Rosenheim – „Wir haben einfach mal auf gut Glück bei der Volkshochschule angerufen“, erzählt David Harrison. Harrison und Kompagnon Jimmy Roggers waren allerdings nicht auf der Suche nach einem Italienischkurs oder einem Rhetorikseminar. Harrison und Roggers wollten einen Kurs anbieten. Die beiden Musiker bieten aber nicht Gitarrenunterricht oder Klavierstunden an: Am Ende des zweitägigen Kurses soll nämlich ein Auftritt als Band stehen.
16 Sprachen und
über 500 Kurse
Der Kurs von Harrison und Roggers ist Teil des neuen Programms der Volkshochschule Rosenheim (VHS) für das kommende Trimester. Über 500 Kurse und Seminare stehen heuer auf dem Programm. Alleine 16 verschiedene Sprachen von Italienisch über Gebärdensprache bis zu Koreanisch werden angeboten. Und Obacht: „Jetzt beginnen schon die Anfängerkurse“, sagt Sylvia Seiler von der VHS. Also gilt es sich zügig anzumelden.
Besonders stolz ist Seiler auf eben „Let‘s Rock“. Denn hier geht es darum, dass Hobby-Musiker lernen, gemeinsam zu spielen. „Das Instrument beherrschen ist das eine“, erklärt Harrison, „zusammenspielen ist etwas anderes.“ Denn um gemeinsam zu spielen, muss man nicht nur dem eigenen Instrument zuhören, sondern auch auf die anderen achten. Das erfordert nicht nur Übung, sondern auch eine ganz andere Einstellung: „Das ist wie beim Fußball, man muss immer schauen, wo die anderen gerade sind“, erklärt Harrison.
Welche Musik die Teilnehmer denn spielen wollen, bleibt ihnen überlassen. Harrison und Roggers machen natürlich ein paar Vorschläge: „Beatles, Stones, Klassiker aus Pop und Rock eben“, sagt Harrison. Aber eigentlich sind sie da ganz offen. „Natürlich geht nicht alles, manches ist einfach zu kompliziert, um das in so kurzer Zeit zu beherrschen.“ Deshalb werden viele Stücke auch etwas vereinfacht. In Konkurrenz zu den Stones muss man ja nicht gleich treten. Aber die Lieder zu beherrschen ist durchaus notwendig, schließlich soll zum Ende des Kurses ein Live-Auftritt stattfinden.
Aber auch der Rest des Programms kann sich sehen lassen: Da wären zum Beispiel das „Studium Digitale“. Diese Vortragsreihe findet ausschließlich online statt und ist bei allen Volkshochschulen Teil des Programms. „Da kommen Menschen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt“, sagt Seiler. Unter anderem spricht dort der britische Historiker Ian Kershaw über „Erbauer und Zerstörer Europas im 20. Jahrhundert“. Kershaw gehört zweifellos zu den bedeutendsten zeitgenössischen Historikern der Welt. Aber auch brandaktuelle Themen werden behandelt. Die Politologin Ursula Münch zieht etwa im Dezember eine Bilanz zum ersten Jahr der Ampelregierung. „Im Fernsehen kann man ja keine Fragen stellen“, sagt Seiler. Hier habe man die Chance dazu – auch wenn es oft einige hundert Teilnehmer gebe, bemühten sich die Dozenten Fragen aus dem Chat aufzugreifen.
Aber nicht nur der Geist wird gefordert: Manuela Nietzold, die den Programmbereich Gesundheit betreut, freut sich vor allem auf „Indien meets Bavaria – Entspannung, Klang und Yoga“. „Ich habe selber schon einige Stunden mitgemacht und das ist großartig“, berichtet sie. Freilich gibt es auch etwas konventionelleres Yoga genau wie Gymnastik und Fitnesskurse – auch im Wasser mit zum Beispiel Aquagymnastik.
Sogar im Lebenslauf machen sich einige Kurse gut. Die berufsbegleitenden Kurse kommen mit einer Xpert-Zertifizierung einher. Beispielsweise im Controlling oder der Finanzbuchführung.
Dass das Programm so vielfältig ist, ist natürlich kein Zufall. „Wir wollen die Bedürfnisse der Menschen spiegeln“, sagt Seiler. Auf der Homepage der VHS kann man zum Beispiel Wünsche äußern, „aber man kann auch einfach anrufen“, sagt Seiler. „Besonders wenn man bereits eine kleine Gruppe beisammen hat, dann kriegen wir das meistens hin.“
Leider berichten Seiler und Nietzold, dass es auch manchmal an den Räumen scheitert. „Motorsägenkurse sind zum Beispiel sehr gefragt“, aber dazu fehlt uns auch schon das Equipment. Nietzold hätte gerne noch Tanz- und Trampolinkurse angeboten, aber das ist mit den bestehenden Räumen schwierig.
Gemeinsam lernt
es sich besser
Aber man kann sich – Stand jetzt – ja wieder treffen. „Wir sind ein sozialer Lernort“, sagt Seiler. Das sei allen Dozenten und Mitarbeitern ganz wichtig. Zum einen lernt man gemeinsam dann doch oft besser als allein vor dem heimischen Rechner. Zum anderen geht es eben auch um das Miteinander: „Wir haben Sprachkurse, da kommen seit zehn Jahren die gleichen Leute“, erzählt Seiler. Und nicht nur, weil die Menschen ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern wollen, sondern auch, weil sie sich so regelmäßig treffen können. „Ich sehe die dann nachher im Café sitzen“, erzählt sie, „das finde ich wirklich schön.“