Rosenheim – Tierquälerei, übervolle Ställe und ein schlechtes Betriebsklima: Der Verfasser eines anonymen Schreibens erhebt schwere Vorwürfe gegen den Rosenheimer Reit- und Fahrverein. Jetzt melden sich die drei Vorsitzenden zu Wort – und weisen die Kritik zurück.
Sabine Struckmann ist fassungslos, das sagt sie gleich zu Beginn des Gesprächs. Seit sechs Jahren kümmert sie sich um die Finanzen des Vereins. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Dominik Selmeier und seiner Stellvertreterin Eve Ploppa-Bauer hat sie zu einer Besichtigung des Stalls sowie der Anlagen des Reit- und Fahrvereins eingeladen. Das Ziel: Deutlich machen, dass an den Vorwürfen, die in dem anonymen Schreiben erhoben wurden, nichts dran ist.
41 Tiere sind auf
Anlagen zu Hause
Besagtes Schreiben landete am vergangenen Mittwoch im Briefkasten der OVB-Redaktion. Auf einer DIN-A4-Seite hat der Verfasser dem Verein unter anderem vorgeworfen, dass die Pferde geschlagen und mit verschimmelten Heu gefüttert würden. Es sind Anschuldigungen, über die Sabine Struckmann, Dominik Selmeier und Eve Ploppa-Bauer nur den Kopf schütteln können.
Sie stehen im Stall, öffnen Boxen und stellen einige der 41 Pferde vor, die im Moment auf der Anlage zu Hause sind. „Unsere Schulpferde und die eingestellten Pferde werden nicht nur tiergerecht, sondern sehr gut untergebracht und gepflegt“, sagt Dominik Selmeier. Er spricht von regelmäßigen Impfungen, Kontrollen durch Tierarzt und Hufschmied sowie osteopathischen Behandlungen. „Sie sind bestens gepflegte und gesunde Tiere“, teilen die Vorsitzenden mit.
Auch die Vorwürfe, dass die Ponys in Notboxen untergebracht seien und die Schulpferde „viel zu oft reiten“, seien so nicht richtig. „Die Anzahl der Reitstunden lässt sich über eine Auswertung unseres digitalen Reitbuchs kontrollieren, das zeigt, dass dies im typischen und tiergerechten Umfang erfolgt“, sagt Selmeier. Zwar gebe es zwei zusätzliche Boxen, diese hätten jedoch die gleiche Größe wie die Boxen im Stall. „In einer Box sind zwei Ponys zusammen untergebracht. Diese zwei Tiere standen schon immer zusammen. Sie zu trennen würde ihnen schaden“, ist sich Sabine Struckmann sicher.
Sie dementiert auch den Vorwurf, dass der „Reitboden sehr schlecht ist“. So sei der Hallenboden erst im vergangenen Jahr – kurz vor Weihnachten – von einem Fachbetrieb aufgeschüttet und aufbereitet worden. Die nächste Aufschüttung sei bereits geplant.
„Der Reitboden wird täglich mit dem Bahnplaner gefahren, bei viel Beritt auch zweimal am Tag“, sagt Struckmann. Sowohl sie als auch Eve Ploppa-Bauer und Dominik Selmeier seien selbst Reiter beziehungsweise Einsteller und haben den Anspruch, dass die Tiere „unter optimalen Bedingungen untergebracht sind“.
Den Mitarbeitern des Rosenheimer Veterinäramts liegen laut Pressesprecherin Tanja Pfeffer ebenso keine Hinweise zu den in dem anonymen Schreiben genannten tierschutzrechtlichen Vorwürfen vor.
Wer also steckt hinter dem Schreiben? Struckmann, Selmeier und Ploppa-Bauer wollen zwar keine Namen nennen, glauben jedoch, „sicher zu wissen“, von wem der anonyme Brief stammt. „Der Zweck ist nach unserer Einschätzung, dem Verein zu schaden, da die Personen nicht akzeptieren können, dass der Einstellvertrag zwischen dem Verein und diesen zwei Personen für ihre zwei Pferde, gekündigt werden musste“, teilen die Mitglieder der Vorstandschaft mit. Der Grund für die Kündigung seien „erhebliche Vertragsverletzungen“ gewesen.
Gute Kommunikation
und gutes Verhältnis
Unabhängig davon sei das Klima innerhalb der Gemeinschaft – anders als im Schreiben dargestellt – gut. „Wir haben zum Glück im Verein zwischen den Mitgliedern, dem Beirat sowie dem Vorstand eine sehr gute Kommunikation und ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Dominik Selmeier.
Die Vereinsmitglieder seien mit der Arbeit des Vereins zufrieden und die Einsteller mit der Unterbringung der Pferde.
„Wir sind zwar betroffen, dass ein anonymes Schreiben mit pauschalen Vorhaltungen übermittelt wurde. An den Vorwürfen ist jedoch nichts dran“, unterstreichen die Vorsitzenden. Stattdessen bedauern sie, dass die Pferdepfleger und die vielen freiwilligen Helfer, die seit Jahren, „eine gute Arbeit leisten“, in ein „schlechtes Licht gerückt werden“.
Nach einer halben Stunde ist der Rundgang auf der Anlage am Wasserweg beendet. „Die Vorwürfe sind Teil der aus unserer Sicht versuchten Schmutzkampagne“, fassen die Vorsitzenden zusammen – noch immer fassungslos.