Einzigartiges Naturschauspiel

von Redaktion

Wasserwirtschaftsamt renaturiert Mangfall – Nasen wandern durch Kolbermoor

Rosenheim/Kolbermoor – Ein besonderes Schauspiel ist in den kommenden Wochen an der Mangfall zu erleben. Tausende Nasen suchen nach geeigneten Laichplätzen. Zum ersten Mal seit 100 Jahren können sie dabei auch den Kolbermoorer Flussabschnitt ohne Hindernisse passieren. Dieses Frühjahr wird ein ganz besonderes sein. Wenn in den nächsten Wochen Fischschwärme aus Tausenden von Nasen vom Inn herauf in die Mangfall ziehen, um dort an den Kiesbänken zu laichen, wird es zu einem spannenden Moment kommen. Erstmalig seit über 100 Jahren nämlich ist es den Fischen auch wieder möglich, weiter stromaufwärts bis zum Wehr in Bad Aibling zu ziehen und sich auch in diesem Flussabschnitt die besten Kieslaichplätze auszusuchen.

Zum ersten Mal
seit 100 Jahren

Denn seit Kurzem sind nun auch die letzten zwei Betonabstürze und Wanderhindernisse für Fische an der Mangfall oberhalb des Turnerstegs auf einer Länge von 400 Metern naturnah umgebaut worden. Es entstanden weitere naturnah gestaltete Rampen und strukturreiche Gewässerabschnitte. Die Umbaumaßnahmen wurden vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim in enger Abstimmung mit dem örtlichen Fischereiverein und der Fachberatung für Fischerei geplant und von der Flussmeisterstelle Rosenheim umgesetzt.

Der Umbau von nicht durchgängigen Sohlsicherungen führt zu einer großflächigen Verbesserung der ökologischen Situation an der Mangfall und ist für den guten Gewässerzustand wesentlich. Auch bei Niedrigwasserabflüssen verbessern strukturreiche Gewässerabschnitte mit unterschiedlichen Wassertiefen und Strömungsgeschwindigkeiten die Widerstandskraft des Gewässers und bieten Rückzugsraum für die Gewässerbewohner auch in Zeiten des Klimawandels. Die bestehenden rund einen halben Meter hohen Abstürze wurden durch niedrigere Querriegel aus Wasserbausteinen ersetzt.

Zwischen den Riegeln entstehen Beckenstrukturen, die gewährleisten, dass Fische auch bei Niedrigwasser wandern können. Die Umbauten sind ein weiterer Schritt, um im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie den ökologischen Zustand der Mangfall zu verbessern.

Hunderte auf Weg
zu Laichplätzen

Die Mangfall wurde vor mehr als 100 Jahren ausgebaut und begradigt, um die Holztrift zur Saline Rosenheim zu erleichtern und um die Wasserkraft zu nutzen. Dabei wurde der ehemals gewundene, verzweigte Lauf der Mangfall verkürzt, was zu einem höheren Gefälle und höheren Fließgeschwindigkeiten geführt hat. Um trotzdem die Kiessohle der Mangfall vor Erosion und Eintiefung zu schützen, hat man damals eine Vielzahl von Sohlabstürzen eingebaut. Diese Abstürze, die bis zu 1,5 Meter hoch sind, verhinderten bislang die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers.

Die renaturierte Mangfall ist nicht nur für die Wasserbewohner ein Genuss, sondern bietet den Kolbermoorern zugleich ein einzigartiges Naturschauspiel, wenn die Nasen – sie gehören zur Familie der Karpfenfische – zu hunderten ihre Laichplätze im Bereich der Kiesinseln im Stadtgebiet Rosenheim aufsuchen.

Dieses Schauspiel dauert lediglich zwei bis drei Wochen. Die Fische laichen auf einigen 50 bis 100 Metern. In dieser Zeit sollten sie an dieser Stelle nicht unnötig gestört werden, damit dieses Naturschauspiel uns noch lange erhalten bleibt.

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