Zur Person

„Sie macht glücklich und zufrieden“

von Redaktion

Interview Coach und Buchautorin Melanie Binder rät Menschen zu mehr Selbstliebe

Kolbermoor/Rosenheim – Mit seelischen Verstimmungen oder depressiven Phasen hat nahezu jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu kämpfen. Ausgangspunkt ist oftmals ein mangelndes Selbstwertgefühl, das einem unbeschwerten Leben entgegensteht. Dass sich damit Betroffene nicht einfach abfinden sollten, davon ist Melanie Binder aus Kolbermoor überzeugt. Die 39-Jährige, die als Coach arbeitet, hat jetzt das Buch „Weil du wichtig bist!“ veröffentlicht, in dem sie Tipps rund ums Thema Selbstliebe gibt. Warum es so wichtig ist, mit sich selbst im Reinen zu sein und welche Notfalltipps sie bei seelischen Verstimmungen hat, verrät Binder im Interview mit dem Mangfall-Boten.

Hand aufs Herz: Lieben Sie sich immer selbst? Oder gibt es Momente, in denen Sie mit sich selbst hadern?

Direkt auf frischer Tat ertappt. Nur weil ich Selbstliebe lehre, heißt das noch lange nicht, dass ich es selbst jeden Moment lebe und mich rundum liebe. Doch ich bin inzwischen ganz gut darin, mich so zu lieben, wie ich bin. Das war nämlich nicht immer so. Aber gerade deswegen kann ich gut nachfühlen, wenn sich jemand noch nicht so mag, wie er ist, an sich zweifelt oder sehr kritisch mit sich selbst umgeht. Deshalb bin ich nicht nur eine Lehrende, sondern auch eine Lernende und übe mich ebenfalls jeden Tag darin.

Wie wichtig ist Selbstliebe für das Wohlbefinden und einen erfolgreichen Lebensweg?

Meiner Meinung nach sehr wichtig. Denn Selbstliebe macht, ist und hält gesund. Außerdem macht sie glücklich und zufrieden. Und ist Gesundheit, Glück und Zufriedenheit nicht die Basis für ein erfülltes Leben?

Viele Menschen haben seelisch daran zu knabbern, dass ihnen – beispielsweise in der Familie oder im Beruf – keine Bestätigung entgegengebracht wird. Kann Selbstliebe diesen Mangel wirklich ausgleichen?

Klares Ja, und zwar von zwei Seiten betrachtet. Erstens: Wenn ich beginne, mich selbst anzuerkennen und zu schätzen, dann suche ich es nicht mehr ständig im Außen. Also darf sich jeder in so einem Fall fragen: Inwieweit schätze ich mich selbst? Zweitens: Das nenne ich immer den „magic effect“: Wenn ich mich selbst wertschätze, strahle ich das plötzlich aus und wie auf wundersame Weise schätzen mich andere Menschen dann auch. Einfach mal ausprobieren. Aus meiner Erfahrung funktioniert es. In meinem Buch gehe ich auf die Selbstliebe im sozialen Umfeld in einem ausführlichen Kapitel ein.

Wie schmal ist der Grat zwischen Selbstliebe und Egoismus?

Meiner Meinung nach ist hier ein großer Unterschied. Selbstliebe bedeutet, liebevoll mit sich selbst umzugehen. Egoismus bedeutet, schlecht mit anderen umzugehen – ihnen vielleicht sogar bewusst zu schaden.

Ich bin in ein seelisches Tief gerutscht, weil ich in einer bestimmten Situation wieder nicht die erhoffte Bestätigung bekommen habe. Haben Sie Notfall-Tipps, wie ich aus dem Tief schnell wieder herauskomme?

Das Wichtigste vorab: In Erwartungen steckt das Wörtchen „warten“. Deshalb ist eine gute Grundhaltung, sich frei von Erwartungen zu machen, denn sonst „wartet“ man immer darauf. Nun noch drei konkrete Tipps für eine solche Situation: Erstens: Das innere negative Gedankenkarussell anhalten, in dem man laut oder leise zu sich selbst „Stopp!“ sagt, um sich nicht weiter reinzusteigern. Zweitens: Klaren Kopf bekommen! Eine Runde raus in die Natur oder wenigstens kurz Fenster auf und durchatmen. Sauerstoff und Perspektivwechsel helfen, eine neue Sichtweise zu bekommen. Drittens: Viel zu oft versuchen wir, Dinge mit uns selbst auszumachen. Das ist in solchen Momenten aber nicht hilfreich. Deshalb: Sprich mit jemandem darüber. Dazu gehört manchmal eine Portion Mut, doch es tut gut.

Stichwort Selbstliebe: Was lieben Sie an sich als Mensch besonders?

Meine Herzlichkeit, meine Ehrlichkeit, meine Unkompliziertheit und immer in allem einen Sinn sehen zu können. Außerdem liebe ich meine Schaffenskraft und die Art und Weise, wie ich kommuniziere.

Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass Sie diesen Ratgeber geschrieben haben?

Ich kam dazu ein bisschen wie „die Jungfrau zum Kinde“. Ein Verlag hat mich für dieses Buchprojekt angeschrieben und begeistert. Doch als ich losgeschrieben habe, war es, als würde dieses Werk schon lange in mir schlummern und als müsste es endlich raus in die Welt. Ich hatte dabei sehr viel Freude und freue mich jetzt, dass mein Buch immer mehr Menschen inspiriert und ihnen auf eine bestimmte Weise guttut.

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