Zum Bericht „Statt Stolpersteine ein Möbiusband“, erschienen im Lokalteil:
Über 90000 Stolpersteine wurden schon in 26 europäischen Ländern verlegt. Durch ihre Gleichheit und den damit hohen Wiedererkennungswert ist das Ausmaß des Naziterrors zu erahnen. Wo immer man sich in Europa befindet, entdeckt man diese Steine, hält einen Moment inne und ehrt die meist aus ihren Häusern Verschleppten, indem man sich beim Lesen der Steine vor ihnen verneigt.
So wollte es auch Amnon Rimon, ein Nachfahre der ermordeten jüdischen Familie Block, der sich wünschte, dass vor der Rosenheimer Mädchenrealschule ein Stolperstein für Elisabeth Block verlegt werden solle. Einer sehr knappen Mehrheit der Stadträtinnen und Stadträte Rosenheims war dies egal. Auch dass Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in Stolpersteinen „eine sehr gute und würdige Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa“ sieht, konnte die Ablehnung nicht stoppen.
Jahrzehntelang gab es bedauerlicherweise in Rosenheim keinerlei Erinnerungskultur für die Naziopfer, bis die „Initiative Gedenkkultur – Stolpersteine für Rosenheim“ sich dieses Themas annahm. Nach weiteren Jahren des Nichtstuns ergriff die Stadt endlich die Initiative und entfachte eine grotesk anmutende Debatte um die richtige Form des Gedenkens. Denn sie wollte jetzt offenbar unbedingt etwas Eigenes. Möbiusbänder sind es geworden, die aber leider völlig ungeeignet sind. Deren mögliche Aussage für den gedachten Zweck erschließt sich nämlich nicht. Zudem sind sie unsagbar teuer: bisher Kosten in Höhe von 30000 Euro, während die Stolpersteine umsonst gewesen wären. Denn diese werden von den jeweiligen Paten bezahlt. Die 30000 Euro wären für die Heizkosten der Armen im nächsten Winter besser angelegt gewesen.
Andreas Salomon
Rosenheim