Leserforum

„Rosenheimer Weg“ überzeugt nicht

von Redaktion

Zur Berichterstattung über neue Gedenktafel (Lokalteil):

Wie sieht bisher der „Rosenheimer Weg“ der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aus? Eine öffentliche Debatte über dessen Gestaltung fehlt ja bislang und über eine Recherche bezüglich weiterer Opfern ist auch nichts bekannt geworden. So ist man bei der Beurteilung auf die zwei einzigen Aktionen der letzten 14 Monate angewiesen: eine Möbiusschleife vor der Mädchenrealschule und jetzt eine kleine unscheinbare dunkle Tafel im Gang des Mittertors.

Passanten nehmen diese leider kaum wahr, zumal die Überschrift „Nie wieder wegschauen!“ lautet und erst beim Lesen des Textes die eigentliche Botschaft sichtbar wird. Zudem enthält die Tafel auch Mängel und Fehler. Gleich zu Beginn stolpert man über den Satz: „Vordergründig ging es zunächst vielen Menschen besser“ – gemeint ist im Nationalsozialismus. Was für eine unpassende Feststellung, wenn von der Opfern einer mörderischen Diktatur gesprochen werden soll! Und als die Opfergruppen genannt werden, fehlen viele, beispielsweise die Zeugen Jehovas. Zudem wird auch noch der Nazibegriff „Asoziale“ übernommen, indem das Wort ohne Anführungszeichen geschrieben wird. Das kann auf keinen Fall so stehen bleiben.

Und auch bei den jüdischen Opfern gibt es Mängel, denn Moses Fichtmann verstarb schon vor der Deportation und die jüdische Familie Block kam aus Niederndorf und nicht aus Rosenheim.

Grundsätzlich ist der bisherige „Rosenheimer Weg“ alles andere als überzeugend. Wie will man riesige „Möbiusschleifen“ an Häusern anbringen und wie soll eine kleine unscheinbare Tafel dem Grauen der Nazizeit in Rosenheim gerecht werden? Zum individuellen Gedenken braucht es meiner Überzeugung nach Stolpersteine und zusätzlich für das allgemeine Gedenken ein zentrales Denkmal an gut sichtbarer Stelle.

Andreas Salomon

Rosenheim

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