Rosenheim – Um zu dem Gelände des ASV Happing an der Eichfeldstraße 20 zu gelangen, muss Bernhard Reichert in Zukunft mehr Zeit einplanen. Der Dritte Vorsitzende des Vereins wohnt in Raubling. In den vergangenen Jahren ist er immer von der Innaustraße in die Eichfeldstraße eingebogen, um von dort zum Vereinsheim zu gelangen. Demnächst muss er einen Umweg über den Happinger Hof fahren. „Der ist für mich aber unerheblich“, sagt er.
Vereinsheim über
Umweg zu erreichen
Grund für den Umweg ist – wie im Verkehrskonzept für Alt-Happing vorgesehen – die Sperrung der Eichfeldstraße für den Autoverkehr zwischen Tierklinik und dem Restaurant „Da Giuliano“. „Dieser Bereich soll zum Geh- und Radweg umgewidmet werden“, teilt die Verwaltung am gestrigen Freitag in einer Pressemitteilung mit. Weitere Abschnitte sollen einem Sprecher zufolge als Fahrradstraße ausgewiesen und dürfen nur noch von Anliegern genutzt werden. „Die Eichfeldstraße bleibt bestehen und sowohl Sportverein als auch Gaststätte sind weiterhin erreichbar“, sagt Oberbürgermeister Andreas März.
Verbindung teils auf
privatem Grund
Für die Stadt Rosenheim, aber auch die Anlieger dürfte das ein Gewinn sein. Lange Zeit war ungewiss, ob – und wenn ja wie – es mit der Eichfeldstraße weitergeht. Denn die Straße liegt zum Teil auf dem privaten Grund von Christof Huber, Betreiber des Reschenhofes. Nachdem mehrere Versuche vonseiten der Stadt fehlgeschlagen waren, die Straße zu erwerben, und keine Einigung erzielt werden konnte, zog Huber vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und forderte den Rückbau auf seinen Flächen, die sich im nördlichen Abschnitt der Straße befinden – also zwischen der letzten Bauparzelle am Kirchenweg bis auf Höhe der Tennisplätze.
Im April 2022 bekam er recht, ließ anschließend die Grundstücksgrenzen vermessen und einige Monate später den Asphalt entlang dieser Grenzen aufschneiden. Auf einer Länge von 133 Metern zieht sich seitdem ein tiefer Schnitt durch die Straße, eine Einigung zwischen Stadt und Landwirt in dem jahrelangen Streit war nicht in Sicht. „Die Unstimmigkeiten über die Besitzverhältnisse an Teilen der Eichfeldstraße, die zuletzt Gegenstand vor Gericht waren, wurden beigelegt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu gibt es ein Bild. Zu sehen: Oberbürgermeister März und Landwirt Huber beim Handschlag, direkt auf jener Straße, die jahrelang für hitzige Diskussionen gesorgt hatte.
Notar beglaubigt
Grundstückstausch
Auf Initiative von März und Huber sei laut Stadt „ein letzter Versuch“ unternommen worden, um die „Angelegenheit doch noch einvernehmlich beizulegen“. Mit einem beim Notar beglaubigten Grundstückstausch habe die Angelegenheit nun einen erfolgreichen Abschluss gefunden. „Ich bin begeistert, dass uns dies gelungen ist, und danke Christof Huber für seine konstruktive Gesprächsbereitschaft im Rahmen unserer Verhandlungen“, sagt Oberbürgermeister März. Ob sich die Straße nun komplett im Eigentum der Stadt befindet oder ob Huber der Stadt ein anderes Grundstück überlassen hat, wollte die Verwaltung auf OVB-Anfrage nicht bekannt geben.
Laut März ist es zudem gelungen, eine Gesprächsbasis zu schaffen, die es ermöglicht, auch andere Themen wie den Ausbau der Happinger-Au-Straße oder den Fortbestand des City-Golfs auf den Weg zu bringen. Denn auch die Flächen an der Moosbachstraße, auf denen sich die Golfanlage befindet, gehören Landwirt Huber. Weil er die Flächen landwirtschaftlich nutzen will, hat er den Vertrag mit City-Golf gekündigt.
Lösung für
City-Golf-Anlage
Eine Verlängerung des Pachtvertrages sei nur dann eine Option, wenn es Huber gelinge, von der Stadt „die benötigte landwirtschaftliche Fläche im Bereich seiner Hofstelle zu erwerben“. So jedenfalls teilte es Hubers Rechtsanwalt, Adolf Friedel, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen im vergangenen Jahr mit. Dass jetzt zumindest eine Lösung für die Eichfeldstraße gefunden wurde, stimmt City-Golf-Geschäftsführer Rainer Blum optimistisch: „Die Rosenheimer Golfer schauen zuversichtlich in die Zukunft.“ Und auch beim ASV Happing ist man mit der Lösung zufrieden.
Zumal ein Großteil der Mitglieder von Norden her kommen würde. Ähnlich äußert sich Giuliano Ruggieri vom Restaurant „Da Giuliano“. Trotzdem bleibt die Angst, dass er durch die Sperrung den ein oder anderen Kunden verlieren könnte, der nicht bereit ist, den Umweg auf sich zu nehmen. Zufrieden äußert sich Christof Huber: „Dem Oberbürgermeister liegt das Wohl der Stadt am Herzen, dem auch ich mich verpflichtet fühle. Ich freue mich, dass wir im Rahmen konstruktiver und respektvoller Gespräche eine außergerichtliche Lösung gefunden haben.“