„Das kann man nicht mehr toppen“

von Redaktion

Interview Rosenheimer Thomas Vogl wandert 4265 Kilometer am Pazifik entlang

Rosenheim – Fünf Nächte hat Thomas Vogl auf seinem Weg in Betten geschlafen. Den gesamten Rest – immerhin 118 Tage auf dem Pacific Crest Trail von San Diego in Kalifornien nach Kanada in der freien Natur. Mit den OVB-Heimatzeitungen hat er über die größten Herausforderungen gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich auf die Wanderung zu begeben?

Das ist die härteste Frage und die, auf die ich am wenigsten Antworten habe. Irgendwann vor zehn bis 15 Jahren habe ich mal von diesem Trail gehört, weiß nicht wo. Und ab da hatte ich dann im Hinterkopf: „Das möchte ich irgendwann mal machen!” Es schlummerte erst mal zehn Jahre im Verborgenen, war aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich und dann, irgendwann 2018, passte plötzlich alles, und ich dachte mir: „Jetzt nehme ich es in Angriff!”

Wie plant man so eine Wanderung?

Zunächst mal mit jahrelanger Recherche. Facebook ist da eine ganz große Hilfe, aber es gibt auch einschlägige Webseiten, auf denen man sich informieren kann. Es gibt eine Seite von der PCTA – Pacific Crest Trail Association, die ausgiebig Informationen zur Verfügung stellt. Es gibt auch regelmäßige Stammtische, wo sich dann ehemalige und zukünftige Wanderer treffen. In der Regel finden die Treffen in München statt, jedoch gibt es Standorte in ganz Deutschland.

Wie lange waren Sie unterwegs und wie verlief die Reise?

Ich bin vier Monate gewandert. Der Hinflug: Ich bin von Seattle weiter nach San Diego geflogen, da sich in der Nähe auch der Startpunkt befindet.

Muss man für die Wanderung besonders fit sein?

Die Fitness kommt beim Gehen. „Train as you go!”, sag ich mal. Man verbraucht am Tag rund 6000 Kalorien und die muss man auch irgendwie, zumindest annähernd, wieder reinschaufeln.

Wenn sich die Möglichkeit, an einem Restaurant, an einem Schnellimbiss, in einer Tankstelle mal bietet, dann nimmt man das natürlich mit. Ansonsten gibt es Proteinriegel und sonst Fertiggerichte, Trockengerichte oder Trockensuppen.

Sind viele Wanderer

unterwegs?

Insgesamt sind da schon viele Leute unterwegs.

Es ist jedoch reglementiert: erlaubt sind 50 Starter pro Tag, um den Trail zu schützen, damit da nicht auf einmal tausend Leute am Tag über dieselbe Strecke laufen. Und um das zusätzlich ein bisschen zu entzerren, gibt es ein Zeitfenster: 1. März bis zum 31. Mai pro Tag 50 Startickets. Die Startickets gibt es im November des Vorjahres.

Wie lange hat man Zeit für diese Wanderung?

Technisch limitiert ist es mit sechs Monaten, weil das Visum auf sechs Monate begrenzt ist. Ansonsten gibt es noch eine gewisse Limitierung durch die Strecke und die Jahreszeit. Man ist schon ein wenig unter Zeitdruck, also sollte man in fünf Monaten eigentlich schon durch sein. 

Was haben Sie für die Reise an Klamotten eingepackt?

Alles was ich an Klamotten dabei hatte war eine Daunenjacke, ein Longshirt, ein kurzes T-Shirt, eine lange Hose und eine kurze Hose, zwei Unterhosen und zwei Paar Socken.

Man muss natürlich unterwegs Wäsche waschen. Die Sachen sind staubig und verschwitzt, also entweder einmal durchs Wasser ziehen oder einfach in einem Gebirgsbach auswaschen. Ansonsten ist man alle paar Wochen in der Ortschaft, da gibt es auch Waschsalons.

Welche Empfehlungen und Tipps können Sie an die Leser weitergeben, die vielleicht auch mit dem Gedanken spielen, ihr eigenes großes Abenteuer zu planen?

Es ist total schwierig, weil es zu einem sehr individuell, sprich es ist abhängig davon, was einem taugt und was einem nicht taugt, und zum anderen ist es jedes Jahr anders. Je nach Wetterlage müssen auch die Ausrüstung und das Zeitmanagement anders sein. Es gibt keine allgemein gültigen Tipps.

Würden Sie die Wanderung immer wieder gerne machen und auch anderen empfehlen, sich das vorzunehmen?

Teilweise. Ich würde es nicht mehr machen. Nicht, weil es mir nicht gefallen hat, sondern, weil es so schön war. Ich bin der Meinung, das kann man nicht mehr toppen.

Wer das wirklich will, soll das wirklich gerne machen, aber soll sich bitte im Vorhinein wirklich ausgiebig informieren, was einen erwartet und was man erwarten kann.

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