Rosenheim – Am Ignaz-Günther-Gymnasium (IGG) hatten in der vergangenen Woche nicht nur zahlreiche Schüler ihren letzten Schultag. Schulleiter Dieter Friedel musste sich auch von mehreren Kollegen verabschieden. Über Veränderungen, Pläne für den Ruhestand und Höhepunkte der beruflichen Karriere.
Damit gerechnet, dass sie in den letzten vier Jahren ihrer Laufbahn noch einmal mit Beamer und Smartboard arbeiten muss, hätte Gabriele Leicht nicht. „Ich dachte immer, dass ich bis zum Ende Tafelmathematik mache“, sagte die Dritte Bürgermeisterin der Stadt. Seit 44 Jahren ist die SPD-Politikerin bereits am Ignaz-Günther-Gymnasium, neun davon verbrachte sie selbst auf der Schulbank.
Neugestaltung
des Zimmers
Jetzt zieht Leicht einen Schlussstrich. In der vergangenen Woche unterrichtete sie zum allerletzten Mal am Ignaz-Günther-Gymnasium. „Ich setze mich seit zwei Jahren mit der Entscheidung auseinander, aufzuhören“, sagt sie. Schwer sei der Abschied dennoch gefallen. „Ich werde die Begegnungen mit den Schülern und die guten Gespräche mit den Kollegen vermissen“, sagt sie. Stolz sei sie vor allem darauf, dass es ihr gelungen sei, viele Dinge anzustoßen. Das bestätigt auch Dieter Friedel. So sei es unter anderem Gabriele Leicht gewesen, die den Anstoß zur Neugestaltung des großen Lehrerzimmers gegeben habe und die Schülersprechtage und „Lernateliers“ am Ignaz-Günther-Gymnasium erfand. „Dass sie jetzt ‚einfach mal weg ist‘ trifft uns schwer“, sagt Friedel. Ihre zusätzliche Zeit will Leicht mit Skifahren und Bergsteigen füllen. Zudem will sie „mehr bürgermeistern“ und mehr Zeit mit ihrem Enkelkind verbringen.
Ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet sich Peter Weigel. Der Stadtrat der Grünen unterrichtete nach seiner Versetzung vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium 22 Jahre lang Kunsterziehung am IGG. „Beim Gang durchs Schulgebäude entdeckt man immer noch zahlreiche Spuren seiner Kunstaktionen, die er mit seinen Schülern durchführte und durch die er das Ignaz auch zu einem Kunst-Raum machte“, sagt Friedel.
Weigel selbst will die schulfreie Zeit für das Malen, Lesen und Kontaktepflegen nutzen. Zudem sei er mit seiner Funktion als Stadtrat und seinen zahlreichen Ehrenämtern nach wie vor gut ausgelastet. „Den Kontakt mit den jungen Menschen werde ich schon vermissen“, sagt Weigel.
Im kommenden Jahr ebenfalls nicht mehr an der Schule sein wird auch Elisabeth Engl. Für Engl war, glaubt man den Worten von Schulleiter Friedel, das Ignaz ihre „zweite Heimat“ und ein „wesentlicher Teil ihres Lebens“. Engl unterrichtet seit 25 Jahren Latein und Katholische Religion. Zudem war sie neben dem Unterricht für verschiedene Projekte wie die Taizéfahrt sowie die Glaubenstage in Maria Eck für die Q11 verantwortlich. „Mit einem lachenden Auge, aber sicher auch mit Wehmut, gehe ich jetzt in Pension, in der Mann, Kinder, Enkelkinder und verschiedene Ehrenämter – aber auch Dinge, die bis jetzt hinten ansehen mussten – sicher keine Langeweile aufkommen lassen“, sagt sie. Schulleiter Friedel bezeichnet seine langjährige Mitarbeiterin als „Herz des Klassenzimmers“ und „Engel für ihre Kollegen“. Es sei deshalb für ihn nicht überraschend gewesen, dass sie über viele Jahre immer wieder zur Vorsitzenden des Personalrates gewählt wurde. Ebenfalls Abschied vom Ignaz-Günther-Gymnasium nimmt Bertram Knieling. 37 Jahre lang unterrichtete der gebürtige Oberfranke Sport und Geografie. „Menschen wie Bertram Knieling sind selten. Sie hinterlassen jeden, dem sie begegnen, ein Stückchen reicher. Bereichert durch einen Witz, ein gutes Wort, eine unerwartete Lösung“, sagt Friedl. 20 Jahre lang wählten die Schüler Knieling zu ihrem Verbindungslehrer. Zudem setzte er sich als Personalrat für die Belange seiner Kollegen ein und animierte sie immer wieder zum „Kollegensport“. „Wir sind sehr dankbar, dass er an unserem IGG war“, sagte Friedel.
Große und
kleine Schulkinder
Und auch Brigitte Kirchgässler verlässt die Schule. 34 Jahre lang unterrichtete sie Französisch und Latein. Zudem kümmerte sie sich darum, die Verbindung mit einer französischen Partnerschule aufzubauen. „Brigitte Kirchgässler hat viel Kraft in ihre Schule investiert, viel Begeisterung, viel Liebe zu ihren Fächern und ihren kleinen und großen Schulkindern“, sagte Friedel.
Doch auch für sie geht, ähnlich wie für Bertram Knieling, Peter Weigel, Elisabeth Engl und Gabriele Leicht ein Kapitel zu Ende – eines das, glaubt man den jeweiligen Ausführungen, ein ganz besonderes gewesen sein dürfte.