Rosenheim – Vor Elfriede Pauli liegt ein Fotoalbum: Bilder von strahlenden Kindern. Wie sie zum ersten Mal gemeinsam backen oder ein Theaterstück mit selbst gemalten Tieren vorführen. Auch die Erzieher sind Pauli in Erinnerung geblieben. Sie seien stets bemüht gewesen, ihr nachzueifern und von ihr zu lernen.
Auf dem Sofa
sitzen ist keine Option
Das war bei ihrem letzten Einsatz in Kasachstan. Seit sie vor drei Jahren in Rente gegangen ist, engagiert sie sich beim Senioren Expert Service (SES). Denn zwar verbringe sie gerne Zeit mit ihrem Mann und ihren acht Enkelkindern, aber für die 67-Jährige kommt nur auf dem Sofa sitzen nicht in Frage: „Ich habe immer gerne gearbeitet und konnte mir nicht vorstellen, irgendwann nichts mehr zu machen.“ Sich ehrenamtlich zu engagieren, lag da nur nahe: Gleich zum Start in den wohlverdienten Ruhestand meldete sie sich beim SES. Die Stiftung ist vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv und bemüht sich, Wissen und Erfahrung zu vermitteln. Und davon hat Pauli jede Menge: Sie arbeitete 22 Jahre lang als Heilpädagogin und unterrichtete dabei an der Fachschule für Heilerziehungspflege. Davor leitete sie einen Kindergarten. Ehrenamtlich engagiert war sie schon als sie noch berufstätig war: „Ehrenamtlich zu arbeiten ist mir sehr wichtig, vor allem in Bereich der Behinderten- und Seniorenarbeit.“ Ihr letzter Einsatz ging nach Kyzylorda, Kasachstan. In dem Erziehungsheim für Kinder im Vorschulalter „UMAY“ half sie bei der Weiterentwicklung der Erzieher. Zu ihren Aufgaben zählen, deren pädagogische Arbeit zu analysieren und zu verbessern. Auch reformpädagogische Ansätze, insbesondere die Ideen von Maria Montessori, brachte sie in das Heim mit.
„Jedes Kind“, erklärt sie ganz analog zu den Lehren Maria Montessori, „ist ein Individuum. Und jedes Kind sollte nach seinem eigenen Arbeitstempo arbeiten können“, sagt Pauli. Das Kind trage den Bauplan bereits in sich. Man müsse das Kind nur unterstützen, sich selbstständig zu entwickeln. Dafür müssen den Kindern nur genügend Material zur Verfügung gestellt werden. Doch an solchen Materialien war in Kyzylorda nicht zu denken. Durch Improvisation und mitgebrachten Spielen aus ihrem eigenen Spieleverlag, konnte Pauli den Erziehern doch noch viele neue Anreize liefern.
Umringt von Fernsehteams und Nachrichtenreportern, wurde Pauli in Kasachstan zur Bekanntheit. So nahm Pauli Studenten der Pädagogik mit in ihr Trainingsprogramm auf. An der hiesigen Universität hielt sie außerdem ein Vortrag über Autismus. Ein besonderes Anliegen für die 67-Jährige, denn Kinder mit Beeinträchtigungen fänden vor Ort noch zu wenig Unterstützung.
Weitere Einsätze
sind bereits geplant
Ein weiterer Besuch in Kyzylorda sei erstmal nicht geplant. „Zuerst muss sich die Regierung den gestellten Forderungen von „UMAY“ annehmen. Mehr kann ich dort erstmal nicht leisten.“ Doch über weitere Einsätze in anderen Ländern, freue sich Pauli bereits: „Man erhält bereichernde Erfahrungen und begegnet neuen Menschen und Kulturen.“ Eventuell könnte die nächste Reise in die Ukraine gehen.