Kolbermoor – 192 Kilogramm Lebensmittel hat Monika Exler als „Foodsaverin“ schon gerettet. Meist mit dem Fahrrad unterwegs, holte sie dafür 51-mal bei verschiedenen Betrieben übrig gebliebene Lebensmittel ab. Sonst wären sie in der Mülltonne gelandet. „Wir haben nicht das Recht, mühsam hergestellte Lebensmittel einfach wegzuwerfen“, sagt die Kolbermoorerin. Schon bei der Versorgung ihrer fünfköpfigen Familie hat sie darauf geachtet, dass keine Lebensmittel verschwendet werden. Seit drei Jahren geht die Betriebswirtin nun noch einen Schritt weiter und gehört zu den etwa 200 ehrenamtlichen Helfern des regionalen Netzwerkes Bad Aibling-Rosenheim der Initiative „foodsharing“.
200 Helfer im
Regionalnetzwerk
Die 57-Jährige wollte mehr tun, als nur bewusst zu leben, denn: „Wir vergessen, dass Lebensmittel ein Mittel zum Leben sind und unser Leben sichern“, beschreibt sie ihre Motivation: „Wir sehen sie zu oft als Genussmittel und lassen sie vergammeln, weil uns gerade nicht danach ist.“
Dass es in Deutschland erlaubt ist, Lebensmittel wegzuwerfen, ärgert sie. Deshalb fährt sie wie 100000 andere freiwillige Lebensmittelretter in Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßig kooperierende Betriebe an, um dort Übriggebliebenes abzuholen.
Es sind Lebensmittel, die den Tafeln nicht mehr angeboten werden können, die übrig geblieben oder unverkäuflich sind und deshalb ausgesondert wurden.
„Der Idealfall wäre es natürlich, wenn in den Betrieben gar nichts übrig bliebe“, sagt sie. Doch so lange der Anspruch der Verbraucher so hoch sei, dass bis in die späten Abendstunden Regale immer wieder mit Frischwaren aufgefüllt werden müssten, solange würden in Handel, Bäckereien oder auch Restaurants auch Lebensmittel übrig bleiben.
Sich als Foodsaver bei Foodsharing zu registrieren, müsse eine wohl durchdachte Entscheidung sein, macht Exler klar. Denn es gehe nicht darum, kostenlos an Lebensmittel zu kommen: „Es geht darum, aussortierte und unverkäufliche Lebensmittel wirklich einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.“ Das heißt konkret: Nach der Abholung müssen die Waren aussortiert und aufbereitet werden. Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, aber das Verbrauchsdatum noch nicht erreicht haben, werden durch Sicht-, Geruchs- oder Geschmackskontrollen geprüft. Gemüse wird geputzt oder von verdorbenen Teilen getrennt. „Erst dann kann ich die Lebensmittel selbst verbrauchen oder an andere weitergeben. Dafür muss ich natürlich ein Netzwerk an Menschen haben, die mir Lebensmittel abnehmen und auch zuverlässig verwenden.“ Eine menschliche, aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe, denn das Unternehmen gibt mit den Lebensmitteln auch die Haftung für die Weiterverarbeitung an die Foodsaver ab.
Oberster Grundsatz sei es zudem, nichts weiterzugeben, was man selbst nicht mehr essen würde. Eher das Gegenteil gilt: „Man muss auch bereit sein, Lebensmittel zu verwenden, die man selbst nicht kaufen würde“, beschreibt Exler die Philosophie. So war es bei ihr beispielsweise eine Pastinake, die sie trotz Bio-Gemüsekiste noch nicht gekauft hatte und erstmals verarbeitete, denn: „Nicht worauf ich Appetit habe, ist entscheidend, sondern das, was da ist, wird auch verwendet.“
Wenn jemand meint, er bekäme beim Foodsharing die Lebensmittel „umsonst“, irrt er sich, denn eigentlich hat sich ihr Wert potenziert, da sehr viel ehrenamtliche Arbeit drinsteckt. Die beginnt schon bei der Koordination der vielen Freiwilligen. „Bevor Foodsharing einen neuen Betrieb anspricht, muss der Helferkreis stehen, der bei ihm an 365 Tagen im Jahr die restlichen Lebensmittel abholt. Der Personalaufwand ist also groß“, beschreibt Exler. Zudem müsse man sich an Regeln halten, die die Betriebe festlegen– etwa den genauen Abholtermin oder einen vorherigen Anruf.
Nichts ist umsonst,
ganz im Gegenteil
Zur Foodsharing-Etikette gehört auch ein respektvoller und wertschätzender Umgang. Zudem müssen die Freiwilligen zuverlässig und pünktlich sein, damit keiner im Regen steht. „Deshalb verschiebe ich lieber einen Arzttermin, als einen Abholtermin zu verpassen“, macht die Kolbermoorer Foodsaverin die hohe Verantwortung klar.
Wer dabei sein will, kann sich online registrieren. Wenn er sich genau belesen und die anschließende Online-Prüfung bestanden hat, begleitet er erfahrene Foodsaver bei drei Einführungsabholungen. Wenn das alles gut läuft, bekommt der neue Foodsaver seinen Ausweis und kann sich in Abholteams kooperierender Betriebe eintragen.
Auch bei der Einarbeitung der neuen Foodsaver engagiert sich Monika Exler, bei der die Begeisterung für die Rettung von Lebensmitteln übrigens in der Familie liegt. Immerhin hat ihre Tochter bei 95 Abholungen bereits 676 Kilogramm Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt.