In ist, wer drin ist: Daniela Ludwig (links) und Rosenheims Oberbürgermeister (rechts) scheinen ihre Auftritte in Peter Kirmairs Fastenpredigt gefallen zu haben.
Rosenheim – Festgeklebt hat man sich angeblich früher schon. Man goss Starkbier auf die Sitzbank. Und wenn beim Aufstehen der Mannsbilder die Bank an den ledernen Hosenböden kleben blieb, dann wusste man: Es ist wahrlich stark, das Bier.
Geklebt wurde auch bei der Starkbier-Probe 2023 in der Auerbräu-Festhalle: Ein Trio der „aller-, allerletzten Generation“ (O-Ton Peter Kirmair) hatte sich mit Panzerband an der Bühne befestigt. Quasi als satirische Mahner zu allem und nichts. Tatsächlich, das Bier war stark. Und stark war der Auftritt von Fastenprediger Peter Kirmair. Drei Jahre Corona-Pause – und gestern, am Freitag, endlich das Comeback: Peter Kirmair genoss es sichtlich und hörbar. Vor voll besetzten Tischen las der Lokalmatador der Bundespolitik (ein wenig) und der lokalen Politik (vor allem) die Leviten – launig, derb und witzig.
Eine gelungene Rückkehr des Peter Kirmair, dem das Weltgeschehen und die Rosenheimer Jahreschronik reihenweise Steilvorlagen zugespielt hatten. Wo käme man ansonsten auf den Gedanken, pünktlich zum Ableben der Queen ein Feuerwerk abzubrennen? Und wo sonst treiben Pläne des Wirtschaftsdezernenten dem Oberbürgermeister die Blässe ins Gesicht? Den Gästen gefiel es, sie spendeten stehend Applaus.
Die Höhepunkte
der Fastenpredigt
Freundliche Begrüßung: „Vui neie Gsichter da drunt, ned unbedingt scheener ohne Masken.“
Zu Markus Söders Verlängerungsplänen: „As Windfandl hod ja a no gsagt, er wäre entgegen seiner früheren Meinung, übrigens völlig überraschend, bereit, dann no a dritte Amtszeit, oiso zehn plus, zu machen. Do is mia glei schlecht wordn. Des is ja fast so, ois wia da Herr Bugl sogn dat, er macht no weida. Oh, jetzt ist der Herr März ganz blass wordn.“
Zum „Corona-Hotspot“ Inntalhalle: „Ned, dass dann wieda wia vor drei Jahr von dieser Halle wos ausgeht, wos sich weltumgreifend nimmer aufhoitn losst. (…) Aba in den Schlagzeilen warn mia hoid überoi, Spiegel, Bild, FAZ, und i bin sogar in der Financial Times erwähnt wordn, i, da Gaudibursch vom Auerbräu, wia da Döser senior moi gsogt hod.“
Zum Blockabfertigungsstreit: „Unsere Geheimwaffe aus Niederbayern, die Schneekanone Aiwanger, und da Mattle haben sich troffa und festgestellt… einer Meinung zu sein.“
Zum Protest der Kommunen in der Flüchtlingskrise: „De bayerischen Bürgermoasta ham deswegn doch schon Anfang des Jahres Brandbriefe nach Berlin zur Faeser Nancy gschickt. Do warn unsere Landkreisbürgermoasta samt Rosenheimer Oberwichtigen danoch scho wiefer, de san zu fünfazwanzigst gebündelt glei direkt nach Berlin auffe. Allerdings ned ins Bundesinnenministerium eini, sondern direkt in den bayerischen Biergarten auf der Grünen Woch‘, zum Freibiergipfel.“
Zum Amtsantritt von Oberbürgermeister März: „Haben Sie sich guad eigarbat in Ihren Traumjob? Obwoi i am Anfang gmoant hob eahna Frau war de Bürgermoasterin, ja, so wia de überoi unterwegs war in de Medien und so. Aber jetzt ham‘s endgültig übernomma, stimmt‘s? Feindliche Übernahme dahoam.“
Zu Landrat Otto Lederer: „Treue, treuer Blick – den hat unser Landrat, da Otto – unverbindlich. Na, des is der wirklich oiwei no. Der is parteiübergreifend überoi, mit Trachtensakko, und wo‘s was zum Essen gibt.“
Zum Gendern und zu Sprachvorschriften: „Und des Gendern is ein ganz ganz großes Problem. I mach des fei ned, obs a paar do drunt passt oda a ned. Weil Boarisch gredt is Gendern gnua! Und mein Winnetou hams in da Reißn, an Hawaiitoast, des Zigeinerschnitzl. Und de Heiligen Drei König san jetzt de Weißen ausm Morgenland und zu zwoat, weil der Dritte nimma geschminkt werdn derf.“
Zur Energiekrise und Vizekanzler Habeck: „Kafft unt bei de Scheichs Gas, bei de Amis Fracking-Gas und schoit Atomkraftwerke aus. Dafür kaff ma dann den Strom saudeier aus Frankreich und da Tschechei, weil do de AKWs ja vui sicherer und a weit gnua weg san.“
Zur CSU und ihren Verkehrsministern: „Frau Ludwig, Sie ham ja wos ganz wos Hartes von sich lossn (…), dass Sie einen bayerischen Verkehrsminister schmerzlich vermissen. Geht‘s no? Oiso, diese Schmerzn konn i locker aushoitn, no dazua, wos eh koane Medikamente mehr gibt. Warn mia ned lang gnua gstraft mitn Ramses, Dobrindt und mitm Maut-Andi?“
Zum Wirtschaftlichen Verband und dem Herbstfest: „Habts ihr mit de Engländer koane Probleme kriagt? I moan, weil grod wia de Queen gestorben is, habts ihr Minuten später des Herbstfest-Freuden-Feierwerk obgeschossn.“
Kirmair über Oberaudorfs Bürgermeister: „Herr Professor Dr. Bernhardt, Wahnsinn, a Voi-akademiker ois Bürgermoasta in Oberaudorf. Heift des, und braucht‘s des, diese Überqualifizierung?“
Zum „Windpark Rosenheim“ und warum das im Inntal nicht klappt: „Herr Gruber, Sie machen a ned mit bei meim Projekt, oda? Sie ham ja koan übrigen Wind dafür. Ja, weil der Erler Wind fangt erst hinter da Gmoa zum blosn o. Muaß ma wissn, dass durch de Kiefer ned moi da Wind durchmog.“
Und auch in Samerberg nicht: „Da Huaba verlangt ja scho für a Auto am Dog fünf Euro Parkgebühr, nur damit er de lästign Besucher abhoit von seinem teuern Wanderparadies. Da mächt i gar ned wissen, wos i dann für den Standplatz für meine Anlagen löhnen muaß.“
Über Lokalpolitiker und Fasching: „Herr Lederwascher, Sie oida Cowboy, Sie John-Wayne-Verschnitt ausm Flintsbacher Apachen-Pub.“
Zu Neu-Mitgliedern bei der SPD: „Durch die Bezahlung einer Ablösesumme von fünf Kasten Bier hams de Krüger Ricarda von „Der Partei“ losgeeist, beziehungsweise freigsuffa.“
Zum Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner: „Sie dort drunt wundern sich wahrscheinlich, warum da Stöttner Klause de ganzen Jahre meine Frechheiten oiwei so stoisch hignumma hod. I sog‘s eahna – i hob meine ganzen Versicherungen bei eam ghabt.“
Zum möglichen Nachfolger Sebastian Friesinger: „Belastbar sans ja, wenn i denk, seit wiavui Jahr Sie überoi do san wo da Hund mitn Schwanz wedelt, beziehungsweise der Bürger mitn Wahlzettel. Schau ma moi, wos des werd mit uns zwoa. I gfrei mi, und das ist eine echte Drohung.“
… und zum CSU-Landtagskandidaten Daniel Artmann: „Grüß Gott, Herr Junior-Ministerpräsident.“