Rosenheim – Eine ganze Reihe von Adjektiven fallen Johannes Gottwald und Johannes Eisner ein, wenn sie ihr vergangenes Jahr beschreiben sollen. Da ist „turbulent“, „intensiv“, „schön“, „überwältigend“. Der Grund für diese Liste: Eisner ist Sänger und Gottwald Pianist der Deutschpop-Band „Kaffkiez“. Im vergangenen Jahr haben sie ihr Debutalbum „Alles auf Anfang“ veröffentlicht etwa 70 Konzerte gespielt und dafür rund 40000 Kilometer zurückgelegt – von der Schweiz bis Rostock, auf manchen Festivals vor tausenden Zuschauern. Die Wahl der Adjektive leuchtet also ein – allerdings nennen sie das Jahr auch „sehr, sehr anstrengend“.
„Gefühlt sind wir einmal um die Welt gefahren“, sagt Eisner. Einmal spielten sie an einem Wochenende auf vier Festivals, mit dem letzten Konzert auf dem „Deichbrand“. Anfangs waren die fünf Rosenheimer noch skeptisch: Es war ein Sonntagabend, wie viele würden da schon noch kommen? Am Ende musste es wegen der vielen Besucher einen Einlassstopp geben. „Das war schon ein Ritterschlag“, sagt Gottwald.
Kurz vor der Corona-Pandemie starteten Eisner und Gottwald gemeinsam mit ihren Freunden Niklas Mayer, Benedikt Vodermaier und Florian Weinberger das Projekt „Kaffkiez“. Zuvor hatten sie sich jahrelang als Partyband durch die Abibälle und Volksfeste der Region gespielt. Mit dem Wechsel zum deutschen Indiepop kam der Erfolg, inzwischen ist die Band deutschlandweit bekannt. Die ersten eigenen Tourneen konnte Kaffkiez aber wegen Corona erst 2022 spielen.
Die Erfahrungen dieser Konzerte verarbeitet die Band in ihrer neuen Single „Alles nur gelogen“, die am Freitag, 31. März, erschienen ist. Darin klingt nicht alles nur positiv: In Zeilen wie „Bin nie daheim, versprech’ zu viel, fahr los obwohl ich krank bin für die Gage und fürs Team“ singt Eisner über den Druck des Musikerlebens und darüber, wie persönliche Beziehungen darunter leiden können.
„Man spricht in Interviews immer wieder davon, wie schön alles war – und natürlich war alles schön“, sagt Eisner. „Aber es gibt eben auch die andere Seite.“ Bei so vielen Konzerten in einem Jahr bleibe nicht viel Zeit für anderes. „Ich habe gemerkt, dass ich gefühlt jede Uniparty, jeden Masterabschluss von Freunden absagen musste“, sagt Gottwald. Als Musiker müsse man Kompromisse eingehen. Verbittert ist Kaffkiez aber nicht.
Denn die Dankbarkeit für alles sei viel größer als die negativen Aspekte. Den Kontakt mit ihren Freunden und Familien haben sie gut halten können. Und nicht zuletzt haben die Rosenheimer noch einiges vor: Die Band schreibt an neuer Musik und hat eine Community auf „Patreon“ gegründet. Fans können dafür zwischen fünf und 20 Euro zahlen, um neue Songs exklusiv vorab zu hören und sich in Videocalls mit der Band zu treffen. „Wir haben immer gesagt, wir machen es, solange es Spaß macht – und es macht Spaß. Die Geschichte ist noch lange nicht vorbei“, sagt Eisner.
In diesem Jahr sind bis auf einige Auftritte auf Festivals – darunter mit dem „Southside“ und dem „Hurricane“ zwei der größten in Deutschland – kaum Konzerte geplant. Nur ein Termin steht schon fest im Kalender: Am 23. Dezember spielt Kaffkiez ein Konzert im Rosenheimer Ballhaus – so wie schon im vergangenen Jahr. Es ist bereits ausverkauft. Kilian Schroeder