Mini-Wohnungen für Rosenheim

von Redaktion

Wohnraum ist in Rosenheim knapp und teuer. An der Innstraße will die i-Live-Immobiliengruppe daher 174 Ein-Zimmer-Mikroapartments errichten. Deren Chef hat nun das Konzept vorgestellt. Auch Hühner spielen darin eine Rolle.

Rosenheim – Amos Engelhardt will Menschen eine Heimat geben. Einen Ort, an dem sie das Leben spüren können. „Für mich ist Rio so ein Ort“, sagt der i-Live-Chef. Weil er viel Zeit in Brasilien verbringe, habe ihn schon vor vielen Jahren das Wohnkonzept der „Condomínios“ begeistert. Dort hat jeder sein eigenes Apartment. Zusätzlich bieten die Gebäude große Gemeinschaftsflächen.

Mittlerweile hat Engelhardt dieses Konzept auch nach Deutschland und Österreich geholt. „Mit circa 220 Mitarbeitern haben wir an über 30 Standorten fast 6000 Apartments realisiert“, sagt der i-Live-Chef. Darunter auch in Aalen, Ingolstadt, Hamburg, Darmstadt – und demnächst in Rosenheim. „An Rosenheim sind wir schon lange dran“, sagt Engelhardt. Ursprünglich habe der Fokus auf dem Beilhack-Gelände gelegen, jetzt laufen die Planungen für die Innstraße 57 bis 59.

Junge Wohnform
am Immobilienmarkt

Die Flächen dort hat Helmut Rutterschmidt, der geschäftsführende Gesellschafter des Immobilienunternehmens HSHI-Gruppe, vor fünf Jahren gekauft. Vor drei Jahren hat er sich mit Tobias Tomczyk, Geschäftsführer der Herto-Gruppe, zusammengetan, um ein neues Konzept für diesen Standort zu entwickeln.

Geplant ist – in Zusammenarbeit mit dem Aalener Betreiber i Live – der Bau von 174 Mikroapartments. Dabei handelt es sich um eine relativ junge Wohnform am Immobilienmarkt, die vor allem in größeren Städten immer mehr gefragt ist. Die Wohnungen haben eine Größe von 20 bis zu 60 Quadratmetern, sind voll möbliert und für jede Altersgruppe geeignet.

„Menschen, die kurzfristig einen Wohnraum brauchen, sind bei uns genau richtig“, sagt Amos Engelhardt. Denn die Mietdauer ist grundsätzlich auf zwei Jahre befristet. Als Mieter an diesem Standort würden neben Klinikpersonal, wie Assistenzärzten, Kranken- und Schulschwestern auch Trainee-Personal und Facharbeiter von Rosenheimer Unternehmen sowie Studenten infrage kommen. Engelhardt zufolge würde dieser Mix das Leben in der Wohnanlage so besonders machen. Und nicht nur das.

Ähnlich wie in anderen Städten soll es auch in Rosenheim einen sogenannten Community-Manager geben, der als direkter Ansprechpartner vor Ort für die Bewohner da ist, Stadtführungen organisiert und dafür sorgt, dass unter den Mietern eine Gemeinschaft entsteht. „Wir vermieten nicht nur vier Wände, sondern wollen auch ein Lebensgefühl vermitteln“, sagt Amos Engelhardt.

Wartelisten und
volle Anlagen

Aus diesem Grund hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Umfragen unter den Bewohnern gegeben, um herauszufinden, wie diese leben wollen. „Wir wollten wissen, was sie bereit wären, mit der Gemeinschaft zu teilen, wie oft sie Homeoffice machen und welche Art von Beziehung sie zu den Menschen in ihrem Wohnquartier haben möchten“, erklärt der i- Live-CEO. Aus den rund 2000 Rückmeldungen sei ein neuer Maßstab entstanden, an dem sich Amos Engelhardt und sein Team orientieren.

So gibt es etwa Wohnanlagen mit einem Fußballplatz auf dem Dach, einer Eventküche, einem Urban-Gardening-Konzept und Hühnern und Bienen. „Nachhaltigkeit spielt bei den jungen Leuten eine große Rolle, und Tiere geben den Bewohnern ein gutes Gefühl“, sagt der i- Live-Mitgründer.

Dass das Konzept angenommen wird, belegt die Tatsache, dass es in den bereits bestehenden Anlagen kaum freie Plätze gibt. „Wir haben fast überall eine Warteliste“, sagt Engelhardt.

Nicht jeder kann sich Apartments leisten

Ähnliches prophezeit er für Rosenheim: „Die Apartments werden rappelvoll sein.“ Aber er macht auch kein Geheimnis daraus, dass sich die Wohnungen nicht jeder leisten kann. So liegen die Preise für die Wohnungen, die in Rosenheim angeboten werden sollen, zwischen 580 und 650 Euro – bei einer Größe von 21 bis 23 Quadratmeter. „Für ein WG-Zimmer bezahlt man zum Teil ja schon 450 Euro. Bei uns muss man sich weder Bad noch Küche teilen und hat ein hochwertig ausgestattetes Apartment, in dem es vom Mobiliar über einen TV bis hin zum Internet an nichts fehlt“, erklärt Amos Engelhardt.

Dass der Bedarf da ist, daran zweifelt auch Helmut Rutterschmidt von der HSHI-Gruppe nicht. „Wir haben in Rosenheim eine enorme Nachfrage an kleinen Wohnungen und Apartments“, bestätigt er.

Am morgigen Donnerstag soll in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses über das Vorhaben diskutiert werden. Beginn ist um 17 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rosenheimer Rathauses.

Pionier für „Mikro-Wohnen“

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