„Wer es wirklich will, scheitert nicht“

von Redaktion

Interview Netzwerkgründerin Maria Berndlmaier über die Selbstständigkeit von Frauen

Rosenheim – Frauen in ihrer Selbstständigkeit unterstützen und Orientierung bieten, wenn Frau den großen Schritt wagt, das hat sich Maria Berndlmaier zur Aufgabe gemacht und vor knapp drei Jahren ihren eigenen Verein „FrauenFAIRbandelt“ gegründet. Morgen, Mittwoch, kommt Berndlmaier nach Rosenheim, um im Kultur- und Kongress-Zentrum einen Frauenkongress zu veranstalten. Nun erzählt sie, was sie persönlich motiviert und was die Selbstständigkeit von Frauen so besonders macht.

Sie sind seit zwei Jahren selbstständig. Wie haben Sie den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft?

Es kommt so sehr auf das Umfeld an, in dem wir uns bewegen – unser Umfeld können wir aber auch einfach wählen und verändern. Die Erkenntnis: Man darf sich helfen lassen und man darf auch mal nicht perfekt sein – dies hat nichts mit Scheitern zu tun, sondern mit gesundem Egoismus. Dafür stehe ich seitdem. Während Corona gründete ich dann den Verein und durch die Onlineportale eröffneten sich mir viel mehr Möglichkeiten, mich bekannt zu machen und mehr Reichweite zu bekommen.

Was hat Sie dazu motiviert, sich selbstständig zu machen?

Als es bei meinem Arbeitgeber viele Veränderungen gab, ich meine Position als Marketingleiterin verlor, immer mehr zu einer Nummer im Betrieb wurde und dann letztendlich gesundheitliche Beschwerden dazu kamen, wusste ich: Es ist Zeit zu gehen. Mein Gedanke war: Ich bin jetzt 58 Jahre und ich möchte meine wertvollen Jahre, die sind es inzwischen geworden, nicht einfach aussitzen bis die Rente kommt, dafür bin ich zu umtriebig und lebe zu gerne und möchte das Leben aktiv gestalten. Meine Kinder sind groß und außer Haus, ich bin für mich allein verantwortlich, warum dann nicht mal noch etwas ausprobieren, noch einmal richtig Gas geben?

Was müssen Frauen mitbringen, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu schaffen?

Mut und Selbstvertrauen und die Gewissheit, dass dieser Schritt der richtige ist. Der Irrglaube zu meinen, in die Selbstständigkeit zu starten, damit man mehr Freizeit hat, ganz selbstbestimmt ist und für viel Geld wenig arbeiten muss, wird jedem schnell genommen. Frau startet euphorisch, voller Tatendrang und dann muss man wissen: Es kommt eine Zeit des Bewusstwerdens, dass die Sicherheit des Arbeitgebers nicht mehr da ist, Krankheitstage in der Regel nicht bezahlt werden, Eigeninitiative gefragt ist und und und… Wenn diese Phase der Unsicherheit vorüber ist und eine unternehmerische Persönlichkeit in dir wächst, dann macht es so richtig, richtig Spaß! Und was ist letztendlich schon sicher?

Warum scheitern viele Frauen mit ihrer Selbstständigkeit?

Ich glaube nicht, dass viele Frauen scheitern. Ich denke, sie haben sich in die Selbstständigkeit gewagt und dann gab es Ereignisse, die sie anders entscheiden ließen. Oder ihre Geduld hat nicht gereicht. Ganz ehrlich, wer es wirklich will und dranbleibt, scheitert nicht. Es gibt aber viele Stolpersteine, die Erfolgs-Verhinderer sein können. Zum einen die Fragen: Warum man nach einem Jahr Selbstständigkeit noch nicht reich ist? Warum man viel mehr arbeitet als gedacht? Sich nicht traut, in die Sichtbarkeit zu gehen, Existenzängste… Wie vorher schon beschrieben, da muss man durch, das nennt man Wachstum und das Entwickeln einer UnternehmerInnen-Persönlichkeit.

Was macht Ihr Verein und was zeichnet ihn besonders aus? Wie unterstützen Sie Frauen mit Ihrem Verein?

Wir sind zuerst mal richtig bayrisch, mit Tradition und Werten, unserer Sprache und wir sind ein bunter Strauß aus vielen verschiedenen Frauen, vor allem aus den ländlichen Bereichen. Bei uns ist die Bäuerin genau so herzlich willkommen, wie eine Unternehmerin mit 100 Angestellten. Das Schöne ist, dass alle voneinander lernen und sich ermutigen lassen. Und die Gewissheit – ich bin nicht allein! Hier wird Business gemacht. Wir begleiten Frauen in die Sichtbarkeit!

Außerdem ist der soziale Aspekt in unserem Verein zu finden. Wir unterstützen Einrichtungen in unserem Netzwerk und auch Frauen, die vorwärtsstreben, wenn der Geldbeutel es gerade noch nicht so zulässt. Sichtbar werden sie durch unsere Veranstaltungen, ob auf der Bühne, als Ausstellerin oder als Gast, und das inzwischen in Städten von Bayern.

Was würden Sie Frauen raten, die sich selbstständig machen wollen?

Ehrlich zu sich zu sein. Geduld haben und Entscheidungen überdenken. Sich nicht allein in die Selbstständigkeit zu wagen. Es braucht zuerst einen Navigator, der wir sehr gerne sind und eine Mentorin an der Seite ist heutzutage unverzichtbar. Unser Spruch: „Willst du schnell gehen, dann geh alleine! Willst du weit gehen, dann geh gemeinsam!“

Interview: Magdalena Aberle

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