Im Minishop von Andrea Schmid und Leiterin Christiane Zöllner (Foto) in Aising steigen die Kosten für Schulsachen immer mehr an. Foto Schlecker
Rosenheim – Die Preise steigen. Für Strom, Lebensmittel oder Benzin. Und auch Schulbedarf wird immer teurer. Das trifft besonders die Eltern der Abc-Schützen. Mit Blick auf den Schulstart am morgigen Dienstag berichten Rosenheimer Schreibwarenhändler, warum die Kosten so explodieren und welche Möglichkeiten es jetzt noch gibt, zu sparen.
Papierknappheit
ist ein Problem
„Eigentlich ist alles teurer geworden, von den Heften über Stifte und Radiergummis bis hin zum Malkasten“, sagt Andrea Schmid, Inhaberin des „Minishops“ in Aising. Besonders der Papierpreis sei „immens“ gestiegen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir derzeit eine Papierknappheit auf dem Markt haben“, sagt die Schreibwarenhändlerin. Das Statistische Bundesamt bestätigt Schmids Vermutung: Hefte und Zeichenblöcke sind bereits im Juli 2022 um 13,6 Prozent teurer als noch im Jahr davor gewesen. „Die Tendenz ist aber sicher steigend“, vermutet Schmid. Deshalb koste ein Schulheft bei ihr mittlerweile zehn Cent mehr. Was zunächst wenig klingt, könne sich bei mehreren Kindern und Heften für alle Schulfächer schnell summieren.
Der Preissprung ist auch in der Schreibwarenhandlung Bensegger zu spüren: Dort kosten die gleichen Hefte mittlerweile 20 Cent mehr als im Vorjahr, wie Veronika Zimmermann, Leiterin der Schreibwarenhandlung, bestätigt. In den vergangenen drei Jahren habe ihr Geschäft die Kosten für die Hefte auf einem ähnlichen Preisniveau halten können, heuer sei das nicht mehr möglich. „Unsere Lieferanten begründen die Erhöhung durch die steigenden Rohstoff- und Energiepreise. Dagegen sind wir machtlos“, sagt Zimmermann. Dies betreffe das ganze Sortiment an Schul- und Bürobedarf.
Die Erfahrung musste auch Roberto Schwab, Inhaber des Schreibwarengeschäfts „Lotto- und Post Agentur Schwab“ in der Lessingstraße, machen. „Ich zahle im Einkauf für einen einzelnen Stift mindestens 50 Cent mehr“, klagt der Schreibwarenhändler. Noch bedenklicher sei für ihn allerdings die Preisentwicklung eines Notizblockes. „Normal verkaufe ich den für 3,99 Euro. Der Hersteller rät mir jetzt dazu, den gleichen Block für 10,99 Euro anzubieten. Das ist irre“, sagt Schwab.
Aufgrund dieser Entwicklung könne es sein, dass Eltern für die Schulsachen eines Erstklässlers zwischen 80 und 100 Euro bezahlen müssen, sagt er. Der gleiche Preis wird auch bei Andrea Schmid und Veronika Zimmermann für eine Erstausstattung der Abc-Schützen fällig. „Richtig teuer wird es, wenn die Schulanfänger noch einen Schulranzen brauchen“, sagt Zimmermann. Dann kämen zu den knapp 100 Euro nochmals zwischen 200 und 300 Euro dazu.
Die Kostenexplosion betreffe vor allem Familien mit mehreren Kindern. „Mit drei Kindern aufwärts wird es schon schwierig, die gut für die Schule auszustatten“, sagt Schmid. Es seien sogar schon alleinerziehende Elternteile da gewesen, die gefragt hätten, ob sie den Einkauf für die Schule auch auf drei- oder viermal bezahlen können, berichtet sie.
Für Roberto Schwab haben daran allerdings auch die Schulen ihren Anteil. „Auf den Einkaufslisten, die die Eltern von den Schulen bekommen, stehen meistens nur die Markensachen darauf. Und die sind natürlich nochmals teurer“, sagt der Schreibwarenhändler. Als Beispiel nennt er Malkästen. „Die Schulen wollen den von Pelikan, der kostet 10,99 Euro bei mir. Es gibt aber auch No-Name-Produkte, die nur die Hälfte kosten“, erklärt Schwab. Der Grund dahinter ist, so vermutet er, dass die Schulen damit verhindern wollen, dass es in den Klassen zu „Hänseleien“ unter den Schülern kommt, wer sich etwas leisten kann und wer nicht. „Auf Dauer kann sich das aber gar keiner mehr leisten“, befürchtet Schwab.
Rabattaktionen
trotz Mehrkosten
Die Schreibwarenhändler sehen derzeit keine andere Möglichkeit, als die Preiserhöhungen der Hersteller mitzugehen. „Wir haben auch mit den ganzen Krisen zu kämpfen. Unsere Nebenkosten gehen jetzt schon durch die Decke“, sagt Andrea Schmid.
Und trotzdem könne sie ihre Kosten nicht eins zu eins weitergeben. Sie müsse – wie alle kleineren Schreibwarenläden – im Vergleich zu den größeren Geschäften wettbewerbsfähig bleiben, sonst habe sie bald keine Kunden mehr. „Bei uns gibt es ganz im Gegenteil sogar noch Prozente auf den Einkauf zum Schulstart“, sagt Schmid und lacht. Auch in der Schreibwarenhandlung Bensegger will man mit einer Rabattaktion den Kostenanstieg etwas „auffangen“. „Vielleicht hilft das den Eltern ein bisschen“, sagt Zimmermann.