Rosenheim – Bunt verziert, freche Sprüche oder romantische Verse: Lebkuchenherzen dürfen auf keinem Volksfest fehlen. Das Wiesn-Accessoire ist seit Jahrzehnten der Renner. „Lebkuchenherzen sind einfach was Liabs und gehören zum bayerischen Brauchtum. A Herzl fürs Madl und a Bussal fürn Burschen – so einfach das Konzept klingt, es geht immer auf“, erklärt Roswitha Branicki, Inhaberin der „Herzl Hüttn“, auf die Frage wieso die bunt verzierten Herzen bei Herbstfestbesuchern allen Alters so beliebt sind.
Erinnerungen an
die Kindheit
„Die meisten haben schon als Kind eins bekommen und geben diese Tradition an ihre eigenen Kinder weiter.“ Und Roswitha ist überzeugt: In Bayern funktionieren Lebkuchenherzen besser als im Rest des Bundeslandes.
Tausende Herzen stapeln sich in der „Herzl Hüttn“, die Branicki mit Leidenschaft betreibt. „Meine Großeltern verkauften Lebkuchenherzen, da war ich als Kind schon fasziniert.“
Die ersten Herzen bestanden nur aus dem Lebkuchen, waren wie ein Geschenk eingewickelt in Silberpapier und einer roten durchsichtigen Folie, auf dem dann der Spruch abgedruckt war. Häufige Beilage waren Tiere oder Püppchen. Ganz früher gab es auch Schokoladenherzen. Dass die Lebkuchen direkt mit bunten Sprüchen verziert werden gibt es erst seit den 90er-Jahren, weiß die Standl-Besitzerin.
Als sich die Gelegenheit vor ungefähr 15 Jahren ergab, hat Branicki nicht lange gezögert und betreibt seither ihren eigenen Stand und ist damit nur auf dem Rosenheimer Herbstfest zu finden. Davor war sie mit einem Schießwagen auch auf dem Oktoberfest in München vertreten. Doch den führt ihr Sohn inzwischen weiter. „Ich wollte etwas Gemütlicheres und bin bei meinen Herzen fündig geworden“, untermalt sie grinsend.
Es gibt vorgefertigte Herzen für die „beste Oma“ und den „tollsten Papa“, für „kleine Frechdachse“ und „Prinzessinnen“ – die Auswahl ist groß. Zusätzlich können die Lebkuchen auch individuell graviert werden. Dafür beschäftigt die Schaustellerin Konditorin Lea Pfisterer, die für Wunschsprüche zuständig ist.
„Ein gern gesehenes Geschenk sind Herzen für Hochzeiten oder Geburten, da zieren dann Name und Datum das Herz“, erklärt Roswitha. Zum Schulanfang erwartet sie kommende Woche einen Andrang für die Zwergerl, die eingeschult werden.
„Wir hatten auch schon einen Heiratsantrag auf einem Herz“, erinnert sich die gebürtige Rosenheimerin, die jetzt in Rott am Inn wohnt, an die ausgefallenen Wünsche der Kunden. Aber es gibt auch Grenzen: Zu freche oder unanständige Sprüche werden in der „Herzl Hüttn“ nicht graviert.
Und welcher Spruch kommt am besten an? Hier deutet Roswitha Branicki auf das Herz mit der Aufschrift „Ich liebe dich“. Denn: „Da lassen sich die Männer nicht lumpen und hängen gerne diese eindeutige Botschaft ihrer Freundin um.“
Werden Lebkuchenherzen eher gegessen oder aufgehoben? Diese Frage kann Roswitha pauschal gar nicht beantworten.
Jahrelange
Haltbarkeit
„Die einen essen das Herz sofort – vor allem Kinder, wenn die Eltern zuvor sehr lange und mit viel Sorgfalt nach einem passenden Spruch gesucht haben. Andere wiederum bekommen im trauten Heim einen Ehrenplatz. Lagern kann man die Herzen so lange, bis die Mehlkäfer kommen – dann hat der Lebkuchen, der im Übrigen aus ganz gängigen und klassischen Zutaten besteht, aber schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, betont sie augenzwinkernd. Marina Birkhof