„Ich bin ein alter Kastenauer“

von Redaktion

Adolf Weber aus Rosenheim wird 85 – mit Volksmusik, Schlager und Walgesang

Rosenheim – Die Sonne scheint in die Wohnung mit den großzügigen Fenstern, aus den Lautsprechern des CD-Players tönen leise die „Amigos“. Auf dem Esszimmertisch sind die zahlreichen Teile eines Puzzles verteilt. Der 85-jährige Adolf Weber sitzt am Tisch und pfeift munter vor sich hin.

Am 14. März hat er seinen 85. Geburtstag gefeiert, zusammen mit einigen Gästen und natürlich mit Kaffee und Kuchen. Einen Tag später stattet ihm auch noch Irmgard Oppenrieder vom Rosenheimer Seniorenbeirat einen Besuch ab. „Ich habe auch ein paar Geschenke für dich“, sagt Oppenrieder und liest ihm die Karte vor, die Weber vom Rosenheimer Oberbürgermeister Andreas März bekommen hat. Dazu gibt es ein kleines Büchlein mit dem Titel „Rosenheimer samma!“

Vom Musikliebhaber
zum DJ für Senioren

Der Buchtitel passt, denn ein Rosenheimer ist der heute 85-Jährige schon immer. „Ich bin ein alter Kastenauer“, sagt er über sich selbst. Geboren am 14. März 1938, ist er in Rosenheim aufgewachsen und seit jeher in der Stadt zu Hause. Mittlerweile lebt er mit seiner Nichte Elisabeth Weide zusammen, die sich gerne und viel um ihn kümmert. Sie war auch früher schon immer dabei, wenn Weber und seine Freunde als Kinder Räuber und Gendarm gespielt haben. Heute sei Weber nicht mehr ganz so mobil und flink wie als Kind, aber trotzdem noch fast jeden Tag draußen unterwegs. „Wir machen immer zusammen unsere Spaziergänge“, erzählt seine Nichte.

Die beiden Rosenheimer mögen ihre Heimatstadt sehr. Sie hätten es aber auch schön hier, vor allem mit dem Mangfalldamm, wie sie selbst sagen.

Elisabeth Weide hält ihren Onkel ganz schön auf Trab. „Wir spielen sogar manchmal ein bisschen Fußball im Wohnzimmer, damit wir beweglich bleiben“, erzählt die Rosenheimerin. Sie selbst ist mittlerweile 75 Jahre alt, geht aber trotzdem noch gerne in die Berge. Dann verbringe Adolf Weber den Tag in der Tagespflege, wo er sich auch schon selbst zum Discjockey ernannt und Musik für ihn und die anderen Senioren aufgelegt hat.

Musik bedeutet Weber sehr viel. Er spiele zwar selbst kein Instrument und singe auch nicht, dafür pfeife er aber umso mehr. Ob zu Hansi Hinterseer, zu den „Amigos“, zu Volksmusik oder zu Schlagern, sei egal. Abends beim täglichen „Mensch ärgere dich nicht“ mit Elisabeth Weide liefen dann auch mal Walgesänge zum Entspannen. Beim „Menschi“, wie die beiden es nennen, schummle der 85-Jährige wohl auch ganz gerne, wie Weide erzählt. Auf ihren Onkel lasse sie trotzdem nichts kommen. „Wenn dem Adi jemand querkommt, werde ich sauer“, betont sie.

Heute sind es Puzzles und „Mensch ärgere dich nicht“, früher seien es andere Spielzeuge gewesen, mit denen der 85-Jährige sich beschäftigt hat. Denn Weber hat viele Jahre in den Wendelstein Werkstätten als Schreiner gearbeitet und dort unter anderem Puppenwägen abgeschliffen, wie er selbst stolz erzählt.

Reise an den
Gardasee geplant

Mittlerweile ist der Rand des Puzzles schon fertig gebaut. „Jetzt geht es ans Innenleben“, erklärt Weide und beginnt zusammen mit Weber die Teile aufs Neue zu sortieren. Am Ende soll das fertige Bild viele verschiedene Fische und das Meer zeigen. Am Meer waren Weide und Weber auch schon mal zusammen. Genauer gesagt an der Ostsee. Und auch den Gardasee haben sie schon gemeinsam besucht.

„Der Rosenheimer Seniorenbeirat organisiert alle zwei Jahre eine Fahrt an den Gardasee“, erklärt Irmgard Oppenrieder. Auch für nächstes Jahr sei wieder eine Fahrt nach Lazise geplant. „Da wollen wir auch auf jeden Fall nochmal mit.“ Da sind sich Nichte und Onkel einig.

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