Die Mobilität der Metropolregion im Fokus

von Redaktion

Konzept der internationalen Bauausstellung von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorgestellt

Rosenheim – „Es herrschte Schwung in der Stadt, eine Art Aufbruchsgefühl“ – so erinnern sich viele an die Landesgartenschau 2010. Eine Stimmung, die schon in der Vorbereitungszeit nicht nur Bürger erfasste, sondern auch die Verwaltung: „Die Gartenschau“, so erinnerte sich 2020 der damalige Stadtplanungsdezernent Helmut Cybulska, „war ein gemeinsames Ziel, das Ideen, Personen und Finanzen bündelte und über das normale Verwaltungshandeln hinaushob“.

Internationale
Bauausstellung

Eine Stimmungslage, die sich in der ganzen Region wiederholen könnte, meint Christine Degenhart, denn die Metropolregion München plant eine internationale Bauausstellung. Christine Degenhart war mit diesem Vorhaben früh in Berührung gekommen, noch in ihrer Funktion als Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, und von der Idee von Anfang an begeistert. Deshalb organisierte sie nun einen Informationsabend, auf dem das Projekt Entscheidungsträgern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vorgestellt wurde.

Die Referenten des Abends waren Karla Schilde, Baudirektorin im Planungsreferat der Landeshauptstadt, und Wolfgang Wittmann, Geschäftsführer der Metropolregion München.

Internationale Bauausstellungen haben eine lange, über 100-jährige Tradition und waren in den ersten Jahrzehnten tatsächlich Ausstellungen im engeren Wortsinn, erläuterte Karla Schilde: Orte, an denen gebündelt beispielhaftes modernes Bauen zu sehen war, wie etwa im Jahr 1927 die Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Mit der Zeit aber verschob sich der Schwerpunkt immer mehr vom rein Materiellen zum Ideellen: Die Bauausstellungen als Ideenpool, in deren Vorbereitungszeit Visionen entwickelt wurden – tatsächlich wird hier der Weg als Ziel gesehen.

Bei Visionen allein aber bleibt es bei den Bauausstellungen nicht, wie unter anderem die IBA Emscher Park aus dem Jahr 1999 zeigt: Die Umgestaltung des zentralen Ruhrgebietes von einer in Auflösung begriffenen Industrieregion zu einem im doppelten Wortsinn blühenden Landschaftspark ist ein Wandel, den man vor der IBA als irrationalen Wunschtraum abgetan hätte. Der sich aber als wesentlichen Erfolg der Bauausstellung herausgestellt hat.

Bei der geplanten IBA der Europäischen Metropolregion München geht es um ein noch größeres Ziel, um das Denken und Verwirklichen der Mobilität von morgen. Demgemäß ist diese IBA nicht nur die erste in Bayern, sondern auch die mit dem bislang größten Flächenumgriff. Es geht, das wurde an dem Informationsabend immer wieder deutlich, nicht nur um München und sein näheres Umfeld, sondern tatsächlich um die ganze Metropolregion, die eigentlich ganz Südbayern umfasst.

Die Stadt Rosenheim als Oberzentrum in der Region 18 wäre für die IBA deshalb ein ganz zentraler Player, stellten die beiden Referenten und auch Moderatorin Christine Degenhart einhellig fest, weshalb es wünschenswert wäre, dass sich die Stadt als Gesellschafter in die IBA mit einbringt. Eine entscheidende Rolle, die aber nur dann ausgefüllt werden kann, wenn es tatsächlich gelingt, das Projekt in die Breite zu tragen: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem auch die Bürger und das Ehrenamt müssen gleichermaßen in die Ideensuche und -verwirklichung eingebunden werden, die sich über zehn Jahre erstrecken soll.

Für Christine Degenhart geht es, wie sie an dem Abend sagte, um nicht weniger als darum, gemeinsam Neues zu wagen, in Sachen Mobilität das bislang noch nie Gedachte zu denken, offen zu sein auch für Ideenansätze, die zunächst verrückt und nicht verwirklichbar erscheinen. Das mögliche Themenfeld reicht dabei weit, denn es geht nicht nur um Mobilität im klassischen Sinn, also die Fortbewegung von Menschen, sondern auch um Warentransport und noch weiter gehend um die Vernetzung von Ideen und geistiger Leistung. Und es kann auch um Nicht-Mobilität gehen, um Anreize in der Stadtplanung, Mobilitätsbedürfnisse- und -zwänge grundsätzlich zu reduzieren.

Großes Interesse
an Infoveranstaltung

Der Veranstaltungsabend für diesen Weg, an dessen frühem Beginn man derzeit steht, war ein durchaus großer Erfolg, wie Christine Degenhart feststellte. Sie sei glücklich darüber gewesen, dass es gelungen sei, so viele entscheidende Köpfe anzusprechen. Es waren nicht nur Vertreter aller Stadtratsfraktionen da, auch Doris Lackerbauer, Leiterin des staatlichen Bauamtes, zahlreiche Architekten, viele Wirtschaftsvertreter und von der Wissenschaft unter anderem Hochschul-Präsident Professor Heinrich Köster. Sie alle zeigten sich von der kommenden IBA durchaus angetan. In eine breitere Öffentlichkeit wird man dann gehen, sobald die jetzige Phase abgeschlossen sein wird, in der sich die zukünftigen Gesellschafter der IBA – Städte und Landkreise – zusammenfinden.

Johannes Thomae

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