Rosenheim – Rund 2430 Unternehmen gibt es in Rosenheim. Darunter einige große im Bereich der Lebensmittelindustrie, und die meisten zahlen ihren Mitarbeitern keine Inflationsprämie. Das jedenfalls sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die Beschäftigte aus Gastronomie und Lebensmittelindustrie vertritt. „In Rosenheim machen viele Chefs einen großen Bogen um die Inflationsausgleichsprämie. Und das geht quer durch alle Branchen: von Metzgereien über Hotels bis zu Lebensmittelbetrieben“, sagt Manuel Halbmeier, Geschäftsführer der NGG Rosenheim.
Bis zu 3000 Euro
steuerfrei
9,7 Prozent beträgt die Inflation im Januar gegenüber dem Vorjahr. Damit fehlen den meisten Menschen rund 10 Prozent ihres Haushaltseinkommens. Um das aufzufangen, ohne gleichzeitig die Inflation zu befeuern, hatte die Bundesregierung im Oktober vergangenen Jahres eine Inflationsprämie auf den Weg gebracht. Bis zu 3000 Euro als Einmalzahlung konnten Arbeitnehmer von ihren Firmen erhalten, ohne dass der Fiskus seine Hand in die Geldbörse steckt. Bis 2024 können Arbeitgeber ihren Angestellten diese Prämie in beliebig großen (Teil-)Beträgen auszahlen.
Und laut einer Umfrage der Schweizer Versicherung Swiss Life hat dies gut ein Viertel der Arbeitgeber getan. Darunter auch die Caritas oder der Büroausstatter Bensegger, der seinen 60 Mitarbeitern die Prämie quartalsweise ausbezahlen will.
Bei den Rosenheimer Brauereien ist der Wille wohl auch da: „Wir haben uns schon sehr früh Gedanken zur Auszahlung der Inflationsprämie gemacht“, sagt Angelika Wildgruber von Flötzinger. Aber sie verweist auch darauf, dass Flötzinger genau den Tarifabschlüssen folgt. Die Verhandlungen darüber seien in vollem Gange. „NRW hat die Inflationsprämie dieses Wochenende bei den Tarifabschlüssen mit abgeschlossen, in Höhe von 3000 Euro“, erklärt sie weiter. Sie ist sich sicher, dass es auch in Bayern einen ähnlichen Abschluss geben wird. „Dieser wird aber noch circa zwei bis vier Wochen auf sich warten lassen.“ Bei Rosenheims anderer großer Brauerei, Auerbräu, will man sich nicht zu laufenden Verhandlungen äußern.
Lohnerhöhungen
bei IT-Dienstleister
Einen ganz anderen Ansatz, um die Mitarbeiter in Zeiten von Inflation zu entlasten, wählte das Tech-Unternehmen Q-Aware: „Wir übernehmen soziale Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und erhöhen die Jahresgehälter ab sofort pauschal um 7500 Euro“, verkündete einer der fünf Geschäftsführer des IT-Dienstleisters, Dr. Josef Adersberger, bereits im Juli vergangenen Jahres.
„Am stärksten betroffen sind zwar Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen oder ohne festes Einkommen. Aber auch Menschen in regulären Jobs bereitet die Teuerung Sorge – selbst in unserer privilegierten Branche“, erläutert Christian Kamm, ein anderer Geschäftsführer der Firma.
Eine Gehaltserhöhung ist, im Gegensatz zu Einmalprämien, ökonomisch umstritten. Grundsätzlich gelte, wie Bayern-LB-Chef Dr. Jürgen Michels erklärt, „wenn die Löhne dauerhaft steigen, besteht die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Das heißt: Für die Unternehmen gehen die Kosten aufgrund der Löhne nach oben und deswegen werden die Preise wieder angehoben und das schaukelt sich dann nach oben.“ Im Falle von Q-Aware besteht diese Gefahr eher nicht. Laut eigenen Angaben finanziert das Unternehmen die Gehaltserhöhung über Rücklagen. Manuel Halbmeier von der NGG sieht das freilich anders: „Die Prämie ist eine Art finanzielles ‚Inflations-Pflaster‘, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Langfristig helfen nur fortlaufende Lohnerhöhungen, die sich an den Preisentwicklungen orientieren.“
NGG erwartet
deutlich mehr Lohn
Der Gewerkschafter kündigte Lohnforderungen von „10 plus X“ Prozent an. Azubis müssten mindestens 150 Euro mehr pro Monat bekommen. 10 Prozent entsprächen in etwa der Inflation.
Bereits im Januar bestreikte die Gewerkschaft den Getränkeriesen Coca Cola. Und in Nordrhein-Westfalen kam es in den vergangenen Wochen bei großen Brauereien immer wieder zu Warnstreiks.