Armutszeugnis der Stadt

von Redaktion

Die Obdachlosenunterkunft in der Tannenbergstraße 1a ist menschenunwürdig. Es gibt keine Duschen, von der Decke tropft es, und die Wände schimmeln. Stadtverwaltung und GRWS kennen die Situation, ignorieren sie aber. Wie sonst lässt sich erklären, dass es mittlerweile Boiler gibt, Duschen aber auch nach fünf Jahren noch nicht eingebaut wurden? Eine Antwort auf diese Frage steht noch aus. Es gibt kein Gesetz, das Duschen in Obdachlosenunterkünften vorschreibt. Womöglich werden sich die Verantwortlichen darauf berufen. Die Mindestanforderungen sind erfüllt. Die Bewohner haben ein Dach über dem Kopf – auch wenn dieses undicht ist. Sie können sich waschen – wenn auch nur in einer Kunststoffwanne. Das sollte nicht der Anspruch sein. Eine Dusche ist – zumindest in Deutschland – kein Luxusobjekt, sondern zählt zu den Mindeststandards einer Wohnung. Diese Standards hat die GRWS den Bewohnern längst versprochen. Passiert ist nichts. Das ist ein Armutszeugnis. Stadt und GRWS können das Problem nicht weiter ignorieren. Handeln ist gefragt. Die Familien sollten endlich eine Dusche erhalten. Andreas März bezeichnet sich gerne als „Oberbürgermeister für alle“. Jetzt ist seine Chance, das unter Beweis zu stellen.

anna.heise@ovb.net

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