Lagerhalle statt Veranstaltungsraum

von Redaktion

In der Rosenheimer Hammerhalle fanden in der Vergangenheit schon viele Veranstaltungen statt, von Ü30-Partys über Konzerte bis hin zu Jobmessen. Doch das geht derzeit nicht mehr – aus einem ganz bestimmten Grund.

Rosenheim – Ab 1. Januar 2023 trat bundesweit die Mehrwegangebotspflicht in Kraft. Seit da an müssen Restaurants, Bistros, Cafés und eben auch Kinos, die Essen und Getränke zum Mitnehmen verkaufen, Produkte auch in Mehrwegverpackungen anbieten. Die Häuser der Kinopolis-Gruppe servieren schon seit Ende November 2021 Softgetränke nur noch in Mehrwegbechern und das nicht nur aus Gründen von Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Lieferschwierigkeiten
als Auslöser

„Die Lieferschwierigkeiten, die durch die Pandemie entstanden, betraf auch Pappbecher. Wir hatten damals große Schwierigkeiten, welche zu bekommen, erzählt Janet Breucker, Betriebsleiterin des Kinopolis Rosenheim. Darum habe sich die Kinokette Kinopolis mit 16 Standorten in Deutschland dazu entschlossen, auf ein Mehrwegsystem umzustellen. Ohnehin hätte man dies in absehbarer Zeit in Angriff nehmen müssen.

Im Kinopolis Rosenheim sind nun um die 60000 Mehrwegbecher im Umlauf. „Die brauchen natürlich irgendwo ihren Platz“, erklärt die Betriebsleiterin. Darum sah man sich gezwungen, die Hammerhalle vorerst als Lagerhalle für benutzte und frisch gespülte Becher umzufunktionieren: „Für die Lagerung braucht es Fläche und die ist auch bei uns beschränkt“.

Von der Hammerhalle treten die benutzten Becher nun einmal in der Woche ihren Weg zu einem professionellen Spüldienst an. Sauber gewaschen und desinfiziert kommen sie von dort wieder zurück zum Kinopolis Rosenheim. Logistisch, personell und finanziell ein großer Mehraufwand und auch in puncto Nachhaltigkeit noch nicht ganz ausgereift, wie auch Janet Breucker meint: „Derzeit gibt es noch keinen Spüldienst ganz in der Nähe. Also müssen die Becher über die Autobahn transportiert werden. Das ist natürlich nicht im Sinne der Nachhaltigkeit“.

Angedacht sei darum die Anschaffung einer eigenen Spülstraße. Doch auch die braucht dann natürlich wieder Platz. Damit sei klar, dass die Hammerhalle vorerst nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung stehen könne.

Aber auch aufseiten der Kinobesucher läuft aktuell noch nicht alles rund mit den Mehrwegbechern. Rücknahmestationen im Foyer dienen für die Rückgabe. Derzeit landen dort aber noch längst nicht alle Becher. Immer wieder nehmen Kinobesucher die Becher einfach mit – die einen aus Unwissenheit, die anderen aus Bequemlichkeit. Auch Aufklärung vonseiten des Personals und ein extra gedrehter Kinospot, der auf das Mehrwegsystem hinweist, können daran bislang nicht viel ändern.

Janet Breucker wundert das nur bedingt. „Viele Jahre wurde den Kinobesuchern erklärt, dass sie doch bitte ihren Müll nach der Vorstellung mitnehmen sollten und nun ist es genau anders. Da braucht es halt wieder seine Zeit, bis sich das neue System durchsetzt“, meint sie.

Mittlerweile wurden sogar wieder einige Pappbecher angeschafft, für Kinobesucher, die nach der Kinovorstellung ihren Mehrwegbecher noch nicht komplett ausgetrunken haben. Diese können sich das Restgetränk nun zum Mitnehmen umfüllen lassen. Für alle, die den Getränkerest noch vor Ort entsorgen wollen, gibt es an den Rücknahmestationen eine extra Öffnung, ebenso wie für Strohhalm und Deckel. Bis aber jeder Kinobesucher dort alles säuberlich getrennt und entleert hat, vergeht natürlich nach einer Kinoverstellung etwas Zeit.

Erwerb eines eigenen
Bechers möglich

Nach Ansicht von Janet Breucker ein weiterer Grund, warum einige Kinobesucher ihren Becher dann doch wieder einfach irgendwo abstellen oder sogar mitnehmen. „Da ist auch noch Luft nach oben“, meint sie. Auch die Rücknahmestationen sollen darum weiterentwickelt und verfeinert werden. Außerdem könnte sich Janet Breucker vorstellen, dass die Gäste zukünftig einen eigenen Mehrwegbecher erwerben können, der dann zu jedem Kinobesuch mitgebracht und kostengünstiger aufgefüllt wird. Es gibt also noch einige Fragen zu klären und einiges zu verbessern. „Wir gehören da jetzt halt zu den Pionieren“, meint Janet Breucker schmunzelnd.

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