Rosenheim – Südlich der Bahngleise entlang der Enzensperger- und Klepperstraße soll ein neues Stadtquartier entstehen. „Dabei handelt es sich um eine der letzten zusammenhängenden Flächen in der Stadt, auf denen ein komplett neues Quartier entwickelt werden kann“, sagte Sonja Gintenreiter, Fraktionsvorsitzende der Grünen, während der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.
Pläne gibt es
schon seit 2011
Pläne für das 119810 Quadratmeter große Areal gibt es schon seit 2011. Im März 2020 sicherte sich die Stadt per Satzung ein Vorkaufsrecht für die Flächen im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme. Seitdem laufen die Verhandlungen mit den drei Eigentümern – der Deutschen Bahn, der DB Netz sowie dem Bundeseisenbahnvermögen (BEV). Weil das BEV einem Verkauf nur dann zustimmt, wenn die Stadt gewährleistet, dass auf 52 Prozent der Fläche Wohnungen entstehen, muss der Rahmenplan, den die Stadt bei der Bahn einreichen muss, nochmals überarbeitet werden.
Ruf nach
zentralem Übergang
Darum kümmert sich eine Gruppe aus Stadtplanern, Architekten, Verkehrsplanern und Experten für Immissionsschutz. Vorab haben die Stadträte Anforderungen formuliert, die berücksichtigt werden sollten. So ist es sowohl den Grünen, als auch der Rosenheimer CSU und den Freien Wählern/UP wichtig, dass es in den Planungen eine zentrale Fuß- und Radwegebrücke gibt.
„Die Brücke ist notwendig, um den Stadtteil an die Innenstadt anzuschließen“, sagte Daniel Artmann (CSU). Zustimmung erhielt er von seinem Fraktionskollegen Herbert Borrmann: „Die Brücke steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Das sollten wir auch versuchen, umzusetzen.“
Oberbürgermeister Andreas März (CSU) erinnerte daran, dass die Fuß- und Radwegebrücke Bestandteil des alten Rahmenplans war. Weil seiner Meinung nach auch Alternativen zu einer Brücke – beispielsweise eine Seilbahn – vorstellbar wären, wolle er auf Vorgaben verzichten. „Wir sollten die Ausschreibung so offen wie möglich machen und uns dann Gedanken über die Priorisierung machen“, stimmte ihm Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, zu.
Neben der geplanten Fuß- und Radwegebrücke sorgte auch das alte Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn für Diskussionsstoff. Dieses würde sich laut Sonja Gintenreiter eignen, um eine „coole Szene für junge Leute“ zu schaffen. So suche man im Stadtjugendring beispielsweise händeringend nach einem Ort für Bandproben.
Schrannenhalle
als Möglichkeit
Auch kulturelle Einrichtungen seien ihrer Meinung nach vorstellbar. „Wenn es bezahlbar ist, sollten wir es auf jeden Fall erhalten“, ergänzte Artmann. Ihm schwebe etwas wie die Schrannenhalle in München vor. Franz Opperer ergänzte, dass das Ausbesserungswerk zudem ein Industriedenkmal und ein Markenzeichen der Stadt sei.
„Im Planungsprozess sollte überprüft werden, ob und mit welchen Folgen das Ausbesserungswerk und der Kran als Zeitdokument der Bahnnutzung mit einer zeitgemäßen Folgenutzung erhalten werden können“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Unabhängig davon sollen auf der östlichen Teilfläche neben Wohnungen auch Büros und Gewerbebetriebe entstehen.
„Die Errichtung der 32 bis 33 bezugsfertigen staatlich geförderten Wohnungen muss vertragsbedingt möglichst schon zu Anfang der baulichen Umsetzung des Areals möglich sein“, teilt die Verwaltung mit. Vorstellbar seien zudem ein Nahversorger und ein zentral gelegenes Parkhaus.
Wohnanteil
hoch halten
Auf der westlichen Teilfläche soll ebenfalls Wohnraum entstehen, aber auch ein sechsgruppiger Kita-Standort. Vorstellbar sei die Schaffung von 100 Kindergarten- und 24 Krippenplätzen. Ebenfalls in den Plänen vorgesehen ist eine Büro- und Gewerbenutzung. Anders als von der Verwaltung vorgeschlagen setzte sich Franz Opperer dafür ein, dass der Wohnanteil so hoch wie möglich ausfällt – trotz der starken Lärmemission durch die Bahn und des Verkehrs auf der Straße. Zumal ein von der Stadt beauftragtes Büro bestätigt hat, dass Wohnen und Gewerbe an dieser Stelle durchaus möglich ist.
Diskutiert wurde während der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses auch über eine mögliche Erschließung des Areals. „Durch den Wegfall der sogenannten Bahnrand-Straße muss die innere Erschließung gegenüber der alten Rahmenplanung neu konzipiert werden“, heißt es aus dem Rathaus. Das ursprünglich definierte Ziel, die Enzensperger- und Klepperstraße zu entlasten, könne deshalb nicht mehr umgesetzt werden.
Allee soll
erhalten bleiben
„Diese sind als dauerhafte Haupterschließungsstraßen vorgesehen und werden künftig als solche verkehrssicher aus- und umgebaut.“ Franz Opperer forderte in diesem Zusammenhang, die Allee entlang der Enzenspergerstraße zu erhalten.
Einstimmig sprachen sich die Stadträte dafür aus, die Planungen für das Bahngelände Süd weiter voranzutreiben. Eine endgültige Entscheidung soll am Mittwoch, 1. Februar, in der Sitzung des Stadtrats fallen.