MVV-Beitritt überzeugt nicht alle

von Redaktion

Meinungen gehen bei Podiumsdiskussion im Bildungszentrum auseinander

Rosenheim – Hat der Bürger etwas von einem Beitritt zum Münchner Verkehrsverbund? Und: Sind etwaige Vorteile nur durch diesen Beitritt zu erreichen, oder könnten Stadt und Landkreis Rosenheim entsprechende Ziele auch selbst verwirklichen? Um diese Fragen ging es am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion, an der die Fraktionssprecher von CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und den Freien Wählern teilnahmen, sowie Dr. Bernd Rosenbusch, der Geschäftsführer des MVV.

Einigkeit über alle Fraktionen hinweg bestand darin, dass es den öffentlichen Nahverkehr gewaltig voranbringe, wenn es ein einheitliches Ticketsystem und abgestimmte Fahrpläne gäbe. Dr. Rosenbusch konnte hier zusätzlich mit konkreten Zahlen aufwarten. In Hamburg und Regensburg etwa sei nach der Erweiterung der Verbünde das Fahrgastaufkommen in der Größenordnung von zehn bis fünfzehn Prozent gestiegen.

„Keine vernünftige
Alternative“

Für Abuzar Erdogan von der SPD und Sonja Gintenreiter von den Grünen war die Sachlage deshalb klar: Es gebe keine vernünftige Alternative zu einem Beitritt zum MVV. Denn dort sei nicht zuletzt auch Fachwissen und Personal vorhanden. Beides erleichtere auch den zukünftigen Ausbau des regionalen Busnetzes. Derartiges sei mit nur einer Vollzeitstelle bei der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft nicht zu stemmen. Gintenreiter hierzu: „Man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es schon da ist“.

Dass ein MVV-Beitritt Vorteile haben könne, bestritten auch Herbert Borrmann von der CSU und Robert Multrus von den Freien Wählern nicht. Sie bemängelten allerdings, dass es in dieser Frage bislang zu wenig Absprachen zwischen dem Landkreis und der Stadt gegeben habe und hier sei einfach in manchen Punkten noch Klärungsbedarf. „Ich habe mehrmals gemeinsame Gespräche angeregt, leider vergebens“, sagte Herbert Borrmann.

Robert Multrus formulierte es noch schärfer: „Der Landkreis kocht hier sein eigenes Süppchen“, räumte aber ein, dass die Interessenlage von Stadt und Landkreis auch unterschiedlich sei.

Für Multrus lag der Königsweg in der Beitrittsfrage auch deshalb möglicherweise in einer vorübergehenden Verschiebung: „Wir sollten abwarten, wie das Deutschlandticket ankommt und wie es sich in den nächsten ein, zwei Jahren entwickelt. Unter Umständen verlieren überregionale Verkehrsverbünde damit einen Teil ihrer Bedeutung“.

Für die etwa 100 Besucher der Veranstaltung im Bildungszentrum St. Nikolaus waren nicht zuletzt die Kosten nach wie vor ein Unsicherheitsfaktor. Die Befürchtung wurde laut, es könne am Ende nicht bei den derzeit genannten rund 500000 Euro pro Jahr bleiben. Konkret zum Beispiel: Sei der MVV an den explodierenden Kosten der zweiten Stammstrecke mitbeteiligt? Diese Sorge konnte Bernd Rosenbusch vom MVV immerhin ausräumen, Stammstrecke und MVV hätten miteinander nichts zu tun. Dennoch blieb bei einigen Besuchern die Frage, ob das Geld nicht besser eingesetzt sei, wenn man es direkt in den ja bereits geplanten Aufbau eines „kleinen“ regionalen Verbundes stecke.

Ausbau
der Buslinien

Schließlich sei der Ausbau der Buslinien eine Aufgabe, die Stadt und Landkreis auf jeden Fall blieben, auch nach einem etwaigen Beitritt zum MVV. Dr. Bernd Rosenbusch gab dabei zu bedenken, dass ein „kleiner“, regionaler Verkehrsverbund die Bahnstrecken nicht enthalten könne, der Vorteil, nur noch ein Ticket zu benötigen, um zum Beispiel von Stephanskirchen nach München zu kommen, anstelle von derzeit dreien, sei damit dahin.

Und Abuzar Erdogan meinte bezüglich der Finanzfrage, dass die Stadt viele zusätzliche Einnahmen generieren könne, wenn es eine vernünftig geplante Parkraumbewirtschaftung gäbe: Allein über die rund 1000 Parkplätze auf der Loretowiese seien pro Jahr sicher zwischen 300000 und einer Million Euro zu erzielen, die man in einen öffentlichen Nahverkehr unter dem Dach des MVV stecken könne.

Nicht uninteressant für die Meinungsfindung der Gäste im Saal wie auf dem Podium war vielleicht auch ein Beitrag eines Wasserburger Bürgers, der zu Ende des Abends meinte, dass sich dort der öffentliche Nahverkehr seit dem Beitritt zum MVV drastisch verbessert habe. „Ein Ticket, Busse und Bahn die aufeinander abgestimmt sind – wenn man das erlebt, fragt man sich, warum man über einen Beitritt überhaupt noch diskutieren mag.“

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