Rosenheim – „Wir verhandeln nicht mit Kriminellen!”. Das stellt der Bevollmächtigte des Eigentümers des Hotel „Goldener Hirsch”, Arno Mühlhausen, gleich zu Beginn im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen fest. „Warum ist man nicht in Verhandlungen mit uns getreten, ohne eine Hausbesetzung zu machen?” Eine der Forderungen der Besetzer, die am vergangenen Donnerstag in das ehemalige Hotel eingedrungen sind, war es, mit den Eigentümern über die weitere Nutzung des Gebäudes zu sprechen. „Niemand hat mit uns gesprochen”, sagt Mühlhausen. „Ich frage mich, warum man erst das Gesetz brechen muss, um mit dem Eigentümer über Wohnraum zu sprechen.”
Schaden wird
ermittelt
Der Schaden, der durch die Besetzung entstanden ist, wird derzeit aufgenommen. Bis die Sache zivilrechtlich geklärt ist, bleibt der Eigentümer erst einmal auf den Schäden sitzen. „Derzeit behalten wir uns eine Klage vor, bis eine Schadensaufstellung abgeschlossen ist”, sagt Arno Mühlhausen. „Wir haben aber kein Interesse an einer Strafverfolgung.”
Schaden entstand mindestens durch ein zerstörtes Fenster auf der Rückseite des Gebäudes, durch das die Besetzer eingedrungen waren. Außerdem an der Hauswand durch Graffiti und Rückstände der lila Rauchfackeln.
Feuerwehr entfernt
Ketten
Nach stundenlanger Besetzung konnten die Polizei und die Feuerwehr das Hotel am Donnerstag räumen. „Die Atmosphäre des Einsatzes war eine andere als sonst”, sagt Stadtbrandrat Hans Meyrl. „Ansonsten war das eigentlich ein Standardeinsatz.“ Die Feuerwehr entfernte die Ketten, mit denen sich die Aktivisten festgemacht hatten und verschalte das kaputte Fenster.
Rosenheim solle eine Leerstandsstudie in Auftrag geben. Das war eine weitere Forderung des neu gegründeten Kollektivs „Häuser besetzen“. Nur: Leerstand im Sinne von ungenutztem und unvermietetem Wohnraum gibt es in dem früheren Hotel nicht. Bis 2019 war das Gebäude an ein Restaurant vermietet. Als eine Legionellenverseuchung in den Trinkwasserleitungen festgestellt wurde, hat die Stadt das Restaurant geschlossen.
Daraufhin ließ der Eigentümer das Objekt im Jahr 2020 für mehrere hunderttausend Euro entkernen. Übrig geblieben sind Räume ohne Leitungen, ohne Strom, ohne Böden. Für Vermietungen im derzeitigen Zustand ist das Gebäude nicht geeignet.
Leerstände
erfassen?
Ein aktives Leerstandsmanagement würden auch mehrere regionale Politiker unterstützen. „Wer glaubt, der Markt regle das schon alles, der nimmt weitere Leerstände wie den Goldenen Hirschen in Kauf“, sagt beispielsweise SPD-Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan. „Es braucht zeitnah ein aktives Leerstandsmanagement in Rosenheim“, ist Erdogan überzeugt.
„In Verbindung mit einem Leerstandsmanagement, wie es die Stadt Augsburg nutzt, hätte auch die Stadt Rosenheim die Chance, dem Leerstand den Kampf anzusagen“, sagt Ates Gürpinar, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Rosenheim.
Arno Mühlhausen sieht das skeptisch. „Wie soll ein Leerstandsmanagement aussehen? Wenn es das gäbe, müsste der Bund, das Land oder die Kommune das mit beispielsweise zinslosen Darlehen unterstützen.“
Der Eigentümer des ehemaligen Hotels wurde auch aufgefordert, er solle Leerstand zur Verfügung stellen. Im „Goldenen Hirsch“ ist das allerdings derzeit gar nicht möglich.
Dem Eigentümer gehören tatsächlich noch weitere Immobilien in Rosenheim, unter anderem der „Hammerwirt“. Nach Gesprächen mit der Stadt habe der Eigentümer unter anderem den Hammerwirt für viel Geld renovieren lassen. „Die Stadt hat die Wohnungen dort gemietet, dort wohnen nun in 18 Wohnungen Migranten aus der Ukraine“, sagt Mühlhausen. Auch die Gaststätte im Erdgeschoss wird derzeit renoviert. Dort solls im Sommer ein neues Restaurant mit bayerischer Küche und Biergarten eröffnen.
Keine Hotelnutzung
an dieser Stelle mehr
Eine Wiedereröffnung des Hotels „Goldener Hirsch” wird es aber wohl nicht geben. Der Eigentümer will die Immobilie verkaufen. Die Verhandlungen mit Interessenten laufen.
Mit den neuen Hotels am Bahnhof ist es unwahrscheinlich, dass an dieser prominenten Stelle in der Innenstadt ein neues Hotel entsteht. Wahrscheinlicher ist aufgrund der Lage eine Ladenzeile und darüber Wohnungen, sagt Mühlhausen. „Wir wollen wissen, was der neue Eigentümer damit macht.“ Der jetzige Eigentümer hat kein Interesse, das Gebäude neu zu bauen. Der ganze Baumarkt habe sich im letzten halben Jahr negativ entwickelt, die Materialpreise seien stark gestiegen, die Zinsen würden wöchentlich steigen. Das sei für einen Eigentümer ein großes Risiko.
Kollektiv will ähnlich
weitermachen
Für die Hausbesetzer und das Kollektiv „Häuser besetzen” war die Aktion dagegen ein voller Erfolg (siehe Kasten). Die Aufmerksamkeit wurde erreicht, nur die Art und Weise stößt vielen auf. Rosenheims Zweiter Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) sagt, in der Stadt gebe es keinen Platz für Extremismus. Weder von links, noch von rechts.