Plastikpiraten werden an Mangfall fündig

von Redaktion

Rosenheimer FOS/BOS-Schüler nehmen an internationalem Forschungsprojekt teil

Rosenheim – Leon Fischbacher blickt ein wenig ungläubig auf die große Plastikplane, die auf dem Boden des Mangfalldamms vor ihm liegt. Darauf hat der Schüler der 13. Klasse der FOS/BOS Rosenheim gerade mehrere Kilogramm Müll nach den verschiedensten Materialen sortiert. „Das ist echt viel und ein bisschen eklig“, sagt Fischbacher, während er mit seinen blauen Gummihandschuhen eine weitere Bierflasche auf den Glasstapel legt.

Europaweite
Aktion

Im Rahmen des Projekts „Plastic Pirates“, bei dem Schulklassen und Jugendgruppen aus ganz Europa Plastikproben an Flüssen und Bächen sammeln, haben Fischbacher und seine 21 Mitschüler sowohl das Ufer als auch das Wasser der Mangfall im Bereich der Turneralm in Oberwöhr auf dessen Verschmutzung untersucht. Die „Ausbeute“ der Rosenheimer Plastikpiraten überrascht selbst einen Experten.

Denn nach rund einer Stunde Suche im Gebüsch, im Uferschlamm oder zwischen den Felsen im seichten Wasser ist bereits einiges an Müll zusammengekommen. Darunter: 16 Zigarettenstummel, 14 Kronkorken, sieben – davon fünf volle – Getränkedosen, vier Bierflaschen, zwei Schnuller, zwei gebrauchte Windeln, eine Socke und eine Unterhose sowie jede Menge anderer Abfall wie Masken, Plastiktüten und Verpackungsmaterialen. „So viel Müll alleine in diesem kleinen Bereich hätte ich nicht erwartet“, sagt Dr. Tobias Hafner, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, der das Projekt mit seinem Amt begleitet.

Bereits zum zweiten Mal nimmt eine 13. Klasse der FOS/BOS mit Organisator Dr. Wolfgang Bachleitner, der als Bio- und Chemielehrer an der Schule tätig ist, an der europaweiten Aktion teil. Im vergangenen Jahr wurde die Verschmutzung des Inns am Innspitz untersucht. „Schon damals haben wir Unmengen an Abfall gefunden“, betont Dr. Bachleitner. Damit man die Verschmutzung der Rosenheimer Gewässer vergleichen könne, fiel die Wahl in diesem Jahr auf die Mangfall. „Zudem ist die Gegend um die Mangfall einerseits ein beliebtes Naherholungsgebiet, anderseits gibt es auch viel schöne Natur, die geschützt werden muss“, sagt Dr. Bachleitner. Dieser Zwiespalt sei für die Aktion besonders interessant.

Grundsätzlich sei die Plastikbelastung der Gewässer in der Region nicht höher als bei anderen Flüssen oder Bächen in Bayern, berichtet hingegen Dr. Hafner. Allerdings sei auch überall eine leicht erhöhte Verschmutzung des Wassers festzustellen. Dies hätten frühere Messungen des Bayerischen Landesamt für Umwelt ergeben. „Die Ursachen für die Verschmutzung sind vielseitig“, betont der Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Das sei zum einen der Plastikmüll, der in Ufernähe weggeworfen wird und durch Umwelteinflüsse im Laufe der Zeit so weit zerkleinert wird, bis er als Mikroplastik durchs Wasser treibt. Dazu gehöre beispielsweise auch der Abrieb von Autoreifen oder Schuhsohlen. „Auf der anderen Seite gelangen auch Plastikpartikel in die Flüsse, die von Anfang an so klein sind, wie zum Beispiel Kunststoffgranulat aus der Industrie“, so Dr. Hafner.

Wie viel von diesem Mikroplastik in der Mangfall zu finden ist, auch das untersuchen die Schüler der FOS/BOS an diesem Nachmittag. Dazu lassen sie ein spezielles Fangnetz, das so engmaschig ist, um die feinen Plastikpartikel aufzufangen, für eine Stunde im Fluss treiben. Damit das Netz möglichst viel Mikroplastik aufsammelt, müsse es direkt in der Strömung treiben und auf Spannung sein, erklärt Simon Englhart, ein Schüler der Klasse. „Mal schauen, wie viel wir erwischen. “, sagt er. Die gesammelten Daten werden anschließend an ein Forschungslabor in Kiel zur genaueren Auswertung geschickt und auf der Internetseite von „Plastic Pirates“ veröffentlicht.

Für Umweltschutz
sensibilisieren

„Uns ist klar, dass wir dadurch die Flüsse nicht sauberer bekommen, aber wir wollen auf das Thema Plastikmüll aufmerksam machen“, betont Dr. Bachleitner. Die Sensibilisierung beginne bereits bei seinen Schülern. „Wenn sie diese Müllberge sehen, die man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, dann wird ihnen vielleicht bewusst, dass man die Natur sauber halten muss.“ Deshalb sei es für ihn umso erfreulicher, dass alle seine Schüler ihre Freizeit „opfern“, um an dem Projekt teilzunehmen.

Leon Fischbacher will die Ratschläge seines Lehrers in Zukunft noch mehr beachten. „Nach den Erfahrungen hier hat man fast das Bedürfnis, den Müll der anderen auch wegzuschmeißen.“ Soweit muss es laut Dr. Hafner allerdings gar nicht gehen. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder seinen eignen Müll wieder mitnimmt und nicht aus Bequemlichkeit liegen lässt“.

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