Radfahren und weniger Heizen

von Redaktion

Rosenheims Politiker geben sich Mühe ihren eigenen Energiehaushalt zu senken

Rosenheim – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat seine Duschzeit verkürzt. Und die sei ohnehin nicht lang gewesen: Unter fünf Minuten steht der Grünen-Politiker jetzt jeden Morgen unter der Dusche. Die mögliche Gasknappheit und die steigenden Energiekosten stellen viele Menschen – auch in der Stadt Rosenheim – vor Herausforderungen und sorgen für Sparsamkeit. Auch Rosenheims Politiker bemühen sich. Den OVB-Heimatzeitungen haben Stadträte und Bürgermeister ihre Maßnahmen verraten. Vorweg: Das Duschen stellt keiner ein, ein strenger Geruch im Stadtrat ist also nicht zu erwarten.

Solarpanels und
Luftwärmepumpen

„Seit Jahren fahre ich schon alle Strecken in Rosenheim und in die benachbarten Gemeinden mit dem Rad“, erklärt Robert Metzger. Doch in der aktuellen Situation unternimmt der SPD-Stadtrat noch weitere Schritte: Für den kommenden Winter hat er bereits die Heizung um zwei Grad runtergestellt und auch beim Wasser die Temperatur gedrosselt. Des Weiteren ist er dabei ein Solarpanell auf dem Dach zu installieren. Und die ganze Familie arbeitet daran weniger wegzuwerfen: „Wir gehen als Familie sorgsamer mit dem Thema ‚was brauche ich wirklich und in welchen Mengen’ um.“

„Ich habe das zu Fußgehen neu entdeckt und erledige sehr viel zu Fuß“, sagt Rudolf Hötzel. Das hätte auch noch andere positive Effekte. Seitdem er das Auto stehen lässt, habe er zwei Kilogramm abgenommen, gibt der Abgeordnete der Republikaner zu Protokoll. Der Südtirol Urlaub wurde gestrichen, ebenso die Reise an die Costa del Sol. Und im Herbst möchte sich Hötzel einen neuen energieeffizienteren Kühlschrank anschaffen.

Die Liste mit Maßnahmen, die Maria Knott-Klausner getroffen hat, ist lang – und nicht erst seit der jüngsten Krise: „Bereits in den letzten zehn Jahren habe ich bewusst alle elektrischen Geräte im Haushalt Stück für Stück erneuert und mich dabei beim Kauf möglichst für eines der höchsten Energielabel entschieden.“

Sie wäscht inzwischen kaum noch über 40 Grad und die Wäsche trocknet auf dem Balkon statt im Trockner. Elektrische Geräte werden komplett ausgeschaltet, Standby gibt es im Haushalt Knott-Klausner genauso wenig wie Flugreisen. Fleisch kommt nur selten ins Haus. Eine Fotovoltaikanlage hat ihr Mann bereits vor drei Jahren installieren lassen. 2018 hat sie sogar einen Energiesparpreis des Umweltamts gewonnen.

Alle Weg in der Stadt macht Gabriele Leicht zu Fuß oder mit dem Drahtesel. Das Auto bleibt also in der Regel stehen. Die Dritte Bürgermeisterin verzichtet aber auch auf die großen Fernreisen. Flugzeuge seien schließlich riesige CO2 Schleudern. Für kommenden Winter will sie die Raumtemperatur senken und auch den Warmwasserverbrauch reduzieren. „Zum Stromsparen werde ich einen Gefrierschrank außer Betrieb setzen“, so die SPD-Politikerin.

„Die aktuelle Situation hat natürlich auch uns nochmals sensibilisiert“, sagt Oberbürgermeister Andreas März. Aber bereits zuvor habe die Familie März sich bemüht, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Alle elektrischen Geräte werden komplett ausgeschaltet und nicht im Stand-by-Modus laufen gelassen. In unbenutzten Räumen bleibe das Licht aus und „die Duschzeiten wurden optimiert.“ Weiterhin fährt der Bürgermeister viel Fahrrad und verzichte auf unnötige Autofahrten.

Auch Daniel Artmann fährt mehr mit dem Rad. Für alles, was –ob beruflich oder privat – nicht mit dem Fahrrad zu machen ist, steht ein Hybridauto bereit. Im Winter möchte der Zweite Bürgermeister „bewusster heizen“. Die Heizung soll sowieso umgerüstet werden. Eine Luft-Wärmepumpe ist bereits in Auftrag gegeben und auch die Fotovoltaikanlage ist bestellt. Im Moment seien jedoch die Lieferzeiten sehr lang. Daniela Dieckhoff (Grüne) lässt den Trockner nicht erst seit der Krise aus – sie hat gar keinen. Gleiches gilt für eine Klimaanlage. Aber angesichts der aktuellen Krise stellt die Familie doch einiges um: „Wir nutzen unsere PV-Anlage noch effektiver, indem wir Geräte wie Spülmaschine und Waschmaschine möglichst nur dann laufen lassen, wenn die PV-Anlage Strom produziert.“

Auch die Heizung wird erst später im Jahr angestellt und von einem Fachmann überprüft, damit sie möglichst effizient läuft. Das Auto lässt die Familie für Strecken unter 15 Kilometer stehen. Jetzt im Sommer muss Christine Degenhardt nicht viel anders machen: „Keine Heizung, nicht sehr heiß Duschen und auch nicht lange, kaum Beleuchtung, kaum Sprit – ich fahre mit dem Rad, wo es nur geht, ansonsten nehme ich den Zug.“

Auch beim Essen fällt es der Abgeordneten der Freien Wähler/UP gerade leicht. Ungegarte, knackige Zutaten zieht sie warmen Mahlzeiten im Augenblick vor. Aber im Herbst und Winter wird das schwieriger: „Ausgekühlt daheim ankommen, lange heiß duschen und ein dampfendes Nudelgericht zubereiten – ob ich dem widerstehen kann? Hier beginnt der Verzicht, bei scheinbaren Kleinigkeiten, im Herbst- und Winterleben.“

Als „Sache des Verstandes“ bezeichnet Andreas Kohlberger, der für die AfD im Rosenheimer Stadtrat sitzt, das Sparen von Ressourcen. Allerdings möchte Kohlberger klarmachen, dass das „nicht eine Erfindung der Grünen“ sei. So nutzt er nach eigenen Angaben seit 15 Jahren eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach seines Hauses und hat im Haushalt die Leuchtmittel gegen Energiesparlampen ausgetauscht. Zudem will er weiterhin „die Wege mit dem Kfz etwas durchdachter wählen“ und somit weniger mit dem Auto fahren.

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