Kolbermoor – „Er war super. Jeder Schlag ein Treffer.“ Die Schmiede Hans Reif und Michael Ertlmeier waren voll des Lobes für den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler): „Man sieht, dass er Landwirt ist und weiß, was Arbeiten heißt.“ Als Schirmherr eröffnete er am Mittwochabend die XIII. Schmiede-Biennale mit einer Ode an das Handwerk: „Wir brauchen Menschen wie Schmiede, Installateure, Dachdecker oder Zimmerer. Wir brauchen Männer und Frauen, die mit ihren Händen anpacken und dafür sorgen, dass das Leben funktioniert.“
Traditionelles Handwerk im Fokus
Mit der Biennale werde die Kulturtradition des Schmiedens und das gesamte Handwerks in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. „Ohne Schmiede gebe es keinen, der eine Million Pferde in Deutschland beschlagen würde. Ohne Amboss und ohne Schmiede stünde unser Land nicht so da“, betonte der Minister. Dieses Handwerk werde in vielen Bereichen gebraucht, sei unverzichtbar in der Metallverarbeitung und -gestaltung, dem Schmuck-Design oder der Kunst.
„Handwerk ist harte Arbeit. Handwerk hat einen guten Ruf. Es ist die Grundlage unserer wirtschaftlichen Wohlfahrt. Das greifen wir mit der Schmiede-Biennale auf“, so Aiwanger. Zugleich betonte der studierte Agraringenieur, dass das Handwerk eine „unverzichtbare Grundlage für die Sozialisation“ sei: „Wer noch nie eine Schaufel in der Hand hatte, tut sich schwer in der Politik, denn er weiß nicht, was seine Entscheidungen im Detail bedeuten und welche Folgen sie haben.“ Die Handwerker ermutigte er, aktiv auf die Schulen zuzugehen, denn: „Wenn man ein Stück Eisen bearbeitet, dann fällt das Zehnerl.“
In Kolbermoor hat das bereits Tradition: Hier gehört das Kinderschmieden zum Programm. Bürgermeister Peter Kloo (SPD) wies auf die Bedeutung der Biennale für die Völkerverständigung hin: „Um den Frieden zu sichern, ist es wichtig, dass sich Menschen über die Grenzen treffen, gemeinsam arbeiten, feiern, lachen und Freundschaften schließen.“ Er würdigte die Kolbermoorer Schmiede Peter Elgaß und den bereits verstorbenen Walter Still, die 1996 Schmiede aus zwölf europäischen Nationen und der Republik Niger zusammenbrachten, die Gründung des „Europäischen Zentrums für zeitgemäße Metallgestaltung“ initiierten und die Schmiede-Biennale aus der Taufe hoben. Kloo dankte allen, die zum Gelingen der Biennale beitragen, vor allem den drei Schmieden Josef Still, Michi Ertlmeier und Hans Reif. Letztere hatten in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte initiiert und in regelmäßigen Workshops Jugendlichen Berufsorientierung gegeben. In ganz Kolbermoor sind ihre Spuren zu finden – darunter die schmiedeeisernen Abfalleimer mit individuellen örtlichen Motiven. Als einzigartige Veranstaltung würdigte Landrat Otto Lederer die XIII. Schmiede-Biennale: „Hier wird das Beste des Handwerks weitergegeben.
Handwerk
braucht Werbung
Genau das ist auch die Motivation der Schmiede: „Unter uns gibt es keine Konkurrenz. Wir geben unsere Techniken weiter, halten mit Tipps nicht hinter dem Berg“, betonte der Wolfratshausener Schmied Ertlmeier. Alle Schmiede bereiten sich lange darauf vor, schmieden Ausstellungsstücke, machen ihre Betriebe zu und verzichten auf Umsatz, um in Kolbermoor dabei zu sein. „Uns geht es um die Sache“, so Ertlmeier, denn: „Wenn wir nicht so intensiv für unser traditionelles Handwerk werben würden, würde es sterben.“