Rosenheim – Eine Zither und ein Notenheft für dieses Instrument sind derzeit im Schaufenster des Städtischen Museums Rosenheim zu sehen. Zwei Dinge, die man neben der Musik vor allem mit Frohsinn und Lebensfreude in Verbindung bringt. Doch im Kontext mit der Familie Block, in dessen Besitz sie einmal waren, bekommen sie eine andere Bedeutung. Sie erinnern an das Schicksal von Elisabeth Block und ihrer Familie und damit an alle verfolgten und ermordeten Rosenheimer während der NS-Zeit.
Elisabeth Block, genannt Lisi, wurde am 12. Februar 1923 als erstes von drei Kindern der Eheleute Fritz und Mirjam Block in Niedernburg bei Rosenheim geboren. Der Vater kaufte dort 1921 ein Anwesen und gründete eine Gärtnerei. Im Alter von acht Jahren begann Lisi Tagebuch zu schreiben und schildert darin zunächst ein harmonisches Familienleben in einer scheinbar ungestörten Idylle.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwindet der Frohsinn aus ihrem Tagebuch. Ab November 1938 beschreibt sie die immer schlimmer werdende Lage der Juden in Deutschland, und damit auch für sie selbst und ihre Familie: ein Onkel wird in der Reichspogromnacht ermordet, das Wandern in den Bergen wird ihnen als Juden verboten, an der Kleidung müssen sie den gelben Davidstern tragen, der Vater wird zur Zwangsarbeit verpflichtet und sie und ihre Geschwister dürfen nicht mehr zur Schule gehen, sondern müssen auf Bauernhöfen in der Umgebung arbeiten.
Im Oktober 1941 spiegelt das Tagebuch die Angst der 18-jährigen wider. Elisabeth ist tief erschüttert, als sie von der Deportation norddeutscher Verwandter erfährt und blickt verzweifelt in die Zukunft: „Entsetzlich diese Ungewisse, diese Angst um sein bisschen Leben und beinah kein Ausweg, grauenhaft; nur noch an Gott kann man sich klammern und immer wieder bitten und nicht verzagen. Es kann doch nicht mehr ewig dauern diese Zeit“. Im Frühjahr 1942 wurde die Familie Block schließlich über das Sammellager Milbertshofen in das Lager Piaski deportiert und in einem der nationalsozialistischen Vernichtungslager ermordet.
Erinnerungsstücke von Lisi und ihrer Familie gibt es kaum. Daran scheiterte auch der Vorschlag im Rosenheimer Stadtrat, anlässlich des 100. Geburtstages von Elisabeth Block eine große Gedächtnisausstellung zu realisieren. Neben dem Tagebuch sind es nur noch die Zither und das Notenheft, das das Städtische Museum Rosenheim zeigen kann. Beides gehörte Elisabets Schwester Gertrud. Davon zeugen Gertruds Name handschriftlich auf dem Notenheft und das letzte Familienbild von Familie Block, entstanden an Weihnachten 1941 mit der Zither auf dem Tisch.
Museumsleiter Walter Leicht sieht in der Schaufenster-Ausstellung aber grundsätzlich eine sehr gute Möglichkeit, die Erinnerung wachzuhalten. „An diesem Schaufenster kommen täglich sehr viele Menschen vorbei und bleiben auch immer gerne davor stehen. Außerdem ist diese Ausstellung für alle frei zugänglich“, meint er.
Wichtig war ihm bei der Konzeption der kleinen Sonderausstellung, dass neben der Familie Block auch ausdrücklich an die Schicksale der anderen über 9000 ermordeten bayerischen Juden erinnert wird, darunter auch die Rosenheimer Moses, Taube und Klara Fichtmann, Max Fischer sowie Rosalie und Adele Obernbreit. Karin Wunsam