Rosenheim – Ob Mandeln, Pistazien, Pekannüsse oder Macadamia – die Herrmanns und ihr Team versorgen die Herbstfestbesucher mit frischen, heißen und knusprigen Spezialitäten. Täglich an der Röstmaschine anzutreffen ist Senior-Chef Werner Herrmann, einer der ältesten Schausteller auf der Rosenheimer Wiesn.
Sein ganzes Leben lang schon steht Werner Herrmann leidenschaftlich in seinem Schaustellerwagen. Seit Kindesbeinen an hat ihn die Mandelbrennerei fest im Griff: Das erste Mal brannte er Mandeln unter der Aufsicht seines Vaters mit gerade einmal zehn Jahren. Schon als kleiner Bub fühlt er sich pudelwohl im Schaustellerleben.
Begonnen hat damals alles mit einem Bauchladen, mit dem der Vater im Winter heiße Maroni verkaufte. Es folgte ein Eisverkauf, das auf den Volksfesten nach dem Weltkrieg verkauft wurde. 1973 übernahm Werner Herrmann das Geschäft des Vaters. Die Schaustellerfamilie aus Rosenheim sattelte rasch um auf Mandeln. Seither gibt es Nüsse aller Art.
Inzwischen existieren drei Wagen der „Mandelbrennerei Herrmann“ mit nostalgischer Aufschrift. Mit dem größten haben sie ihren Standplatz neben dem Glückshafen gegenüber des Flötzinger-Festzelts eingenommen.
„Früher, da war Mandeln rösten noch harte Arbeit“, erinnert sich der Senior-Chef. Maschinen, die einem zur Hand gingen, die gab es noch nicht. Herrmann kann heute noch die vielen Blasen an den Händen zählen. Seit der Erfindung der Mandelröstmaschine in den 50er-Jahren geht das Ganze zwar leichter zur Hand, allerdings benötigt es doch ein gewisses Know-how und Geschick zur Herstellung gebrannter Mandeln.
Denn beim Rösten der Mandeln muss es schnell gehen, denn viel zu schnell kann der Zucker im Kupferkessel verbrennen oder ausgehen. Vier Zutaten, mehr braucht Herrmann für seine Mandeln nicht. Zucker, Zimt, Wasser und Nüsse drehen angetrieben von einem Elektromotor unter den wachsamen Augen des Senior-Chefs ihre Kreise in der Röstmaschine. „Dranbleiben und aufpassen lautet die Devise, sonst muss man wieder von vorn anfangen“, erklärt er mit einem Blick auf den karamellisierenden Zucker.
Werner Herrmann ist zusammen mit dem Team den ganzen Tag am Stand anzutreffen. „Pausen brauche ich nicht. Ich bin hier von elf Uhr morgens bis zum Schluss um 23.30 Uhr. Ich genehmige mir höchstens einmal eine Mass Bier zwischendurch“, erzählt er lachend. Die 81 Jahre sieht man dem agilen Rosenheimer wirklich nicht an.
Die vergangenen zwei Jahre waren von Corona gezeichnet und führten zum Ausfall des Herbstfests. Die Pandemie nagte an dem Schausteller mit Leib und Seele. „Das war gar nicht schön und für mich gscheid fad. Wir hatten zwar einen Stand in der Fußgängerzone in Rosenheim, um uns so über Wasser zu halten, doch das ist mit dem Herbstfest in keinster Weise vergleichbar.“ Umso schöner ist es für die Familie und das Team jetzt wieder auf der Loretowiese sein zu dürfen: „Wir haben alle sehnlichst darauf gewartet, dass es weiter geht und uns darauf gefreut. Das ist unser Leben, mein Leben.“
Er freut sich, dass das Geschäft dank Sohn Alexander auch die kommenden Jahre weiterläuft. Die Zukunft des Familienbetriebs ist gesichert und – wer weiß – mit seinem kleinen Enkel steht womöglich schon die vierte Generation in den Startlöchern.
Werner selbst denkt so schnell nicht an den Ruhestand, viel zu sehr liebt er seine Arbeit rund um die Mandeln. Herrmann: „Solange ich mich fit genug fühle, findet ihr mich an der Röstmaschine!“ Marina Birkhof