Zahnlücken und griechische Götter

von Redaktion

Sechstklässler begeistern Jury beim Lesewettbewerb in der Stadtbibliothek

Rosenheim – Lediglich drei Minuten haben die vier Mädchen und drei Buben Zeit, um die Jury zu überzeugen. Viel Zeit ist das nicht, um seine Vorlesequalitäten unter Beweis zu stellen. Und außerdem muss die Stelle, die die Kinder vorlesen, gut gewählt sein. Zum einen muss sie eben in den zeitlichen Rahmen passen, zum anderen muss sie ohne genaueren Kontext verständlich sein. Und dann ist da ja auch noch Jury und Publikum, das würde schon bei so manchem Profi für Lampenfieber sorgen.

Echte Expertin
in der Jury

Aber Rosenheims Sechstklässler schlugen sich am vergangenen Montag ausgesprochen gut beim Regionalentscheid des 64. Vorlesewettbewerbs in der Stadtbibliothek. Das zeigt jedenfalls der Blick in die Bewertungsbögen der Jury, in der mit der Vorjahressiegerin Saanvi Madishetty eine echte Expertin saß. Ansonsten waren Christian Höschler (Leiter des Stadtarchivs), Sophia Heiß von der Buchhandlung Beer, Sebastian Brons von der Stadtbibliothek und OVB-Reporter Thomas Stöppler als Juroren vertreten.

Die Schüler hatten sich bereits in ihren Schulen durchgesetzt und machten allesamt eine gute Figur. Der Gewinner kommt nun in den Kreisentscheid, dann in den Landesentscheid und von da geht es nach Berlin. Zu gewinnen gibt es vor allem Ehre und Anerkennung – auch wenn ein dreitägiger Aufenthalt in der Bundeshauptstadt und ein Büchergutschein natürlich nicht zu verachten sind. Der Wettbewerb wird seit 1959 jedes Jahr von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und kulturellen Einrichtungen veranstaltet. Rund 600000 Schüler beteiligen sich jedes Jahr.

Die Rosenheimer Schulsieger hatten ihre Texte vor allem aus zeitgenössischer Jugendliteratur mit Fantasy Einschlag ausgewählt. Helen Busch (Karolinengymnasium) hauchte den Figuren in Rick Riordans „Percy Jackson“ viel Leben ein, Bernhard Gerber (Johann-Rieder-Realschule) ließ die vierbeinigen Protagonisten in Erin Hunters „Survivor Dogs“ sprechen, Johanna Kaffl (Städtische Realschule für Mädchen) las eine dramatische Szene aus „Serafina Black“ von Robert Beatty, Taeb Shekhani ließ Dämonen und den Sohn des Leibhaftigen auf eine Schulklasse los (Luzifer Junior – Ein Dämon im Klassenzimmer von Jochen Till), mit Celine Röck (Mittelschule am Luitpold Park) tauchte mit Meerjungfrauen in Unterwasserwelten (Liz Kessler, Emilys Geheimnis) und Florin-Christian Czompi ließ einen jungen Sherlock Holmes (Andrew Lane) erste Deduktionen vornehmen. Sophie Eickmann vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium erzählte von einer pummeligen Fee, die so gar nicht in das Klischee einer Zahnfee passen wollte (Luis und Lena – Die Zahnlücke des Grauens von Thomas Winkler).

Lust auf
Bücher gemacht

Alle Vorleser schafften bei ihrem Vortrag, dem Publikum Lust auf mehr zu machen, sodass die drei Minuten beim Hören arg kurz wirkten. Auch bei der zweiten Runde – bei der die Schüler einen Fremdtext lesen mussten – konnten alle überzeugen. Aber wie Bettina Sölch von der Stadtbibliothek erklärte, könne leider nur einer gewinnen. Die Jury kürte Sophie Eickmann zur Siegerin. Eine Urkunde und ein Buch gab es allerdings für jeden Teilnehmer – für Sophie Eickmann als Siegerin gab es noch eins mehr. Sie wird Rosenheim nun beim Bezirksentscheid im Frühjahr vertreten.

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