

von Redaktion

Özlem Kara gehört zu „Talent in Bayern“

Rosenheim – „Das kann ich überhaupt nicht“, sagt Özlem Kara. Dabei hat sie in Informatik eine Zwei, eine ihrer schlechtesten Noten. Dass das ein wenig absurd klingt, weiß die 14-Jährige selbst und erklärt hinterher, dass sie einfach wirklich keine Ahnung von Informatik habe und sie nicht verstehe, warum sie eine gute Note habe. Das wirkt nicht wie falsche Bescheidenheit, sondern ehrlich – wohl aber mit einer gewissen Portion Understatement.

Die Rosenheimerin gehört zu den 30 jungen Menschen, die heuer das Stipendium „Talent in Bayern“ des bayerischen Kultusministeriums gewonnen haben. Mit dem Stipendium sollen „begabte und engagierte Jugendliche, die aufgrund ihrer persönlichen Biografie oder ihrer sozialen Herkunft besondere Hürden zu überwinden haben, auf ihrem Weg zum Abitur begleitet, gefördert und unterstützt werden.“ Die Stipendiaten können zum Beispiel an eigenen Seminaren und Wettbewerben teilnehmen und erhalten ein monatliches Budget für Bildungsausgaben und Zuschüsse für Klassenfahrten und Exkursionen.

Großes Interesse
an Kunst

„Ich habe mir von dem Bildungszuschuss gerade Acrylfarben gekauft“, erzählt Özlem, denn neben Naturwissenschaften gehört Kunst zu ihren großen Interessen. Vorher hat sie einfach auf Papier gemalt, jetzt entstehen natürlich ganz andere Bilder. Sie male jetzt mehr Landschaften, erzählt Özlem. Vor den Acrylfarben waren es viele optische Täuschungen, aber auch Tiere und Menschen. Ihr künstlerisches Talent, vermutet sie, sei einer der Gründe, warum sie das Stipendium erhalten habe. Aber bei Weitem nicht der einzige: Ihre guten Noten natürlich, ihr Ehrgeiz und auch ihr großes Engagement. Seit zwei Jahren ist sie Klassensprecherin und sie nimmt an vielen Wettbewerben teil. „Ich mache bei allem Möglichen mit“, sagt sie und listet Chemie-, Lese- und Schreibwettbewerbe auf. Ob sie gewinnt, ist für sie zweitrangig. „Das zeigt mir, wo ich stehe, was ich gut kann und was nicht“, erzählt sie und sie hat Spaß an der Herausforderung.

Eine Herausforderung, die sie nicht immer in der Schule fand. „In der ersten und zweiten Klasse habe ich mich viel gelangweilt, weil ich schon lesen und schreiben konnte“, erzählt sie. Das hatte sie ihrer fünf Jahre älteren Schwester zu verdanken, die die Erste in der Familie mit Abitur ist und Özlem viel beigebracht hat. „Das ist immer noch so, sie hilft mir viel – gerade in Mathe und Physik“. Aber das Überspringen von Klassen kam für Özlem trotz der Langeweile in der Grundschule nicht in Frage, sie wollte in die gleiche Klasse wie ihre Freunde gehen.

Lernen in den Ferien:
„Auf keinen Fall!“

Das passt gut zu Özlem, die überhaupt nicht wie ein Streber wirkt – auch wenn sie zugibt, dass sie schon mehr lerne als die meisten ihrer Klassenkameraden. Aber jetzt in den Ferien? „Auf keinen Fall!“

Lieber fährt sie in die Türkei, die Heimat ihrer Eltern, die auch zu Hause vor allem türkisch sprechen – wobei es meistens ein Gemisch sei, erzählt Özlem. Schließlich spricht sie selbst im Alltag vor allem Deutsch.

„Auf jeden Fall studieren, wahrscheinlich eine Naturwissenschaft“, sagt Özlem, wenn man sie fragt, ob sie schon weiß, was sie nach der Schule machen will. Ein paar Jahre Zeit, sich das genauer zu überlegen, hat sie ja noch. Bis dahin kann sie sich auch noch überlegen, wofür sie ihren Bildungszuschuss ausgibt. Im Augenblick sind das vor allem Bücher. Thomas Stöppler

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