Eskalation nach zwei Jahrzehnten Streit

von Redaktion

Besitzer will Teil der Eichfeldstraße abreißen lassen – Ende der City-Golf-Anlage?

Happing– Seit 18 Jahren streiten die Stadt und Christof Huber um die Eichfeldstraße. Jetzt spitzt sich die Debatte zu – und könnte nicht nur den Teilabriss einer wichtigen Verbindungsstraße in Happing bedeuten, sondern auch das Ende der City-Golf-Anlage in der Moosbachstraße.

Ein Blick in die
Vergangenheit

Christof Huber geht es gut. Das sagt er gleich zu Beginn des Telefonats. Für Fragen, die nicht sein Befinden betreffen, verweist er an seinen Anwalt Adolf Friedel. Der ihm bereits seit Jahren zur Seite steht – auch während des jüngsten Urteils des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Dieser hatte im April 2022 laut Friedel entschieden, dass Christof Huber berechtigt ist, die Verkehrsflächen entfernen zu lassen, die im nördlichen Bereich der Eichfeldstraße auf den Grundstücken seines Mandanten liegen. „Die Stadt muss die Entfernung dulden“, sagt der Rechtsanwalt im Gespräch mit dem OVB.

Um die Hintergründe dieser Entscheidung zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Denn die Wurzeln des Problems liegen mehr als 50 Jahre zurück. Damals wurde das Dorf Happing nach Rosenheim eingemeindet. Die Kommune hat den Grund zu dieser Zeit nicht erworben. Die Eichfeldstraße in Happing liegt demnach zum Teil auf dem privaten Grund von Christof Huber, Betreiber des Reschenhofes. Versuche vonseiten der Stadt, die Straße zu erwerben, schlugen in der Vergangenheit immer wieder fehl. So verband Huber – wie berichtet – 2015 den Verkauf mit der Bedingung, dass die Widmung als Gemeindeverbindungsstraße aufgehoben wird und dem Ziel, den Durchgangsverkehr zu verhindern. Ein anderes Mal wollte er den Grund der Eichfeldstraße mit einem Areal gegenüber seines Hofs tauschen. Beiden Vorschlägen stimmte die Stadt nicht zu.

Weil sich Stadt und Huber nicht einigen konnten, zog der Landwirt vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und forderte den Rückbau der Verkehrsflächen, die auf seinem privaten Grund liegen. Im April 2022 bekam er recht. Es ist ein Urteil, das für die Rosenheimer weitreichende Folgen haben könnte, denn bei der Eichfeldstraße handelt es sich um eine wichtige Verbindung zwischen Happing und Kaltwies.

Dass Huber es mit der Umsetzung des Urteils durchaus Ernst meint, beweisen pinke Linien, die seit einigen Tagen die Eichfeldstraße zieren. „Es wurden jetzt Grundstücksgrenzen durch das Vermessungsamt festgestellt“, sagt Adolf Friedel. Das Verfahren zu einem Teilabriss der Straße sei also in Gang gesetzt. „In einem nächsten Schritt wird jetzt genau visualisiert, wo die Grenzen liegen. Zudem muss die Stadt jetzt die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Verkehrssicherheit auch weiterhin zu gewährleisten“, erklärt Friedel. Und weiter: „Wann die Straße endgültig abgerissen wird, soweit Herr Huber durch das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes berechtigt ist, kann ich nicht sagen.“ Die Stadt hat laut Friedel das Gespräch mit Christof Huber gesucht.

Zu besprechen gibt es einiges. Denn es ist nicht nur der Teilabriss der Eichfeldstraße, der für Gesprächsstoff sorgt. Christof Huber gehören auch die Flächen an der Moosbachstraße 1, auf denen sich die City-Golf-Anlage von Rainer Blum und Petra Pussl Blum befindet. Und genau diese Flächen will der Rosenheimer jetzt landwirtschaftlich nutzen. Aus diesem Grund habe er den Vertrag – der laut Friedel Anfang nächsten Jahres endet – mit Citygolf gekündigt. „In der Vergangenheit hat es immer wieder Verhandlungen gegeben. Ursprünglich sollte der Vertrag bereits am 31. März 2022 durch Kündigung enden“, erinnert sich Friedel. In Gesprächen hätten sich die Parteien dazu entschieden, den Pachtvertrag um ein Jahr zu verlängern – jedoch mit dem Hinweis, dass das nicht noch einmal geschehen wird.

Nutzung für
Landwirtschaft

Doch ein Ende der City-Golf-Anlage scheint dennoch nicht besiegelt zu sein. „Herr Huber wird das Gespräch mit der Stadt suchen, um von der Stadt die benötigte landwirtschaftliche Fläche im Bereich seiner Hofstelle zu erwerben und damit eine Verlängerung des Pachtvertrages zu ermöglichen“, teilt sein Rechtsanwalt auf OVB-Anfrage mit. Nun scheint die Stadt am Zug.

Ob sich diese auf einen solchen Deal einlässt, beziehungsweise was sie gegen den geplanten Teilabriss der Eichfeldstraße unternehmen will, dazu will sich die Stadt vorerst nicht äußern. „Da in dieser Angelegenheit noch vertrauliche Gespräche laufen, wird die Stadt derzeit nicht öffentlich Stellung nehmen“ sagt Pressesprecher Christian Schwalm. Und auch die Geschäftsführerin der City-Golf-Anlage, Petra Pussl Blum, will sich aufgrund von „laufenden Verhandlungen“ vorerst nicht zu dem Sachverhalt äußern.

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