Rosenheim – Die Weihnachtszeit steht bevor. Die wohl beste Zeit für den Einzelhandel. Allerdings stecken die Einzelhändler heuer in einem Dilemma: Auf der einen Seite soll möglichst viel verkauft werden, auf der anderen Seite mit heruntergedrehten Heizungen, geschlossenen Türen oder reduzierter Beleuchtung Energie gespart werden. Das könnte sich wiederum negativ auf die Kauflaune der Kunden auswirken, so befürchten es die Einzelhändler.
Plakataktion
gestartet
Deshalb hat der Handelsverband Deutschland (HDE) eine Aktion gestartet, damit die Einzelhändler beides schaffen können. Dazu sollen Plakate in die Schaufenster gehängt werden. Diese sollen sowohl einen Werbeeffekt haben, als auch auf das Energiesparen aufmerksam machen. Die Rosenheimer Händler haben sich zudem überlegt, wie Strom gespart werden und trotzdem Weihnachtsstimmung in der Stadt aufkommen kann.
„Wir haben die gute Idee des Handelsverbands als Anlass genommen, unser gesamtes Energiesparkonzept noch mal durchzusprechen“, sagt Andreas Bensegger, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens für Bürobedarf in Rosenheim. Danach habe man ein eigenes Plakat gestaltet und unterstütze die Aktion moralisch. Die Möglichkeiten, im Handel Energie zu sparen, seien nämlich eingeschränkt.
„Der Hauptverbrauch mit 60 bis 70 Prozent ist die Beleuchtung der Schaufenster, Fassaden und Innenräume“, sagt Bensegger. Deshalb habe er die Beleuchtung seines Geschäfts „größtenteils schon auf LED-Lampen“ umgerüstet. Allerdings gehe auch das gerade langsamer als gewünscht. „Die Lampen kommen nur sehr spärlich an, da es Lieferschwierigkeiten gibt“, berichtet der Geschäftsführer.
Dieses Problem hat Paul Adlmaier, Geschäftsführer des Herrenausstatters „Adlmaier“, nicht. Bereits 2014 sei sein Geschäft auf die effizientere Beleuchtung umgestellt worden und sei so im „Energieverbrauch ganz gut aufgestellt“. Allerdings habe Adlmaier entschieden, die Öffnungszeiten seines Geschäfts an die Energiekrise anzupassen. „Wir schließen mittlerweile um 18.30 Uhr und nicht um 19 Uhr“, so der Geschäftsführer, denn: „Wenn alles aus ist, spart man am meisten.“
Die Beleuchtung während der Öffnungszeiten könne in einem Bekleidungsgeschäft nicht reduziert werden. „Ich brauche als Kunde gutes Licht, wenn ich zum Beispiel die Farbe eines Kleidungsstücks genau einschätzen möchte“, betont Adlmaier. Die Energieeinsparverordnung der Bundesregierung, welche besagt, dass öffentliche Gebäude und Werbeflächen seit dem 1. September nur zu bestimmten Zeiten beleuchtet werden dürfen, erfülle das Modegeschäft am Max-Josefs-Platz. „Unsere Schaufenster- und Fassadenbeleuchtung wird um 22 Uhr bis zum Morgen ausgeschaltet“, sagt Adlmaier. Gleiches gilt für das Schreibwarengeschäft von Andreas Bensegger. „Auch wenn mich diese Maßnahme etwas traurig stimmt, da die nächtliche Beleuchtung der Fassaden die Rosenheimer Innenstadt ausmacht“, bedauert Bensegger. Beide Ladeninhaber haben nicht nur die Beleuchtung, sondern auch die Beheizung ihrer Geschäftsräume angepasst. „Wir haben die Raumtemperatur etwas nach unten geregelt“, sagt Adlmaier. Allerdings werde das den Kunden kaum auffallen, da die Heizungen „möglichst effizient“ eingestellt worden sind. Damit dieser Schritt nicht ins Leere läuft, bleiben auch die Eingangstüren der Geschäfte während der Ladenöffnungszeiten geschlossen. Obwohl offene Türen auf die Kunden einladender wirkten, werde dadurch im wahrsten Sinne des Wortes zur Tür hinausgeheizt. „Wir haben draußen einen Aufsteller stehen, damit die Leute sofort sehen, dass wir geöffnet haben“, sagt Bensegger. Auch im Rosenheimer „Galeria Kaufhof Karstadt“ Rosenheim wird versucht, Energie zu sparen. Dort verweist ein Schild an den Rolltreppen, dass diese derzeit „aus Klimaschutzgründen und zur Senkung des Energieverbrauchs“ deaktiviert und mitnichten defekt seien. Die Kunden werden gebeten, entweder eine andere Rolltreppe oder den Fahrstuhl zu benutzen.
Die gleiche Maßnahme sei im Möbeleinrichtungshaus „Weko“ getroffen worden. Zudem versuche das Unternehmen „soweit wie möglich auf selbst erzeugten Strom von den hauseigenen Fotovoltaikanlagen zurückzugreifen“, wie Kathrin Gartner, Assistentin der Geschäftsleitung, mitteilt.
Eines befürchten dennoch viele Einzelhändler: dass durch die Energiesparmaßnahmen und aufgrund der fehlenden Werbeeffekte weniger Kunden in die Läden kommen. Dadurch könnten die im Weihnachtsgeschäft wichtigen Umsätze ausbleiben. „Das haben wir uns alle bisschen anders vorgestellt nach den Corona-Jahren“, sagt Bensegger, „allerdings geht es nicht anders.“
Die gestiegenen Nebenkosten „treffen auch die Ladenbetreiber hart“. Deshalb seien die Energieeinsparungen wichtig, denn ansonsten könne es sein, dass einige kleinere Geschäfte die nächste Zeit finanziell nicht überstünden.
Beleuchtung
zeitlich begrenzt
Trotz der Energiekrise ist es den Rosenheimer Einzelhändlern wichtig, dass weihnachtliche Stimmung beim Adventsshopping aufkommt. „Wir hängen unsere LED-Weihnachtsbeleuchtung dennoch auf, auch wenn sie kürzer leuchtet als sonst“, sagt Bensegger. „Das gehört einfach zum Ambiente in Rosenheim dazu, auch wenn wir lange überlegt haben, ob wir es machen.“ Auf die Weihnachtsdekoration will auch Paul Adlmaier nicht verzichten: „Das Gute ist, dass unsere Deko keine zusätzliche Energie kostet.“