Auf dem Weg in die Eigenständigkeit

von Redaktion

Verein „Lebenshilfe“ unterstützt Menschen mit Beeinträchtigung bei Wohnungssuche

Rosenheim – Eine Wohnung in Rosenheim zu finden ist schwierig. Für Menschen mit Beeinträchtigung ist es noch schwieriger. Der Verein „Lebenshilfe Rosenheim“ unterstützt sie deshalb – und hat für Sandra (31) und Michael (53) jetzt eine neue Bleibe gefunden. Ein Glücksfall. Denn immer wieder kommt es vor, dass der Traum vom eigenständigen Leben am Wohnungsmarkt scheitert.

Schwere Situation
für sozial Schwächere

Für Sandra und Michael ist es die erste große Party in ihren eigenen vier Wänden. Es gibt Sekt und Wein, auf dem Küchentisch steht eine Platte mit Häppchen. Im Wohnzimmer haben sich Thomas Frank, Rosmarie Höfler und Bernhard Käsbohrer vom Verein „Lebenshilfe“ sowie Bürgermeisterin Gabriele Leicht und Astrid Fiebiger vom Katholischen Jugendsozialwerk München versammelt. „Eigentlich war nur eine kleine Einweihungsparty geplant. Aber jetzt sind doch recht viele da“, sagt Thomas Frank und lacht.

Seit drei Jahren ist er der Vorsitzende der „Lebenshilfe Rosenheim“ und unterstützt Menschen mit Beeinträchtigung – unter anderem bei der Suche nach Wohnraum. „Es ist unheimlich schwer, auf dem Rosenheimer Wohnungsmarkt etwas zu finden“, sagt er. Vor allem sozial Schwächere und Menschen mit Beeinträchtigung müssten sich in der Warteschlange oftmals ganz hinten anstellen.

Geht es nach Thomas Frank und seinen Kollegen, soll sich das in Zukunft ändern. „Wir wollen Wohnraum für Menschen mit Beeinträchtigung schaffen“, sagt der Vorsitzende. Im Moment stünden dem Verein fünf Wohnungen mit zwölf Plätzen zur Verfügung. Eine sei im Besitz der „Lebenshilfe Rosenheim“, die anderen vier seien gemietet. „Wir versuchen, erschwingliche Wohnungen zu vermitteln. Die Mietkosten werden über die Sozialhilfe gedeckt“, sagt Frank. Der Verein unterstütze die Bewohner zudem, wenn kleinere Reparaturen anstehen oder beispielsweise ein neuer Kühlschrank gebraucht wird.

Wer letztendlich eine Wohnung bekommt, entscheiden die Mitarbeiter des Katholischen Jugendsozialwerks im Fachbereich „Ambulant Betreutes Wohnen“, kurz ABW. Priorisiert bei der Auswahl werden die Menschen, die dringend eine Wohnung brauchen und die sozialen Kriterien erfüllen. „Weil wir meistens Wohngemeinschaften haben, wird zudem geschaut, wer mit wem auskommt“, sagt Frank.

Im Falle von Sandra und Michael seien alle Kriterien erfüllt gewesen. Nicht nur brauchten die beiden dringend Wohnraum, sie kennen sich auch schon seit mehr als zehn Jahren. „Wir sind sehr dankbar, dass uns der Verein so unterstützt“, sagt Michael. Er stammt aus Rosenheim und arbeitet seit 16 Jahren in den Wendelstein Werkstätten. Während Sandra bereits in der Vergangenheit mit mehreren Menschen zusammengewohnt hat, war die Situation für Michael ungewohnt. „Ich habe in den vergangenen Jahren immer alleine gelebt“, sagt er. Trotzdem wagt er den Versuch – und ist auch sechs Monate nach dem Einzug zufrieden mit seiner Entscheidung.

Während sich die Gäste im Wohnzimmer austauschen, geht der 53-Jährige auf den Balkon, um seine Schwester anzurufen. Er erzählt ihr von der Feier, schwärmt von der Wohnung, die „im Moment ganz schön voll ist“. Angesprochen auf die Frage, was ihm am meisten gefällt, muss er nicht lange überlegen: „Dass ich nur fünf Minuten brauche, um in die Arbeit zu kommen.“

Aber auch die Küche, das Wohnzimmer und der Balkon würden ihm gefallen. Die Einrichtung hätten sich die beiden geteilt. Während die Plastikblumen auf dem Balkon von Sandra stammen, ist der große Fernseher im Wohnzimmer von Michael. „Wir fühlen uns wohl“, sagt Sandra.

Ein Geschenk
zur Einweihung

Und genau das ist es auch, was Thomas Frank und Rosmarie Höfler, der Zweiten Vorsitzenden des Vereins „Lebenshilfe“, wichtig ist.

Lob für ihre Arbeit gibt es von Bürgermeisterin Gabriele Leicht. „Es ist eine tolle Sache, dass Menschen unterstützt werden, die es auf dem Wohnungsmarkt nicht leicht haben“, sagt sie und versprach, in den kommenden Tagen ein Einweihungsgeschenk vorbeizubringen. Für Michael und Sandra Grund genug, eine zweite Party zu schmeißen – wenn auch im kleineren Kreis.

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