Rosenheim – Jugendliche beim Lernen unterstützen, mit ihnen gemeinsam wachsen und Erfolge feiern. Dieser Aufgabe geht Birgit Dinkelacker seit mittlerweile vier Jahren ehrenamtlich nach. Denn sie ist Teil des Qualipaten-Projekts, das vom Rosenheimer Verein Pro Arbeit getragen wird. „Wir Qualipaten unterstützen Rosenheimer Mittelschüler von der siebten Klasse bis zum Schulabschluss und manche sogar darüber hinaus”, erklärt die 56-Jährige. Zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie den „Lehrgang zum ehrenamtlichen Qualipaten“, der von Pro Arbeit angeboten wird, absolviert und begleitet aktuell ihren dritten Schüler durch die aufregende Zeit bis zum Schulabschluss.
Jugendlichen
eine Chance geben
Ihre Aufgaben, so Dinkelacker, sind je nach Schüler anders. „Wir wollen den Jugendlichen vor allem beibringen, wie sie selbstständig lernen können. Und sie sollen begreifen, dass Schule für sie selbst wichtig ist.” Oft nehmen an dem Projekt Jugendliche teil, deren Eltern berufstätig sind oder einen Migrationshintergrund haben. „Viele sind in ihrer aktuellen Situation ein bisschen orientierungslos und kennen das System auch nicht so gut”, erzählt Dinkelacker. Durch das Qualipaten-Projekt bekommen diese Jugendlichen eine Chance, trotzdem in der Gesellschaft Fuß zu fassen.
Leicht ist es für sie aber nicht immer, wie sie selbst erzählt. „Die Jugendlichen sind häufig sehr spontan. Das bin ich persönlich nicht. Schwierig wird es vor allem, wenn wir einen Termin ausmachen und sie kurzfristig absagen oder nicht erscheinen.” Da werde dann schon mal diskutiert, sagt Dinkelacker. Schließlich nehme sie sich auch extra Zeit für ihre Schützlinge. In der Woche kommt sie durchschnittlich auf eine Stunde, die sie mit ihrem Schüler verbringt. „Das kommt aber ganz darauf an, was ansteht”, fügt sie hinzu, „wenn es um umfangreiche Themen, wie die Berufswahl geht, werden es schon auch mal vier Stunden.”
Aber das sei es ihr wert, vor allem, wenn die Schüler zum Schluss stolz und auch überrascht sind, dass sie es tatsächlich geschafft und ihr Ziel erreicht haben. „Es ist sehr schön, zu sehen, wenn sie etwas finden, das ihnen Spaß macht”, erzählt Dinkelacker, „Das ist wirklich eine tolle Aufgabe, aus der man viel mitnehmen kann.”
Ewald Fischer ist auch schon etwa vier Jahre dabei und begleitet aktuell seinen fünften Jugendlichen. „Wir haben immer nur einen Schüler und unterstützen diesen dann über ein oder zwei Jahre hinweg“, erklärt er. Das komme immer darauf an, in welcher Klasse die Schüler sich für das Projekt anmelden.
Fischer möchte die Jugendlichen vor allem bei der Persönlichkeitsbildung unterstützen und Motivation bringen. „Wir geben keine Nachhilfe. Wir sind eher eine Art Randbegleitung und versuchen die Schwächen der Schüler mit ihnen zusammen auszugleichen und ihre Stärken zu stärken“, sagt der 66-Jährige. Wenn beispielsweise Plan A für die Jugendlichen nicht funktioniert, versuche er, ihnen den Blick für andere, neue Wege zu öffnen.
Als Fischer seine Tätigkeit als Qualipate zum ersten Mal aufgenommen hat, war er noch berufstätig. Mittlerweile ist er in Rente, hat aber die Lust an seiner ehrenamtlichen Aufgabe nicht verloren. Im Gegenteil: „Mir macht es großen Spaß, den jungen Leuten zu helfen. Der Austausch ist wirklich toll und wir können auch viel von ihnen lernen, vor allem was moderne Technik angeht“, erklärt er.
Einmal habe Fischer seine Aufgabe aber schon abbrechen müssen. „Ich habe damals gemerkt, dass der Schüler keine Motivation hatte, etwas zu lernen. Dann macht das aber auch irgendwie keinen Sinn.“ Ansonsten habe er bis jetzt aber nur positive Erfahrungen gemacht. „Bis auf eine Ausnahme waren alle Schüler, die ich kennengelernt und unterstützt habe, motiviert, etwas zu erreichen.“
Potenzielle Qualipaten müssen keine besonderen schulischen Abschlüsse haben, wie Fischer erklärt. „Man muss sich nur ein bisschen in die Themen einlesen. Aber prinzipiell geht es nicht darum, Nachhilfe zu geben.“ Für die Aufgabe als Qualipate gilt es, Motivation und Durchhaltevermögen mitzubringen. Im Vordergrund stehe aber der Spaß an der Arbeit und dem Umgang mit Jugendlichen.
Rosenheimer Verein ist Träger des Projekts
Der Verein Pro Arbeit Rosenheim, der das Projekt „Qualipaten“ auf die Beine gestellt hat, ist immer auf der Suche nach neuen Qualipaten, die die Rosenheimer Mittelschüler unterstützen können. Deshalb startet für alle Interessierten am 7. März ein kostenloser „Lehrgang zum ehrenamtlichen Qualipaten“, bei dem abschließend ein Zertifikat ausgestellt wird.
Der Lehrgang besteht aus drei Modulen, die auch einzeln besucht werden können und die Teilnehmer auf die Tätigkeit vorbereiten. Eine Anmeldung ist noch bis zum 6. März unter 08031/ 8069636 oder per Mail an katrin.halden-spindler@pro-arbeit-rosenheim.de möglich. Zusätzlich gibt es einmal monatlich eine „Infostunde Qualipaten“ an der VHS Rosenheim.