Die Knöllchenverteiler

von Redaktion

Von Beleidigungen bis Lob: Unterwegs mit den Rosenheimer Parküberwachern

Rosenheim – Sie verteilen Knöllchen, sorgen für Ordnung im Straßenverkehr und retten hin und wieder auch ein Menschenleben: Für Parküberwacher gleicht kein Tag dem anderen. Über einen Beruf, bei dem es Fingerspitzengefühl und ein dickes Fell braucht.

Wenn Peter Sußmann seinen Job macht, hat das für manche Autofahrer unangenehme Folgen. Er steht vor dem Backsteingebäude in der Königstraße. Ganz in Dunkelblau, mit festem Schuhwerk und einer wasserabweisenden Jacke. An seinem Gürtel hat er einen kleinen Drucker befestigt, in der Hand hält er ein mobiles Datenerfassungsgerät.

Während der Wiesn
immer zu Zweit

Gemeinsam mit seiner Kollegin, die lieber anonym bleiben möchte, ist er auf dem Weg in der Westermaierstraße. „Während der Herbstfestzeit sind wir, anders als sonst, immer zu zweit unterwegs“, sagt Sußmann. Der 62-Jährige arbeitet seit 30 Jahren bei der kommunalen Verkehrsüberwachung. „Natürlich wird man irgendwann müde. Aber man darf den Ärger nicht an sich rankommen lassen“, sagt er, während er in Richtung Loretowiese spaziert.

Und dabei gibt es immer wieder Ärger. Das weiß auch seine Kollegin. Es ist einer der Gründe, warum sie weder ihren Namen, noch ein Bild von sich in der Zeitung sehen will. „Ich werde zum Teil schon angepöbelt, wenn ich nur die Straße entlang gehe“, sagt sie. Sie werde wüst beschimpft, sogar Morddrohungen habe sie schon bekommen. „Wenn die Menschen betrunken sind, ist es noch schlimmer. Aber auch so wird der Respekt immer weniger“, sagt sie. Dass sie nach wie vor auf den Straßen Rosenheims unterwegs ist, liege vor allem an den positiven Erfahrungen. „Wir bekommen viel Zuspruch und Lob von Bewohnern“, sagt sie.

Mittlerweile sind die beiden in der Westermaierstraße angekommen. Während der Herbstfestzeit musste ein Teil der Bewohnerparkplätze Behindertenparkplätzen weichen. „Wir schauen jetzt, ob ein entsprechender Sonderparkausweis im Auto liegt beziehungsweise ob er noch gültig ist“, sagt Sußmann. Er und seine Kollegin teilen sich auf und ziehen nach weniger als fünf Minuten ein positives Fazit. Gegen die Regeln hat hier niemand verstoßen.

Nicht ganz so schnell geht in dem hinteren Bereich in der Westermaierstraße, wo jetzt die Bewohner parken dürfen. Bei gleich drei Autos fehlt der grüne Bewohnerausweis. „Jetzt machen wir noch eine Runde. Wenn die Autos immer noch dastehen, verwarnen wir sie“, sagt Sußmann.

15 Minuten später sind die Beiden wieder da – genauso wie die drei Autos. Sußmann tippt das Kennzeichen in sein Datenerfassungsgerät, notiert sich die Fahrzeugart und wo genau das Auto steht. Anschließend macht er drei Fotos – eins von der Frontscheibe, eins von der Rückseite des Autos und eins von vorne. Nur wenige Minuten später spuckt der Drucker den Strafzettel aus. Sußmann faltet das Knöllchen zusammen und klemmt es unter den Scheibenwischer. Dann zieht er weiter zum nächsten Auto. „Natürlich kann ich nachvollziehen, dass sich niemand darüber freut, ein Knöllchen zu bekommen“, sagt der 62-Jährige. Aber letztendlich mache er nur seinen Job. Wie wichtig der ist, weiß auch seine Kollegin: „Wenn es uns nicht gibt, würde es überhaupt keine freien Parkplätze in der Stadt geben“, sagt sie. Sie trägt eine Umhängetasche, in der sich neben einem Stadtplan und einem Tatbestandskatalog auch einige Parkscheiben befinden.

Die kommen an der Herbststraße zum Einsatz. Hier gilt die Regel, dass zwar für zwei Stunden kostenlos geparkt werden darf – allerdings nur mit Parkscheibe. Und genau die fehlt bei gleich zwei Autos. Die Fahrer erwartet jetzt eine Verwarnung in Höhe von 20 Euro. „Meistens bekommen sie von mir noch eine Parkscheibe hinter den Scheibenwischer geklemmt“, sagt die Kollegin.

Sie zeigt auf ein Schild, auf dem das „Handy-Parken“ beworben wird, das seit April 2021 auch in Rosenheim möglich ist. „Das wird total gut angenommen“, sagt sie. Doch für sie und ihre Kollegen würde dadurch ein zusätzlicher Mehraufwand entstehen. So müsste sie die Kennzeichen aller Autos in ihr Gerät eintippen, die keinen Parkschein haben. Erst dann könnte sie sehen, ob die Fahrer ein digitales Ticket gekauft haben oder tatsächlich vergessen haben, zu bezahlen.

Bußgelder in Höhe
von 590000 Euro

Insgesamt haben die Parküberwacher der Stadt im vergangenen Jahr 36000 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Das ergibt laut Stadt Einnahmen in Höhe von 590000 Euro, die in die Personalkosten fließen. „Wir haben keinen Spaß daran Strafzettel zu verteilen und wollen damit kein Geld verdienen. Es geht uns um die Verkehrssicherheit“, teilt ein städtischer Sprecher auf Nachfrage mit.

Doch es ist nicht nur die Verkehrssicherheit um die sich Sußmann und seine Kollegen kümmern. Noch am gleichen Nachmittag bringen sie einen 89-jährigen Mann nach Hause, der die Orientierung verloren hatte. Ein anderes Mal half Peter Sußmann nach eigenen Angaben dabei, einen Mann zu versorgen, der gerade einen Herzinfarkt hatte. „Wenn wir jemanden helfen können, dann machen wir das auch. Das macht unseren Job auch aus“, sagt Sußmann.

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