Zwischen Fleischerhaken gärt das Bier

von Redaktion

Im ehemaligen Kloster Attl wird nach 200 Jahren wieder gebraut

Attel – „Heute Brau-Tag“, unscheinbar in weißer Kreide, verkündet das Schild, aufgestellt in der Nähe des Verwaltungsgebäudes der Stiftung Attl, eine ganz besondere Neuigkeit: Nach über 200 Jahren wird auf dem ehemaligen Klostergelände, im Schlachtraum, wieder Bier gebraut. Wasserburg hat damit wieder eine Brauerei, auch wenn es noch ein bisschen chaotisch zugeht.

Ein wenig ungewöhnlich mutet auch die Unterkunft der Brauerei an. Statt an den erwarteten großen Kupfer-Bottichen drängen sich die Brauer zwischen Fleischerhaken und Verlängerungskabeln rund um Holztische mit 24-Liter-Kesseln.

„Der perfekte
Ort für uns“

Zu sechst sind die Freunde des Vereins Wasserburger Bierkultur heute angerückt, um den ersten Brautag in Attel nach über 200 Jahren zu begehen. Vorsitzender Fabian Pleizier lächelt zufrieden. „Das ist der perfekte Ort für uns. Wir Brauer brauchen genau wie die Fleischer einen sauberen Ort.“

Pleizier spricht von einer „Win-Win-Situation“ – für den Verein der Hobbybrauer, der hier eine neue Heimat gefunden hat, und für die Stiftung Attl, die endlich wieder ihre langjährige Brautradition aufleben lassen kann. Das bestätigt auch Stiftungsvorstand Franz Hartl. „Es freut mich wahnsinnig, dass jetzt wieder in Attel Bier gebraut wird“, sagt er.

Nach der Gründung des Klosters im Jahr 1037 hätten die Benediktiner Bier gebraut. „Wir wissen allerdings nicht, wie lange.“ Spätestens aber 1803 nach der Säkularisation und Auflösung des Klosters sei die Bierbrautradition aus Attel verschwunden. „Und diese jetzt ausgerechnet zum 150-jährigen Jubiläum der Stiftung aufleben lassen zu können, ist natürlich umso schöner.“

Ein bisschen Chaos herrscht aber noch im ehemaligen Schlachtraum. Im Laufe des Vormittags spielt die Sicherung verrückt, der Strom fällt aus. Unbemerkt von den Hobbybrauern, die gerade bei der Bierverkostung sitzen. „Blöd“, beschreibt Tilmann Diehl die Situation. Aber retten könne man den Gerstensaft dennoch. „Bier wird es immer“, sagt er zuversichtlich. Eventuell müssten sie „ein bisschen tricksen“, um den gewünschten Geschmack herzubekommen. Schließlich soll das Bier, das heute hier gebraut wird, einen zumindest ähnlichen Geschmack haben. „Bei der Verabschiedung von Franz Hartl im März soll es das erste Mal ausgeschenkt werden“, erzählt Pleizier.

Die Rezeptur dazu stammt vom Zweiten Vorsitzenden Robert Voggenauer und ist natürlich geheim. „Wir Brauer reden über alles, aber nicht über Rezepte“, stellt Otto Thaller lachend fest. Voggenauer verrät aber immerhin so viel: „Das Bier braue ich seit ungefähr vier Jahren.“ Eigentlich sei es ein „normales dunkles Weißbier“. „Fürs Festbier in Attel haben wir jetzt beim Malz etwas geändert.“ Die Zutaten bekommen die Hobbybrauer übrigens von den umliegenden Brauereien. „In diesem Fall kommen die Hefe von Unertl und Malz und Hopfen vom Baderbräu“, erzählt Pleizier.

Professionelle
Anlage soll folgen

Für die Hobbybrauer ist es der erste Schritt zur „richtigen Brauerei“ in Attl. „Wir wollen hier noch umbauen“, verrät Pleizier, die Fleischerhaken des Schlachtraums sollen einer professionellen Brauanlage weichen. „Und natürlich wollen wir irgendwann auch die Bewohner der Stiftung Attl mit einbeziehen.“ Fürs Erste seien sie aber zufrieden mit ihrer kleinen, noch etwas chaotischen Unterkunft. „Solange es schmeckt, passt‘s“, so Pleizier.

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